«Bote»-Mitarbeiter Kristian Polic und Sandra Bürgler präsentieren die Sennentrachten nach den neuen Richtlinien. Bild: Erhard Gick
«Bote»-Mitarbeiter Kristian Polic und Sandra Bürgler präsentieren die Sennentrachten nach den neuen Richtlinien. Bild: Erhard Gick

Volkskultur

Erstmals gibt es Richtlinien für die Sennentracht

Die Sennengesellschaften Schwyz, Muotathal und Illgau haben Richtlinien definiert, wie die Sennentracht aussehen soll. Grosse Unterschiede zu den bisherigen Gwändli gibt es jedoch nicht. Deshalb können diese auch weiterhin verwendet werden.

Sandra Bürgler Die Sennengwändli sind uralt, und doch gibt es bisher keine Dokumente, die irgendwelche Informationen über die Entstehung oder über den Schnitt liefern. Nun haben die beiden Sennengesellschaften Muotathal und Schwyz in Zusammenarbeit mit einer kleinen Gruppe von Schneiderinnen Richtlinien geschaffen, die zukünftig als Vorlage für die Sennengwändli dienen. Auch die Sennengesellschaft Illgau will sich danach richten. Viele Abweichungen zu der bisherigen Tracht gebe es nicht, erklärt Hedi Tschümperlin, die zu der Gruppe der Schneiderinnen gehört. Vielmehr habe man das bereits Vorhandene dokumentiert und Richtlinien zum Nachlesen erstellt. Die bisher genutzten Trachten müssen nicht ersetzt werden Die bisherigen Sennentrachten sind individuell und doch sind sie im Grundkonzept immer gleich. So gibt es immer irgendwelche kleinen Abweichungen, zum Beispiel im Schnitt des Mieders, der Rocklänge oder die Auswahl der Knöpfe beim Gilet. «Wir wollten wissen, was wir nähen müssen», sagt Tschümperlin. «Heute werden die Kleidungsstücke nur noch selten zu Hause genäht, und das Wissen wird nicht mehr wie früher in der Familie weitergegeben.» Deswegen würden viele Personen auf sie zukommen, wenn sie ein neues Sennengwändli wollen oder etwas daran ändern müssen. Die Sennentracht soll keine Uniform mit strikten Vorgaben werden. Es sei auch nicht so, dass die alten Gwändli nun ersetzt werden müssen. «Sie sollen noch so lange gebraucht werden, wie es geht», sagt Tschümperlin. Stofflager im Degenberg errichtet Nebst der Form der Sennengwändli war auch die Materialbeschaffung ein Problem. Vor allem die roten Bändchen seien schwer zu besorgen. Deswegen wurde bei Hedi Tschümperlin im Degenberg in Ibach ein Stofflager eingerichtet.


Herrenvorgaben


In Illgau besteht das Sennenchäppi aus schwarzem Samt, ist rot eingefasst und meistens bestickt. In Muotathal und Schwyz gibt es jeweils eines aus Leder, und das ist entweder mit rotem oder weissem Band eingefasst. Zudem gehört das Schweizer- oder Schwyzerwappen auf das Chäppi. Unter dem Hemdkragen wird ein schwarzer Jodlerknopf gesteckt oder mittels Elast um den Hals  befestigt. Das Vorderteil des Länders besteht aus einem roten Wollstoff. Die Knöpfe sind golden. Der Länder wird offen getragen, nicht zugeknöpft. Auf der Rückseite befindet sich unten eine verstellbare Schnalle. In Schwyz und im Muotathal tragen die Sennenbuebe einen in Leder eingefassten Bauchgürtel, der über dem Hosenbund getragen wird. Für die gestickten Muster gibt es keine Vorlage. In Illgau trägt man keinen Gürtel. Die Hosen dürfen keine ausgewaschene Jeans sein und sollen aus Tuch oder Gabertine bestehen. Die Socken sind schwarz, wie es auch bei den Hosen der Fall ist.


Damenvorgaben


Der Halsausschnitt des Mieders soll zukünftig eckig geschnitten werden. Das Rückenteil läuft in der Rückenmitte Spitz zusammen, wie das auch vorne der Fall ist. Das Mieder besteht nach wie vor aus schwarzem Samt und wird mit einem roten Band verziert. Die Kordel wird kreuzweise von hinten nach vorne eingefädelt. Das Mieder soll vorne wieder zusammenkommen. Die Ärmel der weissen Bluse reichen bis zum Ellenbogen. Am Hals und am Armabschluss befindet sich weisser Spitzenstoff. Am Hals gibt es einen Tunnelzug, damit der Ausschnitt
angepasst werden kann. Zur Zierde wird über dem Blusenelast ein schwarzes Samtband getragen, welches individuell mit rotem Band verziert ist. Dies kann zum Beispiel um das Samtband gewickelt werden oder parallel dazu laufen. Der Rock besteht aus einem schwarzen
Stoff, hat eine Glockenform und wird bis zur Taille hochgezogen. Geschlossen wird er meistens auf der linken Seite. Der untere Rand soll 40 cm vom Boden entfernt sein. Wie auch beim Mieder gibt es zwei rote Bänder, die den Rock verzieren. Da das Mieder hinten in der Mitte einen Spitz hat, werden die neu angefertigten Schürzen auf der linken Seite gebunden. Bei manchen befindet sich nur ein Bändel an der Schürze. In solchen Fällen wird er links am Schürzenbund eingeknöpft. Unten ist Spitzenstoff befestigt. Entweder ist dieser der gleiche wie bei der Bluse, oder etwas breiter. Die Schürze ist 17 cm kürzer als der Rock.


Bote der Urschweiz / Sandra Bürgler

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

01.02.2019

Webcode

schwyzkultur.ch/wwBN9W