Der Poet Eugen Gomringer (links) und der Eisenplastiker Ingo Glass dem Fotografen. Bild Hans-Ruedi Rüegsegger
Der Poet Eugen Gomringer (links) und der Eisenplastiker Ingo Glass dem Fotografen. Bild Hans-Ruedi Rüegsegger

Kunst & Design

Hommage an einen grossen Konkreten

Die Räumlichkeiten der Galleria il Tesoro in Altendorf stehen zurzeit im Zeichen der Konkreten Kunst. Anlass ist der 30. Todestag des Zürcher Künstlers Robert S. Gessner. Texte des Poeten Eugen Gomringer und Metallplastiken von Ingo Glass spannen den Bogen zur Konkreten Kunst von heute.

Kreise, Dreiecke und Quadrate, – auch als Negative – rechtwinklig ineinander gesteckt, in den Grundfarben Rot, Gelb und Blau, auf Würfeln platziert: Skulpturen des Eisenplastikers Ingo Glass empfangen Besucherinnern und Besucher der Galleria il Tesoro in Altendorf. An den weissen Wänden prangen Gedichte des Schweizers Eugen Gomringer, der als Begründer der Konkreten Poesie gilt. Neben der Treppe, die in die obere Etage führt, hängen drei Bilder in leuchtenden Farben von Rob. S. Gessner. «Spätwerke des Zürcher Konkreten », wie Susan Lutz, die Kuratorin der Ausstellung, sagt. Sozusagen als Verbindung der drei G’s und der drei Generationen: Robert S. Gessner (1908 bis 1982), Eugen Gomringer (1925) und Ingo Glass (1941).

Poesie und Skulpturen

Anlässlich des 30. Todestages des Zürcher Künstlers organisierte die Kunststiftung Rob. S. Gessner eine Retrospektive, die bereits in deutschen Museen zu sehen war. Für die Ausstellung in Altendorf wollte die Kuratorin zwei noch lebende Künstler beiziehen. Dass der Poet Eugen Gomringer mit dabei ist, versteht sich fast von selbst. Der Poet und Gessner waren in Zürich fast Nachbarn, und Gomringer hat eine Monografie über den Künstler verfasst. Mit ins Boot holen konnte Susan Lutz den Eisenplastiker Ingo Glass, dessen Skulpturen ausgezeichnet in die Ausstellung passen. Bekannt ist der gebürtige Rumäne, der seit über 30 Jahren in München lebt, für seine monumentalen Stahlplastiken. Ein Rückenleiden als Folge seiner Arbeit fesselt den Künstler an den Rollstuhl. Trotzdem fertigt der Künstler Plastiken aus Aluminium noch selber an. Glass’ Plastiken sind charakteristisch: Er spritzt sie ausschliesslich in den Grundfarben – die Dreiecke gelb, die Kreise rot und die Quadrate blau.

Kunstverständnis wecken

Anlass der Ausstellung ist aber Robert S. Gessner. Seinem Werk ist die obere Etage gewidmet. Gezeigt wird ein Querschnitt seines Schaffens. Zu sehen sind aber nicht in erster Linie Bilder, die im Besitz der Stiftung sind, wie Susan Lutz sagt. In den 30er-Jahren malte der junge Gessner vor allem Stillleben – bis zur Abstraktion. «Pfeife, Wein und Muschel durften nicht fehlen », sagt Lutz. Zu sehen sind auch Scherenschnitte, die er als 16-Jähriger seiner Mutter geschenkt hat. Gessner setzte sich auch intensiv mit Architektur und Stadt – vor allem auch seiner Heimatstadt Zürich – auseinander. Davon zeugen einige Städtekompositionen. Immer aber mit Sonne. «Sol – auf deutsch Sonne – durfte nicht fehlen», sagt Susan Lutz, die sich während fünf Jahren mit Gessners Nachlass auseinandersetzt hat. Denn der Zürcher verbrachte viel Zeit auf Ibiza. In den 70er- Jahren malte Gessner Bilder in Blau-, Lila- und Grün-Tönen.

Passte in keinSchema

Puristen sahen ihn nicht als wahren Konkreten. Aber er liess sich nicht in ein Schema pressen und bezeichnete sich selbst als «romantischen Konstruktivisten». Ausgestellt sind auch Skizzenbücher – Originale in Vitrinen, Kopien zum Anschauen. Die Besucher können so den Entstehungsprozess eines Bildes verfolgen. «Sie sollen Einblick in das Schaffen des Künstlers erhalten, den Menschen Gessner verstehen », sagt Susan Lutz. Ziel sei es auch, das Kunstverständnis zu wecken. Den Lehrer Gessner – er unterrichtete an der Kunstgewerbeschule Zürich – zeigen seine pädagogischen Prinzipien: Eine Anleitung, wie man einen Bleistift richtig spitzt, regt zum Schmunzeln an.

Die Ausstellung in der Galleria il Tesoro an der Mülistrasse 3 in Altendorf dauert bis am 21. Oktober, Montag bis Samstag, jeweils von 13.30 bis 17 Uhr

March-Anzeiger und Höfner Volksblatt

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

10.09.2012

Webcode

schwyzkultur.ch/R32C7N