Schwyzerörgelibauer Edgar Ott (links) koordinierte die Reise der Japaner nach Unteriberg, während Alphornlehrer Erwin Füchslin die Gäste aus Asien unterrichtete. Bild Michèle Fasler
Schwyzerörgelibauer Edgar Ott (links) koordinierte die Reise der Japaner nach Unteriberg, während Alphornlehrer Erwin Füchslin die Gäste aus Asien unterrichtete. Bild Michèle Fasler
Der Tamagawa Alphorn Club war im Juli zu Gast in Unteriberg.
Der Tamagawa Alphorn Club war im Juli zu Gast in Unteriberg.

Nachrichten

«Musik ist eine Weltsprache»

Alphornlehrer Erwin Füchslin und Schwyzerörgelibauer Edgar Ott brachten 18 Japanern ihre Instrumente näher.

Vor genau 25 Jahren lernte Edgar Ott, Schwyzerörgelibauer und Inhaber von Musig Ott in Unter- iberg, während einer Japanreise Shigetoshi Nakagawa kennen. Zwischen den beiden Männern entwickelte sich eine Freundschaft, die bis heute Bestand hat. «Schweizer und Japaner sind sich in ihren kulturellen Gepflogenheiten ähnlicher, als man im ersten Moment vielleicht denken würde », erklärt Edgar Ott. «Natürlich gibt es auch grosse Unterschiede,aber Japaner sind genauso pflichtbewusst, korrekt und fleissig wie wir.» Shigetoshi Nakagawa ist leidenschaftlicher Alphornbläser und Mitglied im Tamagawa Alphorn Club. So kam es eines Tages, wie es kommen musste: Edgar Ott und dessen Freund Guschti Sidler koordinierten für die Japaner eine Reise in die Schweiz und vermittelten ihnen sowohl einen Alphorn- als auch einen Schwyzerörgeli-Lehrer. Bereits etliche Male war seither eine Delegation des Clubs zu Besuch in unseren Breitengraden. Auch im Juli nahmen 18 musikbegeisterte Japaner den weiten Weg nach Unteriberg auf sich.

Dokumentarfilm gedreht

Auch wenn der Besuch des Tamagawa Alphorn Clubs kein Novum ist – etwas war heuer anders als sonst. Die japanische Reisegruppe wurde nämlich von einem dreiköpfigen Filmteam des Tessiner Senders RSI begleitet, das bereits in Atsugi mit den Dreharbeiten für einen Dokumentarfilm begonnen hatte. So wurden nicht nur der Einzug ins Hotel «Rösslipost» dokumentiert, sondern auch die Unterrichtsstunden bei Alphornlehrer Erwin Füchslin. «Zuerst haben mich die Kameras und Mikrofone etwas gestresst», erinnert sich Füchslin.«Aber schon nach kurzer Zeit habe ich gar nicht mehr gemerkt, dass das Filmteam mit dabei war.Dank der Musik konnten wir zwei Kulturen auf einen Nenner bringen. Das Eis ist wahnsinnig schnell gebrochen.» Auch Koordinator Edgar Ott hat die 18 Reisenden aus Japan als «hochmotiviert und hochkonzentriert» miterlebt. Von der Kamera habe er sich nicht gestört gefühlt – und die Asiaten übrigens auch nicht. «In Japan sind Kameras sowieso allgegenwärtig»,sagt Edgar Ott lachend.

Nationalhymne der Alphornbläser

Während vier Tagen weilte die Reisegruppe also in Unteriberg und wurde nebst Erwin Füchslin auch von Walter Kälin, ebenfalls Alphornlehrer, unterrichtet. Iwan Meier gab derweil Lektionen im Schwyzerörgelispielen.

War die Verständigung anfänglich noch harzig, fand man mit der Musik schnell ein gemeinsames Thema. «Musik ist die Weltsprache Nummer eins», betont Erwin Füchslin. «Da war es auch nicht weiter tragisch, dass beide Seiten nicht perfekt Englisch sprachen.» Man habe sich wenn nötig auch mit Händen und Füssen verständigt.

Als Schluss ihrer Reise – quasi als Höhepunkt – präsentierten die Mitglieder des Alphorn Clubs Tamagawa das Gelernte in Nendaz. Jeweils im Juliverwandelt sich das Dorf im Wallis nämlich in die Hauptstadt des Alphorns: Während eines Wochenendes teilen mehr als 150 Alphornbläserihre gemeinsame Passion. Die Gäste aus Japan boten die «Nationalhymne der Alphornspieler» dar: «Uf de Bänklialp». «Es war ein fantastisches Erlebnis», sind sich Erwin Füchslin und Edgar Ott einig.Beide würden sich sofort wieder engagieren,wenn sich erneut Gäste aus Japan ankündigen würden. «Die Herzlichkeit, aber auch die Heiterkeit dieser Menschen hat mich sehr berührt», so das Fazit von Erwin Füchslin.


Höfner Volksblatt und March Anzeiger (Michèle Fasler)

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

04.12.2017

Webcode

schwyzkultur.ch/whb93u