Vladimir Poperetschenko verstand es beim Diavortrag im Alterszentrum am Etzel in Feusisberg bestens, den Zuhörern die Menschen und Stimmungen während der Pilgerreise im hohen Norden Russlands näherzubringen.  Bild Urs Attinger
Vladimir Poperetschenko verstand es beim Diavortrag im Alterszentrum am Etzel in Feusisberg bestens, den Zuhörern die Menschen und Stimmungen während der Pilgerreise im hohen Norden Russlands näherzubringen. Bild Urs Attinger

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Bilder einer Pilgerreise nach Russland

Im Alterszentrum am Etzel in Feusisberg zeigte der Ukrainer Vladimir Poperetschenko am Dienstagnachmittag Bilder einer abenteuerlichen Pilgerfahrt in den hohen Norden Russlands

In der Nähe des Alterszentrums am Etzel in Feusisberg zieht der Pilgerweg von Rorschach nach Einsiedeln vorbei, nämlich über den St. Meinradpass. Eine etwas andere Pilgerreise stellte am Dienstag der Ukrainer Vladimir Poperetschenko den Bewohnern des Alterszentrums vor. Der 57-Jährige zeigte Dias einer Pilgerfahrt von Irpin bei Kiew zum zweitgrössten Kloster Russlands auf den Solovki-Inseln.


Eine abenteuerliche Reise


Die Heimatstadt Irpin verliess eine geschlechter- und altersdurchmischte Gruppe von 25 Personen der orthodoxen Dreifaltigkeitskirche mit der Eisenbahn. Die Fahrt im Schlafwagen über Moskau sollte zwei volle Tage und Nächte dauern. Danach folgte die Überfahrt per Schiff auf die Solovki-Inseln. Das Kloster mit seinen Zwiebeltürmen wurde im 16. Jahrhundert erbaut und fiel bereits hundert Jahre später durch einen Verrat in die Hände der Zarentruppen. Im 20. Jahrhundert wurde die Anlage als Gefängnis zweckentfremdet. Heute leben wieder Mönche im Kloster und die Pilger machten es sich zur Aufgabe, zwei Wochen lang für die Mönche zu arbeiten. Die Ukrainer leisteten Feldarbeit und holten Holz im Wald, sägten es und stellten es für den Winter bereit. In der kalten Jahreszeit könne es dort Minustemperaturen von bis zu 40 Grad geben, sagte Poperetschenko, der sich seiner Zuhörerschaft als Vladimir vorgestellt hatte. In freien Stunden machte die Pilgergruppe Ausflüge zu Fuss oder mit dem Boot. Im Wald suchten sie essbare Pilze und verwerteten sie zu einer Suppe, die sie über dem Feuer kochten. Unentwegte badeten im neun Grad kalten Wasser der Seen. Auch hielten sie mit ihrem Priester Gottesdienste ab, sie bekreuzigten sich und beteten mit geschlossenen Augen. An verschiedenen Orten trafen sie auf die Kreuze der Orthodoxen, die neben dem Querbalken zwei kleinere Querlatten besitzen. Die obere steht für die Tafel mit der Inschrift «INRI»,die untere für den Ort, wo Jesus’ Füsse angenagelt waren. Eine weitere Eigenart ist, dass orthodoxe Priester heiraten und Kinder haben dürfen, im Gegensatz zur katholischen Kirche.


Menschen und Landschaften


Vladimir Poperetschenko hat es verstanden, in deutscher Sprache die Menschen seiner Heimat vorzustellen. Insbesondere die Portrait-Fotografien von Einheimischen, wie von Personen der Pilgergruppe, wussten zu gefallen. Auch schöne Landschaftsaufnahmen von der Gegend in der Nähe des Polarkreises zeigte er. Der Fotograf, der auch Dolmetscher ist, geht seit Jahren mit seinen Vorträgen auf Reisen, insbesondere in Deutschland und der Schweiz. Die Zuschauer waren zufrieden mit der Darbietung und applaudierten kräftig. Anschliessend konnte man noch handbemalte Babuschkas bestaunen.


Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Urs Attinger

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

05.04.2018

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schwyzkultur.ch/hfrhPN