Matilda Gwerder vor Porträts, die nur einen Teil ihres breiten Schaffens darstellen.
Matilda Gwerder vor Porträts, die nur einen Teil ihres breiten Schaffens darstellen.
Dominique Gwerder liebt die Arbeit mit dem Pinsel und entdeckt immer wieder neue Maltechniken. Bilder Gina Graber
Dominique Gwerder liebt die Arbeit mit dem Pinsel und entdeckt immer wieder neue Maltechniken. Bilder Gina Graber
Andrea Kälin haben es alte, schwarz-weisse Zirkusfotos angetan, die sie als Vorlage für ihre farbenfrohen Bilder benützt.
Andrea Kälin haben es alte, schwarz-weisse Zirkusfotos angetan, die sie als Vorlage für ihre farbenfrohen Bilder benützt.
Kerstin Petrig findet beim kreativen Erarbeiten von Mandalas die innere Ruhe.
Kerstin Petrig findet beim kreativen Erarbeiten von Mandalas die innere Ruhe.

Kunst & Design

Regionale Kunst, real gezeigt

Farbenrausch: Einsiedler Künstlerinnen stellten aus Am Wochenende war im Haus Fram eine Bilderausstellung zu sehen, ein sinnliches Ereignis in dieser virtuellen Zeit. Vier Künstlerinnen aus Einsiedeln zeigten Malerei, Collagen und digitale Arbeiten unter dem Motto «Farbenrausch».

Es hätte kantonsweit ein Kulturwochenende stattfinden sollen wie in früheren Jahren: Zahlreiche offene Ateliers, anregende Gespräche mit Künstlerinnen und Künstlern, Einblick in neuste Schaffensprozesse. Aus bekanntem Grund sind solche breit angelegten Events zurzeit nicht möglich. Dank der etwas gelockerten Covid-19-Restriktionen unter Einhaltung der Massnahmen konnte jedoch eine lokale Ausstellung im Haus Fram durchgeführt werden. Dominique Gwerder, Matilda Gwerder, Andrea Kälin und Kerstin Petrig überraschten mit ihrem vielfältigen Schaffen. So unterschiedlich die Kunstwerke der vier Einsiedlerinnen, so harmonisch die farbenfrohe Präsentation.

Mit Acrylfarbe spielen


Man darf sich malende Künstlerinnen nicht einfach mehr mit Farbe und Pinsel an der Staffelei vorstellen. Dominique Gwerder hat 2020 während des ersten Lockdowns die Technik des Acrylgiessens entdeckt. Dabei werden Acrylfarben mit flüssigen Hilfsstoffen auf den Malgrund gegossen und mit allerlei Gerätschaften und Materialien ineinander vermischt. Es entstehen Farbenspiele von weichen, abstrakten Mustern, die an organische Zellstrukturen erinnern, an brechende Wellen oder an ein Blütenmeer. Dominique Gwerder liebt aber die Malerei mit Pinsel auf Leinwand ebenso sehr. Bäume im Jahreslauf, Schmetterlinge und florale Szenerien prägen ihren Stil, der zuweilen an fernöstliche Aquarellmalerei erinnert. Gerne würde sie abstrakter malen, war aber mit dem Ergebnis bisher nie richtig zufrieden und übermalte die Bilder jeweils wieder. So entstanden mehrschichtige, fast collageartige Gemälde mit eigentümlicher Tiefenwirkung.

Junge, weibliche Kunst


Ihre Tochter Matilda Gwerder drückt die Suche nach dem eigenen Stil mit erfrischender Experimentierfreudigkeit aus. Nebst Farbe und Leinwand bedient sie sich als angehende Mediamatikerin und «Digital Native» spielend und spielerisch auch der digitalen Arbeitsinstrumente. Im Fokus ihres künstlerischen Schaffens stehen die Menschen, seien es Porträts und sinnliche Akte in Acryl, seien es auf dem Computertablet entstandene Illustrationen oder serielle Holzschnitte. Aus Matilda Gwerders Werken sprüht urbane Weltoffenheit, selbstbewusste Weiblichkeit und pure Lebenslust.

Farbenfrohe Zirkuswelt


Ganz «old school» sind Andrea Kälins Werkzeuge Farbe und Pinsel, ihr Malgrund ist Sperrholz, ihre Motive sind Menschen. Zirkusmenschen, um genauer zu sein. Anhand von alten Schwarzweiss-Fotografien malt sie kleinformatige Porträts und Posen von Artistinnen. Die kostümierten und geschminkten Protagonistinnen schauen den Betrachtenden oft selbstbewusst direkt in die Augen, die naiven Gesichtszüge mit ihren prägnanten Konturen ziehen den eigenen Blick in ihren Bann. Als Gegensatz dazu geben die leuchtend bunten Farben den Figuren etwas spielerisch Heiteres. Andrea Kälins Stil lehnt sich an die naive Malerei Mexikos an. So erstaunt es nicht, dass neben all den Zirkusartisten auch Porträts der berühmten mexikanische Malerin Frida Kahlo zu sehen waren.

Mandalas beruhigen


Nochmals eine andere Motivik boten die Mandalas von Kerstin Petrig. Die stern- und kreisförmigen Bilder mit geometrischen Mustern haben ihren Ursprung im Hinduismus und Buddhismus, wo sie als meditative Schaubilder dienen. Kerstin Petrig hat aus einem Bedürfnis nach innerer Ruhe angefangen, Mandalas zu malen. Als ehemalige Wirtin der Bar Juanito erlebte sie zuweilen hektische, laute Zeiten, von denen sie sich dank ihrer Malerei erholen konnte. Einige ihrer geometrischen Aquarelle leuchten wie Projektionen, andere sind gedämpft pastellig. Manchmal integriert Kerstin Petrig bunten Sand, gepresste Blumen und Blüten oder Muscheln in ihre Mandalas. Auch ein Mandala als Tiffany-Glasfenster war ausgestellt. Die kurze, gut besuchte Ausstellung im Haus Fram hat gezeigt, dass die vier Künstlerinnen den Lockdown genützt und sich in ihrem Schaffen weiterentwickelt haben. Und sie hat auch gezeigt, dass Kunstinteressierte sich nach analogen Werkschauen und den persönlichen Begegnungen mit Kunstschaffenden sehnen.

Einsiedler Anzeiger / Gina Graber

Autor

Einsiedler Anzeiger

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Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

20.04.2021

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