«Power-Point» à la Jürg Wattenhofer: Auf Papier präsentierte er den Obernarren seine Festspielidee. Bild Oliver Bosse
«Power-Point» à la Jürg Wattenhofer: Auf Papier präsentierte er den Obernarren seine Festspielidee. Bild Oliver Bosse

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«Der Narr ist ‹fadegrad› und schlau»

Die Narrhalla Lachen ist 150 Jahre alt geworden: Obernarr Jürg Wattenhofer wurde mit der Organisation des Festspiels «Vision 2031» betraut.

Mit Jürg Wattenhofer sprach Johanna Mächler

Narrhalla – Narrenspiel, da liegt das Wortspiel schon auf der Zunge…

Ja, ein Spiel zum Thema Narr drängte sich auf. Denn es ist Fasnacht, die Zeit der Narren, und es ist das 150-Jahr-Jubiläum der Narrhalla. Zudem ist es ein Thema, das sehr viel Raum für Interpretation lässt.

Etwa?

Der Narr hält der Gesellschaft den Spiegel vor. Das heisst, er ist frech, scheut keine Autorität und soll «fadegrad» das sagen, was sich andere nicht trauen. Er darf Überheblichkeit oder Grössenwahn vorhalten. Im weiteren Sinn dürfen das alle Butzi an der Fasnacht, der Narr aber ist dazu verpflichtet. Er unterhält nicht nur mit seinen schlauen, intelligenten, verschmitzten und klugen Aussagen, er regt auch zum Denken an. Zudem darf er emotional sein und Emotionen auslösen.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Werklehrer und Theaterpädagogen Roland Ulrich?

Abgesehen davon, dass Roland ein Freund ist, wusste ich, dass er auf meine Grundidee, etwas ganz Neues zu schreiben, aufspringen würde. Frühere Stücke – das letzte wurde vor 25 Jahren gespielt und vom Lachner Walter Krieg-Enz geschrieben – haben sich an die Tradition gehalten, die Narr-halla- Masken vorzuführen. In unserer Geschichte haben sie eine andere Funktion. Roland war sofort Feuer und Flamme für die Aufgabe.

Und die Narrhalla-Vertreter?

Tja, die … die mussten nach allen Regeln der Kunst überzeugt werden. Das gelang mir schliesslich mit einer Power-Point-Präsentation, die ich um einen Besenstiel gewickelt hatte.

Wie haben Sie die Lachner Laienschauspieler gefunden?

Wir veröffentlichten vor etwa 1 1/2 Jahren einen Gesucht-Beitrag im «Lachner» und im «March-Anzeiger», natürlich stand das Spiel auch allen Obernarren offen. Die meisten Leute wurden durch den persönlichen Kontakt gefunden. Es spielen 23 Personen auf der Bühne, mit der Musik sind wir über 30 und alles in allem werden an den Spieltagen etwa 60 Leute im Einsatz stehen. Technik, Kostüme, Catering, ja, da gibt es einiges zu tun.

Ihr seid mit den Proben im Endspurt. Sind noch alle dabei?

Und wie! Wir haben viel Spass, es wird gelacht, aber auch hart gearbeitet. Wir üben seit September einmal proWoche, was die Persönlichkeit eines jeden Einzelnen fordert. Eben hatten wir ein Probeweekend im Pfadihuus. Es war für alle Spielerinnen und Spieler möglich, das Erlernte zu vertiefen. Nur Übung macht den Meister. Roland lehrt die Leute spielen, er sagt ihnen zum Beispiel, dass ihre Körperhaltung meist mehr aussagt als der Text.

Auch das Fernsehen war da?

Vor wenigen Tagen kam Tele 1 und filmte uns für einen Zentralschweizer Beitrag. Das ist natürlich gratis Werbung für uns, und wir haben alles gegeben. Als diese Ankündigung vor über drei Wochen kam, haben allerdings alle ein wenig gebibbert, denn wir spürten den Druck. Der Beitrag wird Mitte Februar ausgestrahlt.

Wie finanziert sich das Narrenspiel?

Mit den Eintritten von fünf Vorstellungen und einem breit abgestützten Sponsoring. Die Gesamtkosten betragen rund 80 000 Franken. Die grossen Brocken sind das Narrenzelt am See mit etwa 30 000 Fr. und die Technik, das heisst Licht und Ton mit etwa 20 000 Franken. Das Buch, die Regie, die Musik und die Schauspieler kosten zusammen 15 000 Franken. Davon wird ein ansehnlicher Teil für Verpflegung ausgegeben. Die Schauspieler beziehen keine Gage. Der Rest geht in Kostüme, Maske, Bühne. Im Spiel steckt eine Menge unbezahlter Fronarbeit.

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

05.02.2014

Webcode

schwyzkultur.ch/g1MF1v