Den Stars ganz nah – wie hier Seven, bei einer seiner Balladen. Fotos: Patrick Camenzind
Den Stars ganz nah – wie hier Seven, bei einer seiner Balladen. Fotos: Patrick Camenzind
Eine «Kraftwurzel», die auch leise kann: Nicht nur die Fans hatten am Auftritt von Andrea Bignasca Freude.
Eine «Kraftwurzel», die auch leise kann: Nicht nur die Fans hatten am Auftritt von Andrea Bignasca Freude.
In bester Erzähllaune und ziemlich rockig drauf: «Sina» aus dem Wallis.
In bester Erzähllaune und ziemlich rockig drauf: «Sina» aus dem Wallis.

Musik

Bestnote für sechste Auflage des Musikfests

Das Musikfest zog bei fast idealen Wetterbedingungen viele Besucher an und vermochte einmal mehr zu überzeugen. Die musikalische Vielfalt, der störungsfreie Betrieb und der grosse Besucheraufmarsch waren die Ernte für Tausende Stunden geleisteter Fronarbeit des OKs und der Helfer.

Musik begeistert die Menschen seit der Erfindung der Knochenflöte auf der schwäbischen Alp vor 35’000 Jahren. Seither hat sich einiges getan und das konnte man sich an diesem von einem motivierten und routinierten OK organisierten Anlass zu Gemüte führen: Angeführt von den beiden Hauptattraktionen Sina und Seven begeisterten während zweier Abende ein Dutzend Formationen auf zwei Bühnen mit breitem Stilmix das zahlreich aufmarschierte Publikum.


Überzeugte Überzeugungstäter


Es waren einmal mehr motivierte Überzeugungstäter am Werk, die den etablierten Anlass reibungslos organisiert und durchgeführt haben. Man spürte während des ganzen Anlasses die Freude an der Sache und bemühte sich erfolgreich um eine familiäre Atmosphäre. Dieser Anlass muss zur dringenden Wiederdurchführung empfohlen werden.


Treffpunkt 18 Uhr im Paracelsuspark: Der erste Abend wurde von der Einsiedler Folk-Pop-Gruppe Sealand mit melancholischen und nachdenklichen Klängen eröffnet. Als Kontrapunkt dazu nostalgierte anschliessend Crimer auf der Hauptbühne mit an die Achtzigerjahre erinnerndem Synthiepop; wer die Augen schloss, dachte wohl an «Depeche Mode». Der nachfolgende Berliner Liedermacher Max Prosa trat in die Fussstapfen von Reinhard Mey und trug mit leisen Tönen seine Texte vor. Das war die Ruhe vor dem musikalischen Sturm. Denn auf der Hauptbühne formierte sich nun Sina mit ihrer Band. Die Walliser Sängerin war schon mehrmals Gast in Einsiedeln, das erste Mal bereits in den Neunzigerjahren in der Reithalle. Das war kurz nach ihrem Wechsel vom Schlager zur höchst alemannischen Popmusik. Am Einsiedler Musikfest bot sie einen herrlichen Querschnitt durch 25 Jahre Schaffen, unterstützt und getragen von einer hervorragenden Band und einem auffallend guten Sound. Und wer es immer noch nicht weiss: Es ist der Sohn des Pfarrers gewesen! Blues- und Rockabilly-getränkt führten dann The Booze Bombs (die Schnapsbomben!) durch ihr Rock’n’Roll-Programm mit viel Fünfzigerjahre-Charme. Erstaunlich und erfreulich, wie die von Dixieland getränkte Musik von Interpreten aus dem süddeutschen «Black forest» authentisch aufgetischt wurde. Der Süden scheint den Rockabilly zu beherrschen! Den Abschluss machten an diesem warmen Augustabend Re:Funk mit Siebzigerjahresound à la «Shaft» oder «Kool & the gang». Synkopenreich und präzise gespielt animierten die Tessiner mit ihrem Groove zum Tanzen.


Stilistische Vielfalt am Samstag


Tatort Paracelsuspark, 17 Uhr: Der nach «ISO 8601» als sechster Tag bekannte Samstag wurde von Rival EmpireE musikalisch eröffnet. Die Combo spielte einen die zahlreichen englischen Vorbilder nicht verleugnenden Gitarren-Poprock – und zwar «comme il faut». Nun war auf der Hauptbühne musikalisches Schaffen aus dem Sottoceneri angesagt: der Luganese Andrea Bignasca offerierte einen Stilmix zwischen Blues, Soul und Americana und stach mit seiner rauen – an Bruce Springsteen erinnernden – Stimme hervor. Eine der Wurzeln der US-amerikanischen Musik stammt aus Irland: der Exportschlager Irish Folk. Die zwei Tauben und die Täuberiche von Pigeons on the Gate boten auf der Parkbühne Einblick in den modernistisch angereicherten Stil ohne die unverkennbare «Whistle» und die «Fiddle» zu vergessen. Dem Publikum gefiel die Pubatmosphäre an der frischen Luft. Zurück zur Hauptbühne: Der in Wohlen aufgewachsene und international beachtete Sänger Seven beeindruckte durch seine ausgereifte und stilsichere Soulstimme. Da müssten wohl ein paar Marvin Gaye LPs in seinem Plattenschrank zu finden sein. Mit einer eindrücklichen Band im Rücken gelang es ihm mit Leichtigkeit das Publikum zu begeistern. Von Wohlen nach Winterthur und von Soul zu Balkansound hiess es nun auf der Parkbühne: Sebass spielten authentische und temporeiche Zigeunermusik aus der gesamten Balkanregion. Die beiden Virtuosen an Handorgel und Klarinette befeuerten – unterstützt von treibender Rhythmusgruppe – die Stimmung und motivierten zum Tanzen. Den Abschluss des Festivals bestritten die Seeländer Death by Chocolate mit einem kraftvollen Set. Sie kombinierten diverse Stilarten von zart bis hart und gefielen besonders den Gitarrenrockfans.


Keine Wünsche offen


Fazit: Ein äusserst gelungener Anlass, der auf grosse Nachfrage stiess und geschmeidig organisiert war. Ein idealer Botschafter für das Klosterdorf Einsiedeln. Infrastruktur und Technik liessen keine Wünsche offen, Pannen suchte man vergebens. Zahlreiche Verpflegungsstände boten nebst dem vielseitigen Programm auch kulinarische Abwechslung und das Wetter spielte auch noch mit. Manch einer freut sich schon auf die nächste Ausrichtung des Festes. Den Stars ganz nah – wie hier Seven, bei einer seiner Balladen. Fotos: Patrick Camenzind «Death by Chocolate» – einziges Konzert in der Schweiz. In Einsiedeln! Eine «Kraftwurzel», die auch leise kann: Nicht nur die Fans hatten am Auftritt von Andrea Bignasca Freude. «Crimer» zeigte sich auch in Einsiedeln gewohnt engagiert. «Rival Empire»: Vom oberen Zürichsee hatte die Band keinen weiten Weg. In bester Erzähllaune und ziemlich rockig drauf: «Sina» aus dem Wallis.


Einsiedler Anzeiger / Roland Lutz

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

13.08.2019

Webcode

schwyzkultur.ch/Ttt14X