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Literatur

56 Geschichten aus einem sehr bewegenden Leben

Der Steiner Künstler Alfons Bürgler hat mit einem «bebilderten Lesebuch» ein grossartiges Zeitdokument geschaffen.

Bücher und Biografien gibt es zuhauf. Und Vernissagen dazu auch. Was aber der aus Illgau stammende bildende Künstler Alfons Bürgler geschaffen hat, das ragt da – mindestens aus regionaler Warte gesehen – weit oben aus. Er hat zu seinem 90. Geburtstag ein 180 Seiten starkes Werk geschaffen, das nicht nur über ihn, sein Leben und seinen Weg zum Künstler Auskunft gibt, sondern ein grandioses Zeitdokument geworden ist. An der Vernissage in der Galerie Meier in Goldau lag sehr viel Empathie und Emotion in der Luft. Es beeindruckt tief, wie Alfons Bürgler in absolut ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist und wie vielleicht genau dies ihm die Energie gegeben hat für sein ganzes Leben und seine anhaltende Schaffenskraft. Bei der Geburt von Bürgler ist seine Mutter gestorben. Er ist im Laufe seines Lebens immer wieder dem Tod von der Schippe gesprungen, nach einer missratenen Blinddarmoperation, nach einer Tuberkulose-Ansteckung, nach Rückenschäden als Folge des Wassertragens in der Kindheit, nach Unfällen, nach Krankheiten oder als er in einer Nacht im verschneiten Zwäckentobel fast erfroren wäre.

 

Ein ehrliches und offenes Porträt

Die 56 für das Buch verfassten Geschichten sind alle ausgesprochen ehrlich und offen. Schnörkellos und markant schildert Bürgler seine Jugend, wie sich die Familie durchbringen musste und was aus ihm und seinen zehn Geschwistern geworden ist. Die Familie hatte im Haus keinen Wasseranschluss, man schlief auf Laubsäcken, die Kinder mussten sich ihre Spielsachen selber schnitzen. Fleisch gab es nie, ausser wenn ein Bauer ihnen «Grick» schenkte. Dieses bescheidene Leben und die daraus folgende Genügsamkeit und Sparsamkeit haben das Leben von Bürgler geprägt. Umgekehrt erstaunt es, wie er als gelernter Schneider drei Jahre in der Westschweiz gearbeitet und gelebt hat, zudem ein Jahr im Tessin. Oder wie er einfache Reisen nach Italien oder Nordafrika unternommen hat. Und vor allem wie er in den 1980er-Jahren zu seiner eigentlichen Berufung als Künstler fand, die eigentlich schon immer in ihm geschlummert hat. Seit Jahren ist Alfons Bürgler ein anerkannter Kunstschaffender, der in der Zentralschweiz zu den grossen Namen gehört. Das biografisch geprägte Buch zeigt, dass Alfons Bürgler sehr philosophisch überzeugend weiss, worauf es im Leben ankommt. Er lebt die innere Zufriedenheit, die Empathie, die Begegnung mit Menschen, lange Freundschaften. Immer wieder wird spürbar, welche Ehrfurcht Bürgler gegenüber der Natur und dem Leben hat oder wie er im Herzen eigentlich immer Illgauer geblieben ist. 

 

Interviews geschickt eingebaut

Ilustriert ist das Buch jeweils kapitelund themenbezogen natürlich mit Aquarellen, Zeichnungen und Bildern von Alfons Bürgler, ohne dass es ein Bildband geworden wäre. Weiter ist ein grosses Interview eingebaut, das Zeno Schneider mit dem Künstler geführt hat und das sehr geschickt mit zwei, drei Fragen zu den jeweiligen Geschichten angefügt wird. Schneider fragt eigentlich das, was der Leser auch fragen würde. So wird einem ein seitenlanges Interview erspart. Ebenfalls sind im Anhang die wichtigsten Lebensdaten von Bürgler aufgeführt, genau gleich wie eine Liste der Ausstellungen und ein Verzeichnis seiner Werke am Bau. Für Nicht-Schwyzer oder die jüngere Generation hilfreich ist zudem ein Glossar, welches Wörter und Begriffe aus einer vergangenen Zeit erklärt. Auch dieses Glossar verteilt sich auf das ganze Buch und ist jeweils dort angeführt, wo die Fragen entstehen.

 

Hinweis

«Alfons Bürgler – ein bebildertes Lesebuch», erhältlich bei Alfons Bürgler, Steinen (alfons_buergler@bluewin.ch), beim Müsigricht Verlag, Steinen (mue-verlag.ch) oder im Buchhandel.

 

Bote der Urschweiz / Josias Clavadetscher

Autor

Bote der Urschweiz

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Kategorie

  • Kunst & Design
  • Literatur

Publiziert am

16.03.2026

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www.schwyzkultur.ch/fmcL58