Nebst Autor Res Marty (Mitte) trug eine ganze Reihe von Personen wesentlich dazu bei, dass die eindrückliche und gewichtige Raff-Biografie an der Vernissage würdig vorgestellt werden konnte. Bild Katja Stuppia
Nebst Autor Res Marty (Mitte) trug eine ganze Reihe von Personen wesentlich dazu bei, dass die eindrückliche und gewichtige Raff-Biografie an der Vernissage würdig vorgestellt werden konnte. Bild Katja Stuppia

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«Donnerwetter, ist der Marty gut»

An der Vernissage zur neuen Biografie des Lachner Komponisten Joachim Raff wurde klar, weshalb dieser so lang inV ergessenheit geraten war. «Res Marty war noch nicht da», folgerte Publizist Ludwig Hasler in seiner Ansprache.

Ein gewichtiges Buch – stolze 2,7 Kilogramm schwer – stand am Donnerstag im Hotel «Marina» in Lachen im Mittelpunkt. Einerseits mit dem Inhalt zu Leben und Werk des 1822 in Lachen geborenen Joachim Raff, andererseits als Beispiel edler heimischer Handwerkskunst. Doch ohneAutor kein Buch, und so kam es, dass Res Marty als exzellenter Raffkenner ebenso viel Beachtung fand. Bildungsdirektor Walter Stählin wandelte in seiner Laudatio ein Bülow-Zitat über Raff ab in «Donnerwetter, ist der Marty gut». Zuvor lobte er Res Martys umfangreichesWerk, das Raff, seineVerbindung zu Lachen und sein Wirken in differenziertem Licht zeige.

Damals suchte man Lehrer

Ebenfalls auf die Verbindung von Joachim Raff mit Lachen ging Gemeindepräsident Pit Marty ein. Er begann mit der Zeit vor jener des Komponisten. Damals habe Lachen in Luzern nach guten Lehrern gesucht. RaffsVater folgte diesem Ruf, war bald geschätzter Lehrer und Kirchenmusiker und heiratete bereits ein Jahr nach der Ankunft in Lachen die Tochter des «Ochsen»-Wirts. Joachim Raff war das zweite von zehn Kindern und spielte schon mit zehn JahrenVioline, Klavier und Orgel. Politische Querelen führten später zum Wegzug der Familie Raff.

Lange Zeit in Deutschland

Nach der Zeit als Lehrer in Rapperswil verbrachte Joachim Raff den grössten Teil seines Lebens als Musiker in Weimar, Wiesbaden und Frankfurt am Main. Zuletzt als Direktor des Hoch’schen Konservatoriums. Er gehörte zum Kreis der Komponisten um Franz Liszt, Richard Wagner, Hector Berlioz und Hans von Bülow. RaffsWerke gehörten gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu den meistgespielten Tondichtungen in Europa und Übersee.

Jeden Skandal vermieden

Dass Joachim Raff und sein Werk für fast 100 Jahre in Vergessenheit gerieten, hatte teilweise mit der Person Raffs zu tun. Er war gemässAufzeichnungen seiner Tochter Helene «blitzgescheit und gradlinig». Damit schuf er sich nicht nur Freunde, und er baute sich auch keine Lobbyauf. «AlsTyp mied Raff jede Sensation», führte Philosoph Ludwig Hasler an der Vernissage aus. Es gebe kein Fest für ein vergessenes Genie zu feiern, sondern das Comeback seiner sensationellen Musik, folgerte Hasler weiter. Dass die «Grabesruhe» rund 100 Jahre gedauert habe, erklärte er damit, dass Res Marty vorher nicht da gewesen sei. Mit dem Raff-Virus angesteckt wurde Res Marty durch seinen Vater, der vor mehr als 40 Jahren Gründungsvater der Joachim-Raff-Gesellschaft Lachen war.

Buchrecherche als Sabbatical

Die vergangenen sechs Jahre widmeten Res Marty und seine Lebenspartnerin Yvonne Götte weitgehend der Erforschung des Lebens und Werks von Joachim Raff. «Eine schöne Arbeit, die Abwechslung zwischen Reisen, Heimarbeit und kommunikativer Vernetzung brachte. Die Recherchearbeit war bestes Sabbatical und massgeschneiderte Weiterbildung», sagte Marty an der Vernissage. Ergänzt mit musikalischen Vorträgen undAnekdoten wurde dieVernissage für die zahlreichen Besucher zu einem genussvollen Abend. Franz-Xaver Risi, der Kulturbeauftragte des Kantons Schwyz, konnte Pianist Giovanni Bria und Sopranistin Monika Kunz ansagen. Sie interpretierten Raff-, Wagner und Strauss-Lieder, darunter eines der bekanntenWesendonk- Lieder sowie als Widmung an Res Marty das Lied «Zuneigung» von Richard Strauss.

Raff-Werke umgesetzt

Den musikalischen Schlusspunkt setzte Pascal Andres. Er hat im Rahmen seines Musik-Studiums Raff-Werke mit dem Euphonium umgesetzt und überraschte mit einer Improvisation. «Ein Ausblick, der zeigt, dass sich auch junge Musiker mit Raff beschäftigen», gab Res Marty seiner FreudeAusdruck. Zudem wurden alle wesentlich am Buch beteiligten Personen vom Autor mit einer extra geprägten Raff-Münze belohnt.

Infos unter

www.joachim-raff.ch

Die 440 Seiten umfassende Biografie «Joachim Raff, Leben und Werk» kann direkt bei Res Marty in Altendorf bezogen werden.

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

22.09.2014

Webcode

schwyzkultur.ch/5PgiA4