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Ging-Gang so weit das Auge reicht

Wer am Sonntagmorgen durch Schindellegi schlenderte, traute seinen Augen kaum: Wohin man auch schaute: Trachten. Die Trachtengruppe Höfe am Etzel feierte ihr 90-jähriges Bestehen mit einer besonderen Messe. Und Freunde des Brauchtums aus dem ganzen Kanton kamen zur Delegiertenversammlung der Kantonal Schwyzer Trachtenvereinigung.

Der Ging-Gang, der charakteristische, farbig gestreifte oder karierte Baumwollstoff der Schwyzer Trachten, war allgegenwärtig. Bis in die 1980er-Jahre webten ihn viele Haushalte selbst. Damals gab es rund zwanzig Varianten, heute noch drei.

 

Kleider machen Leute

Pater Basil Höfliger verwies in der Predigt auf seine Mönchskutte und sagte, auch diese sei eine Tracht. Wer sich heute so kleide, zeige keine Rückständigkeit. Kleider stifteten Identität und Zusammengehörigkeit, ohne die individuelle Bedeutung zu schmälern.

Nach dem Festgottesdienst mit Örgelitrio lud die Trachtengruppe Höfe am Etzel das Dorf zum Apéro. Gemeindepräsident Martin Wipfli befand, das Motto von Feusisberg, «Wo Tradition und Moderne sich die Hand reichen», passe hervorragend zum Verein. 1936 im Wollerauer Restaurant Metzg gegründet, stand ihm damals eine Frau vor, eine Seltenheit zu jener Zeit. Heute zählt er rund 35 aktive Mitglieder, pflegt mit Werktags-, Sonntagsund Festtagstracht drei der 111 Trachten des Kantons und probt jeweils donnerstags in Freienbach.

Der langjährige Präsident Marco Schuler verwies schmunzelnd auf eine Kuriosität: Während andernorts zu wenige Männer für den Trachtentanz vorhanden seien, mangle es bei den Höfnern eher an Frauen. Das Jubiläum war Schulers letzte Amtshandlung, bevor er das Zepter an die nächste Generation, den Mittzwanziger Fabian Betschart, weitergab. Es fiel in ein Jahr runder Geburtstage: Die Kantonal Schwyzerische Trachtenvereinigung besteht ebenfalls seit 90, die Schweizer Trachtenvereinigung seit 100 Jahren.

 

Erneuern, ohne zu vergessen

Bei der Delegiertenversammlung im Maihofsaal blieb der Jahresbeitrag bei 21 Franken, Tanzleiterin Laura Dober sowie Vizeobmann Stefan Suter wurden bestätigt und Luzia Hodel-Müller neu in die Trachtenkommission gewählt. Esther Bachmann übergab das Kassieramt an Vereinskollegin Anna Bisig und wechselt nach zehn Jahren zur Ehrenmitgliedschaft. Eine Amtszeitbeschränkung soll Erneuerung sicherstellen, Ehrenmitglieder bleiben dem Vorstand beratend erhalten. Bachmann möchte ihre Zeit im Gremium nicht missen: «Es mänscheled halt, das gilt wohl für das ganze Leben. Aus einem Grund, der sich mir nie erschlossen hat, traf das nie auf diesen Vorstand zu.» Einen Wermutstropfen gab es: Die Trachtengruppe March trat aus der kantonalen Vereinigung aus, die March ist fortan nur noch durch die Märchler Trachtelüt vertreten. Dafür entschloss sich Schwyz als letzter der Urschweizer Kantone, dem neugegründeten Verein Innerschweizer Trachten beizutreten und damit eine juristisch unbefriedigende, einfache Gesellschaft abzulösen. Bereits diese Woche sind die Trachten wieder gefragt: Zum Tag der Tracht am 6. Juni besucht die Gruppe jährlich eine soziale Institution, dieses Mal das Alterszentrum Turm-Matt in Wollerau.

 

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Micha Brandstetter

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  • Brauchtum / Feste
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Publiziert am

01.06.2026

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