Der Arther Orgelzyklus überzeugte mit zwei herausragenden Solisten: Immanuel Richter, Trompete, und Hans Jürg Bättig, Orgel. Bild Walter Eigel
Der Arther Orgelzyklus überzeugte mit zwei herausragenden Solisten: Immanuel Richter, Trompete, und Hans Jürg Bättig, Orgel. Bild Walter Eigel

Musik

Trompete in höchster Vollendung

Nachdem beim letzten traditionellen Arther Neujahrskonzert der Orgel eine zauberhafte Klarinette beigesellt worden war, lud der Orgelmusikverein zu einem weiteren Konzert mit einem Blasinstrument. Diesmal war es die Trompete.

Es sollte dank eines international renommierten Trompeters und eines kongenialen Organisten zu einem musikalischen Erlebnis der besonderen Art werden. Sowohl Immanuel Richter als auch Hans Jürg Bättig sind ihrem vorauseilenden Ruf mehr als nur gerecht geworden. Auf dem Programm stand eine abwechslungsreiche Auswahl von musikalischen Kostbarkeiten aus drei Stilepochen: Barock, Romantik und Moderne. Die Orgel allein kam durchaus auch auf ihre Rechnung.

Experimenteller italienischer Barock

Eröffnet wurde das Konzert mit relativ unbekannter, aber umso hörenswerterer italienischer Barockmusik. Die «Toccata Prima» von Michelangelo Rossi aus dem Jahr 1627 ist eigentliche Experimentalmusik und besticht durch ihre angriffige Melodik. Der Organist verlieh demWerk durch farbige Registrierung und dynamische Differenzierung eine bezaubernde Schönheit. – Aus Giovanni Buonaventura Vivianis beiden Sonaten für Trompete und Orgel folgten fünf kurze, eindringliche Sätze, die für Vivianis Schreibweise charakteristisch sind: mal fanfarenhaft, mal virtuos, eine bestrickende Kantilene, ein hüpfender Tanzsatz und zum Abschluss ein fast hymnischer Prozessionsgesang. – In Bernardo Storaces «Aria sopra la Spagnoletta» kam süditalienische Folklore zum Zug. Der kompositorisch formvollendete Variationensatz erfuhr eine abwechslungsreiche, farbige Wiedergabe.

«Ernsthafte Musik» für Trompete

Die romantische Stilepoche war mit zwei Werken vertreten, die unterschiedlicher nicht sein konnten. Einerseits brachten Mendelssohns Präludium und Fuge nicht nur formal Anklänge an dessen grosses Vorbild Bach, sondern bildeten auch für das Ohr eine Art Brücke hinüber zu neuzeitlicherer Musik.Anderseits gilt Thorvald Hansens Sonate für Trompete und Klavier/Orgel als ein erstes Stück «ernste» Musik für die Trompete.War dieses Instrument bisher am ehesten mit Stücken lockerer Art assoziiert, so begegnen wir hier einem höchst anspruchsvollen Werk – und dies nicht nur für den Trompeter, sondern auch für den Organisten. Nur merkt man dies dem so selbstverständlich und bezaubernd daherklingenden Stück Musik nicht an …

Fulminanter englischer Barock

Zum Abschluss kehrten die Interpreten wieder zur Barockmusik zurück. Doch diesmal nicht nach Italien, sondern auf die Britischen Inseln. Der blinde Organist und Komponist John Stanley hat die charakteristischen englischen «Voluntaries» für Orgel zu besonderer Meisterschaft gebracht. Sein zweiteiligesVoluntary op. 7 Nr. 4 fand denn auch eine sehr ansprechende Interpretation. Das Trompetenregister der Orgel kündigte bereits ein «echtes» Trumpet Voluntary an. Es sollte das berühmte Bravourstück von Henry Purcell sein, bei dem der Trompeter Immanuel Richter seine virtuose Meisterschaft unter Beweis stellte. Nicht weniger meisterhaft war die Wiedergabe von Purcells etwas diskreter klingenden «Sonate in D». Das unverwechselbare, mit Purcell assoziierte Trompetenstück schloss den Kreis des hochinteressanten Konzertabends.

Bittgebet eines jungen Jazz-Fans

Noch aber muss ein Werk erwähnt werden, das zwar in der Mitte des Programms angesiedelt war, aber – man möchte fast sagen – «etwas aus dem Rahmen gefallen ist». Es repräsentierte im Programm die moderne Musik für Trompete, darf aber mit Fug und Recht als absoluter Höhepunkt des Konzertabends bezeichnet werden: die Sonate für Trompete und Orgel von Naji Hakim. Der aus dem Libanon stammende und in Frankreich lebende Musiker Naji Hakim (*1955) wirkte als Organist an den wichtigsten Pariser Kirchen (La Trinité, Sacré- Coeur) und schrieb als Komponist neben kirchenmusikalischen Werken auch Instrumentalkonzerte, Orgelstücke und Kammermusik. Seine 1994 entstandene Sonate für Trompete und Orgel ist ein höchst geniales Stück Jazz, in welchem die beiden Interpreten gleicherweise ihre hohe Kunst unter Beweis stellen müssen. Trotzdem scheint das Werk unerwarteterweise einen Sakralraum als Erlebnisort vorauszusetzen. Der Mittelsatz dieses viertelstündigenWerkes stellt nämlich ein flehentliches B

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

25.01.2011

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