Der Künstler Harald Naegeli beim Betrachten seiner Werke in der Kapelle St. Martin. Bilder Martin Risch
Der Künstler Harald Naegeli beim Betrachten seiner Werke in der Kapelle St. Martin. Bilder Martin Risch
Das jüngste Werk von Harald Naegeli: Strichmännchen an der Wand des Beinhauses der Kirche St. Peter.
Das jüngste Werk von Harald Naegeli: Strichmännchen an der Wand des Beinhauses der Kirche St. Peter.

Kunst & Design

art ufnau thematisiert Vergänglich- und Endlichkeit

Bislang unveröffentlichte Bilder des bekannten, streitbaren Zürcher Künstlers Harald Naegeli werden ab 13. Mai und bis Mitte Oktober in der Kapelle St. Martin auf der Insel Ufnau ausgestellt.

Erstens kommt es anders und zweiten als man denkt. Beim Medienrundgang auf der Insel Ufnau zur neuen Ausstellung im Rahmen von art ufnau 2022 war der Künstler Harald Naegeli erst nicht angekündigt. Dann, kurz vor Beginn der Bootsüberfahrt etwas Aufregung. «Er kommt doch.» Begleitet von der Geschäftsführerin der Harald Naegeli Stiftung bestieg der 82-Jährige das Boot und blickte gespannt zur Insel hinüber, als der Bootsführer ablegte. Markus Bamert, Kurator der Ausstellung in der Kapelle St. Martin und ehemaliger Schwyzer Denkmalpfleger, war sichtlich erfreut, den bekannten Künstler dabei zu haben. Auf der Insel angekommen schlenderte die Gruppe Richtung Kapelle. Naegeli und seine Begleitung gingen langsamer und fielen zurück, über den Köpfen rauschte die Kunstflugstaffel der Schweizer Armee. Man hätte meinen können, sie seien die Ehrengarde für den «Sprayer von Zürich». Mit Anzug und Hut und mit einer roten Hängetasche an der Hand blickte er lächelnd gen Himmel. Dann weiter Richtung Kirche und Kapelle. Die Pressegruppe war schon weit voraus. Markus Bamert erläuterte in der Kapelle St. Martin, wie es, eher zufällig, zur Ausstellung unter dem Titel «Ufnauer Totentanz» gekommen ist. Der Wirt des Gasthauses war bereits in Kontakt mit der Harald Naegeli Stiftung wegen der Gestaltung der Weinflaschen. Der Name Naegeli fiel fast beiläufig, doch sofort war man Feuer und Flamme. Man nahm Kontakt auf mit dem Künstler, der sich äusserst erfreut gezeigt habe über das Angebot, Werke von ihm in einem sakralen Bau auszustellen. Von da an war Harald Naegeli nicht mehr direkt involviert in die Inszenierung, der nun gezeigten Bilderreihe.


Beeindruckt von diesem Werk


Die Geschäftsführerin der Harald Naegeli Stiftung, Anna-Barbara Neumann, der Klosterverwalter Marc Dosch sowie Kurator Markus Bamert organisierten die Ausstellung. Die Auswahl fiel auf den Zyklus «Bilder der Vergänglichkeit», die Harald Naegeli zwischen 2014 bis 2018 geschaffen hat und noch nie öffentlich gezeigt worden sind. Die Bilder sind alle gleich gross, auf handgeschöpftem Papier gestaltet, mit Kohle, Farben und nur teilweise gesprayt. «Wir waren sofort tief beeindruckt von diesem Werk und wollten es der Öffentlichkeit zugänglich machen», sagte Bamert. Man habe sich mit dem Kloster abgestimmt und an einem bitter kalten Wintertag die Insel mit Abt Urban und Harald Naegeli besucht. Das gegenseitige Verständnis sei sogleich spürbar gewesen, «der Funke ist gesprungen». Es sei schnell klar gewesen, dass der Zyklus in der Kapelle St. Martin seinen Platz finden sollte. Die bestehenden Chorbilder in der Kapelle deuten auch in die Ewigkeit, die Bilder von Harald Naegeli seien eine logische Einfügung. «Der Zyklus passt gut an diese Wände, denn hier waren sicher früher auch Bemalungen, die aber höchstwahrscheinlich im 18. Jahrhundert weggemacht worden sind», erklärte Kunsthistoriker Bamert. Die Bilder, eher düster in der Grundaussage, zeigen verschiedene Symbole, Träume, kriegerische Szenarien und Zeichen. Bild an Bild angebracht, etwas höher im Blickfeld, wie für solche Zyklen üblich in sakralen Bauten. Die Wirkung, die Inszenierung des Werks ist gelungen und wird auch noch ausführlich erklärt werden in einem eigenen Buch, wie Bamert ankündigte, während sich die Kapellentüre öffnete und den Umriss von Harald Naegeli freigab. Wie schon beim Weg zur Kapelle mit bedächtigen Schritten, lief er seinen Bilderzyklus ab, setzte sich auf die vorderste Stuhlreihe, nahm den Hut vom Kopf und blickte in das Chorgewölbe. Kein Wort, nur ein staunen im Blick und ab und an ein Lächeln. Danach «schlich» sich der Künstler fast schon aus der Ausstellung, nur noch kurz ein flüsternder Austausch mit dem Kurator (Was der Künstler zur Inszenierung meinte, lesen Sie im Interview auf Seite 3 ). Als die Gruppe der Presseleute und Verantwortlichen der Ausstellung wieder ans Tageslicht trat, war in der Ferne der «Sprayer von Zürich» bereits wieder in Richtung Gasthaus unterwegs. Dort waren noch eine kleine Stärkung und Degustation des Weins mit den erwähnten Naegeli-Etiketten in Vorbereitung. Dass der streitbare Künstler noch immer den Drang verspürt, sich künstlerisch zu verwirklichen, das sahen die meisten der Geladenen nicht.

Sprayer von Zürich «verewigt» sich auf Beinhaus


Während des gestrigen Rundgangs für Medienleute zur art ufnau schlich sich Harald Naegeli mit seiner roten Hängetasche davon und sprayte zwei Figuren an die Wand des Beinhauses auf der Nordseite der St. Peter und Paulskirche. Ob die zwei typischen Naeglis da für längere Zeit als Memento Mori, als Mahnzeichen, dass der Mensch sterblich ist, zu sehen sein werden, bleibt abzuwarten. Die Inszenierung seines bislang nicht gezeigten Werkzyklus «Dämonie aus dem Unbewussten » ist ihm damit gelungen und dürfte für Aufmerksamkeit und Besucher sorgen. Er selbst wollte gestern persönlich ganz und gar nicht im Mittelpunkt stehen. Wie er gekommen war, verliess er die Insel wieder, ganz gemächlich und, fast könnte man sagen, in sich ruhend.


Angezeigt und ausgezeichnet


Harald Naegeli, geboren im Jahr 1939 in Zürich, ist international seit Ende der 1970er-Jahre bekannt als «Sprayer von Zürich» . Er kritisierte mit seinen Graffiti das monotone, unwirtliche Stadtbild Zürichs, aber auch die Politik und den Umgang mit der Umwelt. Während das Kunsthaus Zürich und der Kanton Strafanzeige wege Sachbeschädigung erhoben, zeichnete die Stadt Zürich des damals 80-jährigen Naegeli mit dem Zürcher Kunstpreis 2020 aus. Im Sommer 2021 gründete er die Haralds Naegeli Stiftung, die sein Werk pflegen und für die Öffenltichkeit zugänglich machen soll. Wenig bekannt ist, dass er auch ein grossartiges zeichnerisches und grafisches Werk geschaffen hat. 


«Dämonie aus dem Unbewussten»


Die Ausstellung «Ufnauer Totentanz» eröffnet am 13. Mai und dauert bis Mitte Oktober. Zwischen 2014 und 2018 schuf der Zürcher Künstler Harald Naegeli den Bilderzyklus «Dämonie aus dem Unbewussten». Schauplatz der Ausstellung ist die Kapelle St. Martin. Als Fries gehängt, bilden Naeelis Werke in teils verstörender Bildsprache und düsterer Symbolik einen Kontrast, aber auch eine Vertiefung und Ergänzung der mittelalterlichen Malereien. Veranstaltungen im Rahmenprogramm zur Ausstellung finden in der Kirche St. Peter statt. Tickets sind ab sofort buchbar. Mehr Informationen sind unter www.art-ufnau.ch zu finden.


Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Martin Risch

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

05.05.2022

Webcode

www.schwyzkultur.ch/xdHKTx