Das Badener Vokalensemble zeigte Joachim Raff von einer eher unbekannten Seite. Bild zvg
Das Badener Vokalensemble zeigte Joachim Raff von einer eher unbekannten Seite. Bild zvg

Nachrichten

«Frühlingsjubel» und eine Uraufführung

Mit einem musikalisch-literarischen Raff-Florilegium, das auch eine kleine Uraufführung enthielt, feierte das Badener Vokalensemble den Frühling in der stimmungsvoll perfekt passenden Kapelle im Ried.

Mit seinem Badener Vokalensemble, das sichtlich Freude an diesem Projekt hatte, erarbeitete der Chorleiter Martin Hobi in enger Zusammenarbeit mit der Joachim-Raff-Gesellschaft dieses nicht alltägliche Programm, das zahlreiche kaum bekannte Werke von Joachim Raff miteinander verknüpfte. Dreiteilig angelegt beleuchtete das Konzert passend zur Jahreszeit Raffs «Frühlingsjubel», sein Verhältnis zur Religion und seinen Bezug zur Musik Mozarts musikalisch. Im Zentrum standen die harmonisch und rhythmisch immer wieder überraschenden «Zehn Gesänge für gemischten Chor» op. 198 auf Gedichte des damals überaus populären Dichters Franz Alfred Muth. Je zwei Stücke aus Raffs Klavierzyklen «Blätter und Blüten» und «Angelens letzter Tag im Kloster» sowie eine wundervolle «Elegie», vorgetragen durch die Pianistin Rahel Sohn Achermann, ergänzten dieses bunte Florilegium, das dennoch wie aus einem Gusse wirkte.


Der Komponist als Mensch


Im Rahmen des Joachim-Raff-Archiv-Projekts, das gerade in die Schlussphase tritt, wurden zahlreiche bisher unbekannte Quellen ausgewertet. Darunter finden sich dutzende Briefe Raffs an seine Braut und spätere Ehefrau Doris Genast. So rezitierte Res Marty, der Präsident der Joachim- Raff-Gesellschaft, beispielsweise Briefstellen, in denen Raff die Liebe zu seiner Doris mit der Sehnsucht nach dem Frühling verknüpfte. Eindrücklich ist zudem auch eine Passage, in der sich Raff fürchterlich über einen bigotten Priester erzürnt. Gegen Ende seines Lebens schloss Joachim Raff jedoch Frieden mit dem Katholizismus. Die ausgewählten Passagen zeigen Raff von einer geistreichen, leidenschaftlichen und sehr menschlichen Seite und tragen viel zu einem schärferen Raff-Bild bei.


Eine Raff-Uraufführung


Dass Raff, den man eher von seiner ernsten, gelehrten, mitunter leidenschaftlichen Seite kennt, auch «leichtfüssig » sein konnte, überraschte schon die Zeitgenossen. In seinem Leben nahm Mozart eine immer wichtigere Stellung ein, wie sich auch an seinen späten Opern zeigt. Der Chor wählte einen humorvollen Hochzeitstanz aus der noch nie aufgeführten komischen Oper «Die Parole», und versah ihn mit einer effektvollen Choreographie – ein wahrer Kontrast zu den geistlichen Werken des zweiten Blocks. Die «Don Giovanni»-Bearbeitung aus Raffs Feder baute eine Brücke zum herbstlichen Konzert des Badener Vokalensembles, in dem eine Umarbeitung von Mozarts Oper in eine lateinische Festmesse durch einen anonym gebliebenen Mönch zur Aufführung kommen wird. Nachdem Martin Hobi der Joachim-Raff-Gesellschaft Raffiana-Geschenke überreicht hatte,spielte er mit Rahel Sohn Achermann eine Bearbeitung von Raffs allgegenwärtiger Cavatine für vier Hände. Das trotz prächtigem Wetter rund 80 Köpfe zählende Publikum genoss den Abend sichtlich. So habe man Raff noch nie in Lachen gehört, sagte eine Zuhörerin.


Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / eing

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

30.05.2018

Webcode

schwyzkultur.ch/6YwvnN