Gemeindepräsident Paul Schelbert konnte gestern zur Buchvernissage und Filmvorführung über das Alptal über 200 «Alpeler» in der voll besetzten Mehrzweckanlage begrüssen. Damit wurde der Startschuss zur Feier «1000 Jahre Alpthal» gegeben. Bilder: Franz Steinegger
Gemeindepräsident Paul Schelbert konnte gestern zur Buchvernissage und Filmvorführung über das Alptal über 200 «Alpeler» in der voll besetzten Mehrzweckanlage begrüssen. Damit wurde der Startschuss zur Feier «1000 Jahre Alpthal» gegeben. Bilder: Franz Steinegger

Literatur

Alpthal diente dem Kaiser zum Seelenheil

Eines der ursprünglichsten Dörfer im Kanton Schwyz feiert «1000 Jahre Alpthal», obwohl damals wohl eher Bären und Wölfe in den Waldungen lebten. Gestern wurde das Buch zum Jubiläum präsentiert und ein Film aus der guten alten Zeit gezeigt.

Der deutsche Kaiser Heinrich II. überträgt 1018 auf Bitte des Abtes Wirunt von Einsiedeln «zu seinem und seiner Gemahlin Kunigunde Seelenheil» den Wald, in dem das Kloster gelegen ist. Als Gebietsangaben werden das «Albetal», die «Quelle der Albe» und die «Albegg» genannt. Das Dokument liegt in den Archiven des Klosters Einsiedeln. Eine folgenreiche Schenkung Gestern feierten die Bewohner des Tales den runden Geburtstag dieser ersten Erwähnung. Dorfhistoriker Meinrad Steiner weist jedoch darauf hin, dass damals wohl noch keine Menschen im Alptal lebten. Die Bären und Wölfe dürften in diesem stark bewaldeten Gebiet noch lange Zeit in der Überzahl gewesen sein. Die erste Erwähnung eines Hofes, der Schnüerlismatt, datiert auf das Jahr 1322. Doch die Folgen dieser Schenkung vor 1000 Jahren waren nachhaltig. Die Schwyzer reklamierten, sie hätten das Gebiet zuvor bestossen, weshalb es nach alemannischer Sitte ihnen gehöre. Als der Kaiser 100 Jahre später, 1114, entschied, dass das Gebiet endgültig dem Kloster gehöre, platzte den Schwyzern der Kragen. Es begann ein Marchen streit, der in der Schlacht am Morgarten gipfelte. Die Schwyzer liessen das Tal der Alp nicht mehr los. Es gehört bis heute zum Bezirk Schwyz. Und darauf sind die Alpthaler stolz. Diese Ursprungsgeschichte, deren Folgen, die Entwicklung des Alptals bis heute zeichnete alt Kantonsrat und Dorfchronist Meinrad Steiner in einem knapp 60-seitigen Büchlein nach, das gestern im Rahmen des Schwyzer Kulturwochenendes präsentiert wurde. Alpthal ist ein sympathisches, identisches Dorf geblieben Steiner geht jedoch weiter: Er erzählt die Entwicklung in neuerer Zeit, welche ab 1950 einsetzte und das «mausarme Tal» auf einen mittleren Rang im Kantonsranking brachte: Die 1974 in Betrieb genommenen, gut frequentierten Skilifte im Brunni liessen eine Ferienhaussiedlung entstehen. Das Wandergebiet auf der «Rückseite» der Mythen und der Weg auf den Grossen Mythen ziehen Tagesausflügler an. Trotzdem ist Alpthal eines der ursprünglichsten Dörfer des Kantons geblieben, bevölkert von freundlichen, unaufdringlichen, identischen Menschen, was im schlichten Titel des Buches «Gemeinde Alpthal» zum Ausdruck kommt. Zwischen den Buchdeckeln findet sich alles, was man über das Tal wissen muss – dessen Schönheit erleben muss man selber. Das ist das Ziel der 1000-Jahr-Feierlichkeiten, wie Gemeindepräsident Paul Schelbert erklärte. Gestern wurde nebst der Buchpräsentation auch ein Dokumentarfilm über das «Heuen und Schaffen im Alpthal» gezeigt. Umrahmt wurde der Anlass von einem Apéro und einem Grillfest. Als Höhepunkt steigt am 2. September ein Volksfest, und im Oktober werden die Muotathaler Wetterschmöcker mit ihrer Herbstversammlung die Mehrzweckhalle füllen.


Bote der Urschweiz / Franz Steinegger

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

21.04.2018

Webcode

schwyzkultur.ch/kaYmsN