Tony Kurmann, Musiker und Dirigent:«Musste nicht erfolgreich sein, ich durfte.» Bild Johanna Mächler
Tony Kurmann, Musiker und Dirigent:«Musste nicht erfolgreich sein, ich durfte.» Bild Johanna Mächler

Musik

Grandseigneur der Musik tritt ab

Tony Kurmann gibt den Taktstock des Blasorchesters Siebnen nach fast 37 Jahren ab. Am Abschlusskonzert am Samstag wird ihm zudem die höchste Auszeichnung im Schweizer Blasmusikwesen überreicht. Was das für ihn bedeutet und was einen guten Dirigenten ausmacht, erzählt er im Interview.

Mit Tony Kurmann sprach Irene Lustenberger

Mit welchem Gefühl werden Sie am Samstag auf die Bühne treten?

Da mein Abschied schon lange geplant ist und ich mich darauf vorbereitet habe, wird es nichts Besonderes sein. Ich konnte mir mit 60 Jahren gut vorstellen, beim BOS Dirigent zu bleiben, bis ich 65 Jahre alt bin, aber nicht bis 70. Jetzt bin ich 66, und man muss aufhören, bevor man keine Kraft mehr hat.

37 Jahre lang waren Sie mindestens einmal pro Woche von zu Hause weg. Werden Sie diesen «Ausgang» vermissen?

Nein, ich glaube nicht (lacht). Ich habe früher noch andere Vereine dirigiert und war praktisch permanent unterwegs. In den vergangenen Jahren ging das kontinuierlich zurück, und ich bin immer mehr zu Hause. Es kommt also nicht plötzlich.

Ein Abschied geschieht oft mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Was überwiegt?

Bestimmt nicht das weinende. Ich bin jemand, der loslassen kann und nicht krampfhaft versucht, etwas festzuhalten.

Sie werden am Abschlusskonzert mit dem Stephan-Jaeggi-Preis ausgezeichnet, der höchsten Auszeichnung der Schweizer Blasmusikszene. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?

Der Stephan-Jaeggi-Preis ist ein Preis für Komponisten oder für Personen, die sowohl pädagogisch als auch als Dirigent im schweizerischen Blasmusikleben besonders aufgefallen sind. Die Preisverleihung ehrt mich sehr.

Valentin Bischof, Präsident des Schweizer Blasmusikverbandes, wird die Laudatio halten. Wenn Sie selbst eine Laudatio halten könnten, was würden Sie erzählen?

Die Laudatio würde bestimmt nicht lange dauern (lacht). Ich würde die musikalischen Aspekte ins Zentrum stellen.

Wann haben Sie den Entschluss gefällt, aufzuhören?

Der definitive Entschluss ist gefallen, als das Blasorchester Siebnen beschlossen hat, am Wettbewerb in Kerkrade teilzunehmen. Das war vor ziemlich genau drei Jahren. Kerkrade im Sommer und die Kantonalbankkonzerte vom vergangenen Wochenende waren für mich ein hervorragender Abschluss meiner Dirigententätigkeit beim Blasorchester Siebnen. Ich habe das dann dem Verein so vorgeschlagen.

Sie haben es geschafft, aus dem damaligen Mittelklassverein Alpenrösli Siebnen einen Höchstklassverein zu machen. Worin liegt das Geheimnis Ihres Erfolges?

Es gibt eigentlich kein Geheimnis des Erfolges. Als ich das Blasorchester übernommen habe, habe ich schon bald festgestellt, dass in dieser jungen Gruppe ein grosses Potenzial steckt. Die Voraussetzungen und der Leistungswillen waren vorhanden, aber an der musikalischen Basis gab es noch sehr viel zu arbeiten. Das waren die beiden wichtigen Faktoren. Ich habe nach zwei Jahren zu meinem Bruder Alois gesagt: «Aus Siebnen kann einmal ein Höchstklassverein werden. » 1973, als ich das Blasorchester übernommen habe, war es in der zweiten Klasse. 1975 nahmen wir an einem kantonalen Musikfest in der ersten Klasse teil und wurden erste. Das macht einen Dirigenten natürlich stark und gibt Rückhalt. 1980 waren wir dann in der Höchstklasse. Für mich war es aber nie zwingend, einen Höchstklassverein zu dirigieren. Primär ist mir wichtig, gute Musik zu machen. Ich dirigiere lieber einen Zweitklassverein, der gute Musik machen möchte, als einen Höchstklassverein, der sich nicht engagiert.

Was ist für Sie gute Musik?

Gute Werke gut gespielt. Im Bereich der Unterhaltungsmusik gibt es leider viel Mässiges, das ich nicht zwingend dirigieren möchte. Aber als Dirigent muss man, wie überall im Leben, Kompromisse eingehen. Wenn ein Dirigent das nicht kann, muss er seine Tätigkeit in der Blasmusikszene überdenken. Sicher muss in einem Höchstklassverein dieser Kompromiss weniger Bedeutung haben, sonst wird der Verein kaum lange dieser Stufe angehören.

Sie haben mit dem Blasorchester Siebnen viel erreicht. Gibt es etwas, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Es gibt mehrere Höhepunkte, wie zum Beispiel der Besuch der zahlreichen Musikfeste. Ich bin zwar kein Wettbewerbsmensch, aber es ist für jeden Verein vorteilhaft, wieder einmal seine Leistungsgr

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

09.12.2009

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schwyzkultur.ch/SULL3c