Bühne
Der «Zigeunerbaron» verzaubert
Wieder grosser Operettenzauber auf der Arther Bühne. Mit dem «Zigeunerbaron» wird ein Klassiker aus der Blüte der Wiener Operette gezeigt. Die Inszenierung fasziniert durch ihre Buntheit, die starken Stimmen und ein in sich geschlossenes Werk. Es ist ein Feuerwerk.
Mit dem «Zigeunerbaron» von Johann Strauss hat sich die Theatergesellschaft Arth keine einfache Stückwahl geleistet. Das Werk wurde 1885 uraufgeführt und besitzt viele Züge einer komischen Oper. Auch wenn einige der Melodien Allgemeingut geworden sind und von jedermann geträllert werden können – wie etwa «Ja, das Schreiben und das Lesen» oder «Wer uns getraut» – öffnen sich andere Melodien dem Zuhörer nicht sofort, sondern wollen erobert werden.
Sehr starke Stimmen
Der Inszenierung in Arth kommt entgegen, dass sie sich auf sehr starke, erfahrene Stimmen stützen kann. Die neun Solistenparts sind alle hervorragend besetzt und gut aufeinander eingestimmt. Starke Präsenz erreichen Simon Witzig als «Zigeunerbaron Sandor», Melanie Adami als Zigeunerin mit einem sehr kräftigen Sopran und gut dosiertem Temperament, Claus Gerstmann als «Zsupan» mit wohligem Bariton und einer der Rolle gut anstehendenTheatralik. Auch Andreas Büchler als «Conte Carnero» interpretiert in dieser bizarren Rolle die verlangte Bigotterie sehr amüsant. Bei Jeanne Pascale als «Czipra» ist das Zigeunerwesen, das Obskure, ständig präsent, Sara Hugelshofer als «Arsena» bewältigt das Schwanken zwischen Sehnsucht und Ablehnung grandios. Marion Neubauer als Gouvernante, Christian Menzi als Husarenoffizier und Marius Meier als «Ottokar» in ergänzenden Rollen stützen das Ensemble.
Sehr grosser Chor im Einsatz
Vor allem aber überrascht auch der Chor. Da sind die jahrelange Erfahrung und die sicheren Stimmen stark zu spüren. Mit fast 40 Sängerinnen und Sängern ist der Chor aber eher über- als unterbesetzt. Das tut der Qualität des Gesangs zwar keinen Abbruch, im Gegenteil, führt aber auf der Bühne regelmässig bei Grossauftritten zu Engnis und sehr dichten Reihen. Genau mit diesem Problem hat auch die erstmals separat besetzte Choreografie zu kämpfen. Mangels Platz kranken die tänzerischen Einlagen etwas an fehlender Dynamik: Kaum ein weiter Schritt getan oder der Armgehoben, schon stossen die Akteure an physische Grenzen.
Viel Bühnenbild und Kostümierung
Gespielt wird in jedem der drei Akte in einem separaten Bühnenbild. Nach einer für Operetten eher sanften Ouvertüre verblüfft das erste Bild total: eine wirblige Zirkuslandschaft und viel Exotik. Ebenso frappant ist die Tiefenwirkung, welche mit einem Rundhorizont hergestellt wird und die Weite der ungarischen Ebenen einfängt. In der Burg-Szenerie wäre weniger Burg vermutlich mehr gewesen, hier hat man sich die Handlungsfreiheit selber eingeschränkt. Hervorragend ist die Kostümierung. Ein Feuerwerk an Farben und rauschendem Textil, im Solo oder verschmelzend in der Gruppe. Verblüfft haben hier auch die häufigen Wechsel der Chor- und Statistenrollen. Sie absolvieren ein wahrliches Kostümfest.
Mut zum Original
Regisseur Jean Grädel, erstmals auf der Arther Bühne tätig, hat mit dem «Zigeunerbaron» keine Experimente versucht. Irgendwie ist das auch Courage, beim Grundkonzept dieser Operette zu bleiben. Verschiedene Regieeinfälle hat Grädel zwar eingestreut, wie etwa das witzige Miniballett der Schweinchen, einige aktualisierende Anspielungen in den Textpassagen, feine Andeutungen in Mimik und Gestik. Es hätten durchaus noch mehr sein dürfen, wie die Publikumsreaktion auf diese Einstreuer gezeigt hat.
«Der Zigeunerbaron»
von Johann Strauss
Theater Arth
Aufführungen bis
31. März
Infos und
Reservationen
www.theaterarth.ch
Bote der Urschweiz
Autor
Bote der Urschweiz
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- Bühne
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