Familie Holzer schweigend bei Tisch: Tanja Kälin, Hans Imhof, Iwan Marty, Sissy Graf und Peter Marty. Bild Désirée Schibig
Familie Holzer schweigend bei Tisch: Tanja Kälin, Hans Imhof, Iwan Marty, Sissy Graf und Peter Marty. Bild Désirée Schibig

Bühne

Zwischen Ballenberg und «Big Brother»

Das Theater Alpthal feierte am Samstag Premiere mit der Komödie «Holzers Peepshow». Im Stück bekommt die heile Welt der Bauernfamilie Holzer unerwartet Risse. Ein ernsthaftes Thema, eine gehörige Portion sarkastischer Humor und ein unverhoffter Bezug zum aktuellen Zeitgeschehen.

Holzers Peepshow ist eine absurde Geschichte über die Schweizer Identität. Die Bauernfamilie Holzer plagen Existenzsorgen. Die Landwirtschaft rentiert nicht mehr, es entsteht die Idee, den Touristen etwas Geld abzuluchsen. Holzers richten eine Peepshow ein: Sie zeigen den Touristen ihre heile Welt und lassen sich dafür bezahlen – bei Geldeinwurf geht der Vorhang auf und gibt den Blick in die gute Stube frei. Und Anna Holzers Mann Hans doppelt mit einsilbiger Bauernschläue nach: «Die wend luege, wies isch. Das isch es. Wills nämlich bi üs no isch, wies isch.» Diese Illusion einer heilen Welt versucht die Familie fast bis zur Unerträglichkeit aufrechtzuerhalten. «Üs gahts doch eigentli guet im Verglich zu dene Erdbebeopfer z Afrika.» Doch unter der Oberfläche brodeln die eigenen verdrängten Konflikte: Arbeitslosigkeit, Geldsorgen, Beziehungsprobleme und Alkoholismus plagen die Familie Holzer.

Spiegel vorhalten

Mit viel Geduld und Freude am spielerischen Detail bauen die fünf Schauspieler den Spannungsbogen auf. Bis schliesslich die heile Welt unter dem Druck der materiellen Not zusammenbricht. Indem die Familie gegen aussen für die Touristen weiter krampfhaft eine heile Welt vorspielt, entblösst sie sich selber und ihre Abgründe immer mehr. Das Stück hält dem Publikum den Spiegel hin: Denn Hand aufs Herz, wie oft verdrängen wir Beziehungskonflikte unter dem Motto: «Uns gehts ja gut, was wollen wir noch mehr?» So bleibt dem Publikum zuweilen das Lachen im Hals stecken, und es atmet auf, als die Familienfarce gegen Schluss endlich Risse bekommt, endlich Klartext geredet wird und das Stück mit viel Tempo und Dynamik auf den unerwarteten Schluss zusteuert.

Beliebtes Stück aus 80er-Jahren

Nach zehn Jahren hat Regisseur Otti Marti endlich die passende fünfköpfigeTruppe für «Holzers Peepshow» gefunden. Ein von Peter Marty hervorragend gespielter Vater Hans Holzer und vier weitere spielfreudige Akteure inszenieren die tragisch-komische Geschichte der Holzers mit viel Witz zum gelungenen Theaterabend.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

21.03.2011

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schwyzkultur.ch/uvqtAh