DJ Bobo geht mit einer neuen Show auf Tournee und ist auch in der Schweiz zu sehen.
Musik | 14. Januar 2012
«Brauche Leute um mich herum, die besser sind als ich»
Im Europapark Rust feierte die Show «Dancing Las Vegas» Ende November Weltpremiere. Im Mai gastiert DJ Bobo mit diesem Programm in Kreuzlingen, Bern, Basel und Zürich – am 7. Juni mit zwei Aufführungen in der SwissporArena Luzern.
Mit René Baumann alias DJ Bobo sprach Christian Ballat
Las Vegas ist die Spieler-Metropole. Die englische Sprache kennt zwei Worte für Spieler. Sind Sie eher ein «Gambler» oder ein «Player»?
Ich bin ganz klar kein «Gambler», mit einer kleinen Ausnahme. Ich spiele gerne Poker. Dies ist kein reines Glücks-, sondern ein Strategiespiel. Es braucht eine gute Nase, Gefühl und eine gute Selbsteinschätzung. Ich bin daher wohl eher ein Player, der mit einem Budget der Super League in der Champions League mitzuspielen und zu bestehen versucht.
Das Spiel ist Ihnen also wichtig?
Ich bin ein Mannschaftssportler, auch auf der Bühne. Um Erfolge feiern zu können, muss ich mich mit Menschen umgeben, die besser sind als ich. Beim Fussball fühle ich mich am wohlsten im Mittelfeld. In der Verteidigung oder im Sturm würde ich wohl die meisten Zweikämpfe verlieren, im Mittelfeld habe ich aber die Möglichkeit, die Bälle an jene zu verteilen, die damit umgehen und sich durchsetzen können.
Das Spiel mit dem Publikum …
… ist enorm wichtig. Die Zuschauer und Zuschauerinnen einer Show sind der Schlüssel zu einem guten Auftritt. Für mich gilt der Satz «Heute hat es ein schlechtes Publikum» nicht. Es liegt immer am Künstler und seinem Team.
Das Spiel mit Musikindustrie und Hitlisten …
… ist ein Kampf, den man nur verlieren kann. Wir versuchen, von den Charts und Hitparaden unabhängig zu sein und uns als Marke zu positionieren. Die Menschen sollen fragen, was DJ Bobo Neues macht, und nicht darüber diskutieren, ob er gerade Platz 23 oder 5 in der Hitparade belegt.
Das Spiel mit den eigenen Kindern …
… ist für mich ganz wichtig. Wir sind viel zusammen in der Natur, es geht um Bewegung und Sport. Aber auch Bäche stauen, Schlitteln und Bräteln machen wir gemeinsam. Es ist Glück, so viel Zeit mit ihnen verbringen zu können.
In einem Spiel läuft ohne Glück nichts.
Materieller Wohlstand hat meines Erachtens nichts mit Glück zu tun. Es stimmt schon, dass dies immer jene sagen, die über materiellen Wohlstand verfügen. Für mich lautet die Definition: Wenn das, was du willst, und das, was du erreichen kannst, nahe beieinander liegen, ist das grosses Glück.
Vor Ihrem ersten grossen Erfolg hatten Sie auch einige Flops.
Ich bin unglaublich ehrgeizig und willensstark. Bei den ersten Platten war es nicht mein Ziel, Nummer 1 zu werden, sondern keinen Verlust zu machen. Es war mir wichtiger, dass die Menschen, die meine Musik hörten, glücklich sind und diese Töne gerne hatten.
Zeitgemässe Musik richtet sich oft an die jungen Hörerinnen und Hörer. Deren Geschmack ändert sich aber dauernd. Wie schwierig ist es, mit Ihrer Musik immer wieder den richtigen Geschmack zu treffen?
Die Wahrheit liegt woanders. Die ersten sechs, sieben Jahre meiner Karriere traf ich mit meiner Musik den Nerv der Jungen. Heute sind es die damaligen Jungen, die heute um die 35 Jahre alt sind, die uns stützen. Unsere derzeitige Hauptzielgruppe ist 30- bis 50- jährig. Für heute 18-Jährige bin ich ein alternder Musikstar – und schon während ihres ganzen Lebens auf der Bühne anzutreffen. Das ist für viele nicht «cool» genug.
Was ist aus dem Traum der eigenen Bäckerei geworden?
Den hatte ich nie. Ich merkte schon früh während meiner Lehre zum Bäcker-Konditor, dass mich Musik viel mehr interessiert. Eigentlich habe ich Schallplattenverkäufer werden wollen – das wäre für mich ein Paradies gewesen. In meiner Jugend gab es noch kein Internet. In den Plattengeschäften konnte man die Kunden noch beraten und ihnen gute Musik vorschlagen. Damals wurden Platten auch noch gekauft – heute will niemand mehr für Musik bezahlen, da man sie gratis herunterladen kann.
Wie halten Sie sich Groupies vom Leib?
Ich habe keine Groupies. Ich glaube, dass diese nicht viel mehr als ein Mythos sind, jedenfalls habe ich nie entsprechende Erfahrungen gemacht. Und wer wäre heutzutage schon an einem glücklich verheirateten Mann mit zwei Kindern interessiert?
Ist es schwierig, als gefeierter Weltstar mit beiden Füssen auf dem Boden zu bleiben?
Als Schweizer fällt mir das überhaupt nicht schwer – es ist unsere Mentalität, die uns daran hindert, abzuheben. Wir Schweizer geben uns immer auf Augenhöhe, und wir sind reich. Wir streben nicht danach, über der Masse zu stehen. In welchem anderen Land könnten zwei Personen eine Idee haben und dazu eine Initiative lancieren? Roger Federer hat mich am Anfang seiner Erfolgsserie einmal gefragt, warum er im Ausland derart verehrt werde, in der Schweiz davon aber kaum etwas merke. Ich machte die gleiche Erfahrung, weiss aber heute, dass unsere Landsleute so sind. Sie anerkennen durchaus, was wir tun und erreichen – aber sie machen kein grosses «Gschiss» daraus. Das hat auch sein Gutes, so können wir Stars uns nämlich frei in der Öffentlichkeit bewegen.
Es gibt allerdings Fans, die Ihnen vorwerfen, überheblich zu sein. So sind Churer und Aargauer darüber verärgert, dass Ihre Konzerte nicht mehr vor deren «Haustür» stattfinden.
Die letzte Bühne war 14 Meter hoch. Damit passt sie nun mal nicht mehr in die Churer Stadthalle oder einen der Säle im Aargau. Man hätte der Figur zu viel abschneiden müssen. Grundsätzlich würde ich im Land, wo ich herkomme, gerne mehr auftreten. Darum sind für die aktuelle Tour auch sechs Auftritte geplant. Wie viele Grosse der Weltmusik machen mehr als einen oder zwei Auftritte in der Schweiz? Ich kann auch nicht von vornherein ein Konzert planen, dass mit Verlust abschliessen würde. In kleinen Sälen mit geringer Zuschauerzahl würde aber genau das passieren. Ich trage als Arbeitgeber auch eine gewisse wirtschaftlicheVerantwortung für meine Crew.
Sie haben jetzt aber doch eine Möglichkeit gefunden, dem Publikum etwas näher zu kommen.
Wir führen an verschiedenen Orten in der Schweiz sogenannte «Showcase» durch. Dabei singe ich zusammen mit der Band einige Stücke. Oft ist ein «Showcase» mit anderen Aktivitäten verbunden, wie am letzten Montag im Casino Luzern, wo der Auftritt mit einem spannenden Pokerturnier gekuppelt war.
Konzerttickets kosten heutzutage ziemlich viel Geld. Wie viel haben Sie für ein Billett bezahlt und war es das wert?
Das teuerste Ticket, das ich mir gekauft habe, hat um die 250 Pfund gekostet und war für die Michael-Jackson-Show in London. Da er aber vor dem Konzert starb, kam es nicht zum Auftritt. Was die DJ-Bobo-Shows betrifft, muss das Preis-Leistungsverhältnis stimmen, sonst höre ich wieder: «Ich melde es dem Kassensturz.» Für unsere Konzerte in der Schweiz haben wir auch einen speziellen Tarif für Kinder – sie bezahlen die Hälfte.
Die «Backstreet Boys» sind vor deren Bekanntwerden 1996 als Vorprogramm zu Ihrer Show «Love is the price» aufgetreten. Haben die Jungs mal danke gesagt für die Werbung?
Ich bin überzeugt, dass die «Backstreet Boys» den Durchbruch auch ohne meine Tour geschafft hätten. Ich habe nie eine Gegenleistung erwartet. Mit einigen von ihnen bin ich immer noch in Kontakt, kürzlich trafen wir uns zum Skifahren, vor einigen Monaten in Las Vegas.
Sie stehen nun seit 20 Jahren auf der Bühne. Wie geht es nach der «Dancing Las Vegas»-Tour weiter?
Das weiss ich nicht. Ich habe den Kopf nicht frei, jetzt darüber nachzudenken. Zuerst will ich, zusammen mit meiner Crew, das Publikum mit unseren Konzerten gut unterhalten.