Aranka Sziraki bearbeitet einen Grabstein, während ihr Chef Peter Scherrer eine Madonna modelliert. (Bild: Johanna Mächler)
Aranka Sziraki bearbeitet einen Grabstein, während ihr Chef Peter Scherrer eine Madonna modelliert. (Bild: Johanna Mächler)

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«Wie etwas Gestalt annimmt»

Aranka Sziraki ist im vierten Lehrjahr als Bildhauerin. Sie lernt den Beruf, obwohl Lehrmeister Peter Scherrer ihr davon abgeraten hat.

Die Appenzellerin mit dem ungarischen Namen macht neugierig. Ihr Grossvater sei aus Ungarn eingewandert, berichtet sie. Er habe sich in der Ostschweiz niedergelassen. Heute lebt ihre Familie dort, doch sie hat es nach Siebnen «verschlagen», wegen des Berufes. Und wie sie das sagt, hat sie den Fäustel in der Hand, eines der Werkzeuge eines Bildhauers.

Fast alles Handwerk

«Dass ich Bildhauerin werden will, hat sich im zehnten Schuljahr gezeigt. Schon immer gefiel mir das Zeichnen, ebenso bin ich gern gestalterisch tätig», erzählt Aranka Sziraki. Beim Schnuppern in Scherrers Betrieb in Siebnen fühlte sie sich in ihrem Berufswunsch bestärkt. «Mein Chef hat mir allerdings vom Beruf Bildhauerin schon während des Schnupperns abgeraten», erinnert sie sich. Er habe dies mit der schweren Arbeit begründet, den Verdienstmöglichkeiten und dass nur bedingt Weiterbildungen möglich seien. Doch das hat die heute 20-Jährige nicht von dieser Lehre abgehalten. Jetzt ist sie im vierten Lehrjahr. «Was mir besonders gefällt, ist zu sehen, wie etwas wächst und Gestalt annimmt», sagt sie und überschaut dabei eine angefangene Arbeit. Es ist ein Grabstein, auf dem der Name eines Verstorbenen gemeisselt wird. Der Name wird mit Tusche aufgepinselt und von Hand eingraviert. «Es macht mich zufrieden, allein an einer Arbeit zu sein. Ich kenne es nicht anders, daher kann ich Teamarbeit nicht vermissen», antwortet sie auf die entsprechende Frage. Sie findet, dass sie viel lernt und gut gefördert wird, weil sie die einzige Lehrtochter und Angestellte ist.

In den Zoo, um Tiere zu zeichnen

Aranka Sziraki wohnt in Wangen. Kollegen und Freunde hat sie hier keine. Dazu habe sie wenig Lust und Zeit. Manchmal geht sie in den Zoo und zeichnet Tiere ab. Sie liest auch gern. «Ich kann mich gut beschäftigen», sagt sie. Kollegen trifft sie am Wochenende daheim in Appenzell.

Auch ein Frauenberuf

Im kommenden Frühling geht es auf die Lehrabschlussprüfungen zu. «An der Berufsschule St.Gallen sind wir je zwei Bildhauerinnen und Bildhauer», erklärt sie. Obwohl es in der ganzen Schweiz verhältnismässig wenige Lernende gibt, sei dieser Beruf auch bei Frauen beliebt. Nach der Lehre will sie im Beruf bleiben. Auch die «Walz» – die Lehr- und Wanderjahre, in welchen die Berufsleute ohne festes Anstellungsverhältnis von Ort zu Ort ziehen – erscheint ihr reizvoll. Wo sie in zehn Jahren sein will, das kann sie heute nicht sagen. Peter Scherrer würde auf den kommenden Herbst hin wieder einen Lehrling nehmen, sagt er. Aber nur, wenn jemand entschlossen ist. Denn die anstrengende Arbeit der Bildhauerin, des Bildhauers sei wirklich nicht jedermanns Sache.

Marchanzeiger und Höfner Volksblatt

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

04.10.2012

Webcode

schwyzkultur.ch/ehiJaN