Viel Applaus und grosse Anerkennung für den Örgeli-Film und die Macher: (von links) Kameramann Stefan Prohinig und Regisseur und Produzent Roger Bürgler. Bild Josias Clavadetscher
Viel Applaus und grosse Anerkennung für den Örgeli-Film und die Macher: (von links) Kameramann Stefan Prohinig und Regisseur und Produzent Roger Bürgler. Bild Josias Clavadetscher

Film

Liebeserklärung an das Schwyzerörgeli

Jetzt hat das Schwyzerörgeli ein fantastisch klingendes Denkmal erhalten. Der Dokumentarfilm von Roger Bürgler ist eine Offenbarung, mit viel Emotion.

Alle kennen es, die meisten lieben es, viele spielen es. Das Schwyzerörgeli ist heute das Schweizer (und Schwyzer) Volksmusikinstrument schlechthin. Weil es eine Vielfalt bietet wie kein anderes, weil es im «Göfferli» überallhin mitgenommen werden kann, weil es Stimmung garantiert, weil es die bizarre Welt des Alpenraums wiedergeben kann und weil es der Kreativität offenen Raum lässt. Dies ist der tiefere Grund, dass dieses Instrument Amateure begeistert, Virtuosen fasziniert und dass seine Klänge direkt ins Herz gehen. Und manchmal ins Bein. Roger Bürgler, selber leidlich guter Spieler, fragte sich darum vor vier Jahren, warum dieses Instrument zwar in der Welt unserer Volkmusik einen Spitzenplatz einnimmt und in einem populär gehaltenen Buch gewürdigt wird, aber sonst nichts. Ein Dokumentarfilm drängte sich da geradezu auf: bewegtes Bild, farbenreiche Szenen, begeisternde Klänge. Der gestern an der Premiere im Theater Arth erstmals gezeigte Film schafft das herrlich. Er schildert die Herkunft des Örgeli aus Wien, erklärt, wie es sich in der Schweizer Volksmusik etabliert, sich dort entwickelt und wie es zu seiner Vielfalt gefunden hat, wer die legendären Instrumente gebaut hat und immer noch baut. Der Film zeigt auch faszinierende historische Aufnahmen, lässt heutige Akteure und Virtuosen begeistert erzählen und führt in einer fast endlosen Liste all die grossen Koriphäen auf, wie sie ihren Beitrag geleistet haben: Josef Stump, Balz Schmidig, Martin Nauer, Rees Gwerder, Josias Jenni, die Schmid-Buebe, die Mosis und weitere, bis zu den heutigen «jungen Wilden» wie Markus Flückiger, Christine Lauterburg oder Marcel Oetiker, die wieder ganz neue Dimensionen erschlossen haben. Der Film unterschlägt auch nicht, wie nach einer Generation des Konservierens durch die «Musikpolizisten» zum grossen Glück die Schwyzerörgelimusik wieder ihre Freiheit der Interpretation gefunden hat: Es muss ja nicht allen gefallen, aber es muss möglich sein.

Instrument der Weltmusik

Der Film zeigt hervorragend, welche Breite das legendäre Instrument heute abdecken kann. Es wird von der Jugend wie vom Altmeister gespielt, in Clubs der ruhelosen Weltstadt wie auf der Alp, vom Amateur wie dem Virtuosen, an der stiebenden Chilbi wie in der symphonischen Formation. Da wird dank diesem Film bewusst, was in diesem Instrument steckt und welche Kreativität es immer noch auslöst. Die Dokumentation liefert auch viel Hintergrundwissen über dieses Instrument und die Bautechnik. Hervorragend. Auch was die Bildqualität angeht, ist der Film eine Augenweide. Und selbst Humor kommt nicht zu kurz. Viele Szenen amüsieren in ihrer Originalität und werden zu einem Zeitdokument. Fazit des gestrigen Premierenabends: Es ist unglaublich, was in dem kleinen Kästchen mit dem Balg steckt und was durch Freude an Melodie, Begeisterung für Volkmusik und Liebe zur Tradition geweckt und zu höchster Virtuosität geführt werden kann. Nur eines konnte auch gestern niemand beantworten: Warum musste man so lange auf so eine Dokumentation warten.

«Fremdfötzelige Musikanten»

Dokumentarfilmvon Roger Bürgler über das Schwyzerörgeli.

Bote der Urschweiz (Josias Clavadetscher)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Film

Publiziert am

23.10.2015

Webcode

schwyzkultur.ch/h62eeL