Im Theater Ariston auftreten zu dürfen, ist für viele italienische Musiker ein Traum. Für die Band Eskaloska mit dem Trachslauer Marcello Caranci (dritter von links) ist dieser am Sanremo Rock & Trend Festival wahr geworden. Foto: zvg
Im Theater Ariston auftreten zu dürfen, ist für viele italienische Musiker ein Traum. Für die Band Eskaloska mit dem Trachslauer Marcello Caranci (dritter von links) ist dieser am Sanremo Rock & Trend Festival wahr geworden. Foto: zvg

Musik

«Eskaloska» vor italienischer Star-Jury

Die Band Eskaloska mit dem Trachslauer Marcello Caranci nahm am renommiertesten Musikwettbewerb Italiens teil. Marco Procaccini, Marcello Caranci, Leonardo Filippone, Devis Annibaldi und Andrea Meloni bilden die Band Eskaloska. Am Sanremo Rock & Trend Festival durften sie ihr Können unter Beweis stellen … ein Jurymitglied hätte sie gerne im Finale gesehen.

Das Sanremo Rock & Trend Festival ist der renommierteste und wichtigste Musikwettbewerb Italiens für die Genres Rock bis Pop und allerlei dazwischen. Unzählige grosse Künstler wie zum Beispiel Zucchero Sugar Fornaciari, Litfiba oder Edoardo Bennato starteten ihre Karrieren aus diesem Wettbewerb heraus. Für die 32. Ausgabe des Contests wurde fast ein Jahr lang in ganz Italien nach den besten Bands und Solokünstlern gesucht. Insgesamt nahmen rund 1800 Bands teil, 400 davon wurden für die Vorausscheidungen ausgewählt. Die Band Eskaloska mit Marcello Caranci aus Trachslau performte im Oktober 2018 an der Vorausscheidung in Mailand und qualifizierte sich als eine der 130 Bands für die Finals in Sanremo, die vom 3. bis 7. Juni über die Bühne gingen. Die Band, welche in Trachslau probt, war die einzige, die aus dem Ausland kam. Während drei Tagen präsentierten sich alle Finalteilnehmer live auf der Bühne vor einer hochkarätigen Jury. Abends fanden jeweils im angegliederten «Rolling Stone» Jam Sessions sowie Interviews, Medienpräsentationen und so weiter statt. 16 Bands qualifizierten sich schliesslich für das grossen Finale am letzten Tag. Eskaloska war leider nicht dabei. Das Ganze wurde begleitet von einem grossen Medienaufkommen.


Berühmte Jurymitglieder


Für ihren Auftritt am Wettbewerb hatte die Rockband Eskaloska genau 15 Minuten Zeit, inklusive Aufund Abbau. Spielen mussten sie zu einer Rock’n’Roll-unsäglichen Zeit, nämlich am Morgen um 10.45 Uhr. «Am Morgen Rockmusik zu spielen, ist schon ein bisschen speziell», sagt Marcello Caranci. Im Publikum sassen hauptsächlich Musiker. In der Jury ihrer Perfomance war Gigio D’Ambrosio, Radiokoryphäe und Direktor von RTL 102.5 (meistgehörtes Radio Italiens) und «Stimme Italiens»; Matt Backer, Musiker und Produzent (Elton John, Joe Cocker, Paul Young, Sinead O’Connor, Julian Lennon); Fabrizio Simoncioni, Tontechniker und Produzent (57-fach Platin, unzählige Gold-Auszeichnungen, Grammy-Nominierung, arbeitete unter anderem mit internationalen Tontechnikern und Produzenten wie Tom Lord-Alge (Rolling Stones, Marylin Manson, Crashtest Dummies), Michael Tacci (Metallica, Motley Crue, Vasco Rossi), Rick Parashar (Pearl Jam, Nickelback), Ian Cooper (Van Morrison, Peter Gabriel, David Bowie), David Leonard (Prince, Indigo Girls), Scott Mathews (Barbra Streisand, Keith Richard), und so weiter; Fausto Cogliati, Musiker, Produzent, Vocal Coach (arbeitete unter anderen für Giorgio Armani, Eros Ramazzotti); Stevio Lorenzetti, international Delegierter von Eko Music Group; Mario Luzzatto Fegiz, Journalist und Italiens Musikkritiker Nummer 1, sowie einige externe Juroren wie zum Beispiel Alioscia Arioli (Produzent und Musiker, unter anderem Laura Pausini).


Bewegende Geschichten


Die Band spielte zwei Eigenproduktionen. Zum einen «non perdere la realta», das von der europäischen Flüchtlingsproblematik erzählt. «Das Lied haben wir im Dreamsound aufgenommen, das Video zum Lied haben wir soeben fertig gedreht und es steht kurz vor der Veröffentlichung.» Und zum andern «il credente vagabondo». Der Song erzählt die Geschichte eines Landstreichers, der immer noch an das Paradies auf Erden glaubt. «Wir haben nichts erwartet, vor allem auch weil es viele gute Bands gab und die Qualität insgesamt unerwartet hoch war. Aber später haben wir erfahren, dass das Jury-Mitglied Alioscia Arioli uns im Finale haben wollte, weil er uns als anders und einmalig wahrgenommen hatte. Die Jury bestand leider nicht nur aus ihm …» berichtet Marcello Caranci.


Wertvolles Networking


Radio-Interviews, Zeitungs-Interviews, Networking – für die Musiker stand in Italien so einiges auf dem Programm. Sie durften viele neue Musiker, Produzenten, Medienschaffende und so weiter kennenlernen, viele andere Auftritte anschauen und anhören. «Es ist sicherlich ein Highlight, überhaupt an so einem Anlass teilnehmen zu dürfen», sagt Marcello Caranci. Es war ein Event, wo sich das «Who’s Who» der Rock- und Popmusik Italiens traf. Für viele (italienische) Musiker ist es ein absoluter Kindheitstraum, im Theater Ariston spielen zu dürfen. «Unglaublich schön war, dass alle Musiker äusserst friedlich und freundschaftlich miteinander umgingen und sich gegenseitig die Erfolge von Herzen gönnten.» Ein persönliches Highlight für die Musiker war sicherlich, dass ein bedeutender Produzent nach ihrem Auftritt die Telefonnummer der Bandmitglieder haben wollte. «Wir wissen noch nicht, was er damit vorhat.»


Schweizer Band kam gut an


Als einzige Ausländerband mussten die Musiker aus der Schweiz (mit Marcello Caranci als einzigen Schweizer) sehr viele Fragen beantworten. Die Leute haben sie «i svizzeri» genannt und nicht mehr beim Bandnamen. «Wir haben sehr viele Komplimente für unsere Musik und für die Energie, die wir auf die Bühne brachten, erhalten.» Auch auf den Social-Media-Kanälen, die den Anlass live übertrugen, hagelte es Komplimente. Wir sind auf jeden Fall aufgefallen. Sogar Italiens Musikkritiker Nummer 1, Mario Luzzatto Fegiz, hat bei seiner Ansprache und Buchpräsentation von der Persönlichkeit (gemeint war unser Frontmann mit dem Bart) und dem Schweizer gesprochen. «Die Erfahrung mit Sanremo- Rock hat uns gezeigt, dass wir mit unserer Musik berühren können. Unsere Musik sei für die grossen Bühnen, hat man uns gesagt.» Auch wenn die Erfahrung in Italien ein schönes Erlebnis war, sehen die Musiker ihre Zukunft als Band in der Schweiz. Hier möchten sie auf grossen Bühnen spielen. Demnächst erscheint das Video zu ihrer ersten Single. Und als nächstes wollen sie ein Album realisieren.


Einsiedler Anzeiger / lsc./Mitg.

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

05.07.2019

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