Musik
Aus Worten Musik gemacht
Der Obwaldner Jazzmusiker Jul Dillier stellte am Samstag i de Fabrik sein Projekt «Aanä» vor. Er beschäftigte sich dafür mit Gedichten seines Onkels.
Das kurze Gedicht «Hinnädra» erzählt vom Verborgenen hinter den Worten. Jul Dillier drückte immer wieder die gleiche Klaviertaste, dann wippte Perkussionist András Dés mit Schellen am Fussknöchel, und auch die Kontrabassistin Judith Ferstl setzte ein. So begann ein 90-minütiges Konzert mit drei Musikern, mehreren Instrumenten und einer Stimme, die Mundartgedichte wiedergab. Jul Dillier entdeckte die Texte seines verstorbenen Onkels Julian zu dessen 100. Geburtstag 2022 neu und hatte Lust, ihm als Komponist und Klangkünstler wiederzubegegnen. In Wien, wo der 36-jährige Obwaldner nun lebt, gewann er seine Mitmusiker für das Projekt. Gemeinsam veröffentlichten sie im Februar ein Textalbum, über das die Musik per Code gestreamt werden kann.
Kirchenglocken auf dem Klavier
Viele Arrangements und Proben seien nötig, um aus Lyrik volkstümlich inspirierten Jazz zu formen, sagt Dillier. Mal interpretierte er Kirchenglocken auf dem Klavier, mal traten Schlagzeug und Cajón lautstark hervor, aber auch verträumte Melodien waren zu hören. Im Stil seines Onkels schuf der Musiker drei neuere Gedichte, die ebenfalls mit Wörtern aus seinem Heimatdialekt spielten, beispielsweise «langi Zyt», das für eine lange Dauer oder für Sehnsucht stehen kann. Zudem brachte er mit dem «Schacher Seppli» das bedeutendste Volkslied aus Obwalden in einer völlig neuen Version mit Cembalo-Beiklang mit. «Es steckt eine Traurigkeit und Einsamkeit im Text dieses Stücks, die oft überhört wird und die ich zum Vorschein bringen wollte», meint Dillier dazu. In Schwyz lockte das Konzert weniger als 20 Personen an. Es war jedoch kürzlich an den Stanser Musiktagen zu hören und findet künftig vielleicht auch an weiteren Orten Anklang.
Bote der Urschweiz / Patrick Kenel
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Bote der Urschweiz
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