Musik

«Bandprobe ist Therapie»

Das momentan «heisseste Eisen» in der Region in Sachen Punkmusik heisst «Must Be Wrong». Wir trafen die drei «Pönker» zu einem unterhaltsamen Interview.

Füchslin Dario, Schuler Damian und Marty Jan. Was zunächst wie die Rangliste eines Schwingfests klingt, sind in Wirklichkeit drei Freunde, die den Punk im Blut haben. Ihre Musik wird vom Umfeld gerne als «chli tifig» beschrieben – also etwas schnell. Im persönlichen Gespräch zeigen sich die Musiker aus Einsiedeln, Wollerau und Freienbach jedoch von einer ganz anderen Seite. Sie nehmen sich Zeit, lachen viel und haben für beinahe jede Frage einen flotten Spruch auf Lager.

Empfangen wurde ich bereits vor dem Eingang des Brockenhauses in Einsiedeln. Fast so, als hätten sie den Besuch minutiös geplant, drückte mir Jan zur Begrüssung gleich ein Bier in die Hand. Bei gefühlten 180 Grad war das flüssige Gold eine willkommene Abkühlung.

Der Probenraum von Must Be Wrong, beziehungsweise der Weg dorthin, dürfte wohl zu den ungewöhnlichsten der Region gehören: Mitten durch die Brockenstube führt der Weg vorbei an Möbeln, Lampen, altem Spielzeug und allerlei Krimskrams. Zwischen nostalgischen Fundstücken öffnet sich schliesslich die Tür zu ihrem Reich. Dort, wo andere vielleicht alte Schränke lagern würden, entstehen Songs, mit denen die drei mittlerweile weit über die Schweizer Grenzen hinaus unterwegs sind. Im Bandraum hängen zwischen Gitarren Poster vergangener Auftritte oder von Bands. Bei der Ledersofagarnitur auf dem Tisch kleben Abziehbilder verschiedener Skatemarken und Bands.

 

Gute Freunde kann niemand trennen

Dass sie sich als Band regelmässig auflösen, überrascht zunächst. «Eigentlich passiert das zwei Mal pro Jahr», sagt Dario und lacht. Meistens kurz bevor eine neue Single veröffentlicht wird. Dann werde laut diskutiert, Meinungen prallten aufeinander und manchmal habe man tatsächlich das Gefühl, jetzt sei Schluss. «Aber genauso schnell sitzen wir wieder zusammen und machen weiter.» Der Grund dafür ist einfach: Die Freundschaft steht für die drei Musiker an erster Stelle. «Gute Freunde sind wichtiger als gute Musiker», sagen sie einstimmig. Genau diese Basis habe Must Be Wrong überhaupt erst möglich gemacht. «Bandprobe ist für uns Therapie», ergänzt Dario. Es gehe nicht nur ums Musikmachen, sondern auch darum, Zeit miteinander zu verbringen.

Fragt man sie, was sie aneinander schätzen, dauert es keine Sekunde, bis die Antworten kommen. Jan und Damian bewundern an Dario dessen unermüdlichen Einsatz für die Band. «Dario denkt an jedes noch so kleine Detail und gibt nie auf. Er investiert unglaublich viel Energie und denkt ständig daran, wie wir die Band weiterbringen können.» An Damian schätzen Jan und Dario dessen ruhige Art. «Er bringt uns immer sicher nach Hause und ist einfach da, wenn man ihn braucht.» Dario hebt Jans Hilfsbereitschaft hervor. «Egal, ob am Sonntag das Auto nicht mehr anspringt oder sonst etwas ist – ich kann ihn jederzeit anrufen.» Damian wiederum bezeichnet Jan als Ruhepol.

 

Internationale Bekanntheit

Dabei ist in den vergangenen Jahren einiges passiert. Zwei Alben, zahlreiche Konzerte im In- und Ausland und Auftritte mit internationalen Bands ha-ben Must Be Wrong weit über die Region hinaus bekannt gemacht. Den Moment, an dem aus dem Hobby plötzlich eine «richtige» Band wurde, können sie aber kaum benennen. «Vielleicht mit dem ersten Album», meint Dario. Damian ergänzt: «Wir haben das selber gar nicht so richtig gemerkt.»

Erfolg kommt durch Menschen

Dass sie heute im Ausland auftreten können, führen sie nicht auf Glück zurück, sondern auf Begegnungen. «Kontakte und Netzwerken sind enorm wichtig», erklärt die Band. Ein Konzert führt zum nächsten, man lernt Leute kennen und plötzlich ergibt sich die nächste Einladung. «Man muss mit den richtigen Menschen reden.» Trotzdem sind die drei erstaunlich bodenständig geblieben. Nach Konzerten geht es wieder zurück in den Alltag. Damian arbeitet als Zimmermann, verbringt Zeit mit seiner Freundin oder produziert in seinem eigenen Studio Musik. Jan steht ebenfalls früh auf, hört den ganzen Tag wenn möglich Musik und nach Feierabend widmet sich der Polymechaniker dem Skate-board oder seinem 3D-Drucker. Dario kocht gerne und freut sich nach einem anstrengenden Arbeitstag als Sanitär über einfache Gerichte wie Gurkensalat oder Wassermelone mit Feta.

 

Musik, die Menschen bewegt

Besonders in Erinnerung geblieben ist der Band die Albumtaufe im Werk 21 in Zürich. Für Damian war es ein spezieller Moment, weil er das Album selbst produziert hatte. «Es waren viele Leute dort, die gerne Zeit mit mir verbracht hätten, als ich im Studio war. Es war schön, so viele meiner Liebsten und Bekannten zu sehen.» Dass ihre Musik die Leute auch berührt, beweist ein spezieller Moment. Bei einem Konzert in Innsbruck reiste ein Fan eigens aus Wien an, welcher eine schwere Zeit durchmachte und sich in Behandlung befand. «Er erzählte uns, dass ihm unsere Musik in einer schwierigen Zeit sehr geholfen hat», sagt Jan Marty, Bassist der Band. Als Erinnerung wünschte sich der Familienvater einen Babystrampler mit Must-Be-Wrong-Logo. Die Band liess ihn kurzerhand produzieren.

Auch das Open Air Gränichen zählt für die drei zu den Höhepunkten ihrer bisherigen Laufbahn. «Es war unglaublich zu sehen, wie viele Leute bereits beim Eröffnungskonzert vor der Bühne standen», erinnert sich Jan. «Teilweise sogar noch mit dem Zelt unter dem Arm und Bollerwagen an der Hand.»

 

Rebellion verändert sich

Punk bedeute für sie auch heute noch, sich gegen Dinge zu stellen, die einen stören. Nur habe sich das mit den Jahren etwas verändert. Auf die Frage, wogegen er heute rebelliere, antwortet Jan trocken: «Früher gegen das Elternhaus – heute eher gegen die Rückenschmerzen.» Im Probenraum sorgt die Antwort für Gelächter. Dario scherzt der-weil, dass sich die Band hoffentlich wirklich nicht auflöst und er seine Zeit alleine im Probenraum verbringen muss und es heisst: «Nur noch ich gegen den Staat!» Wofür sie stehen, erkennt man in der Musik Obwohl «Must Be Wrong» immer häufiger auf grösseren Bühnen steht, gibt es Dinge, welche die drei niemals opfern würden. «Familie, Freunde und unsere Freundschaft», antworten alle drei ohne zu überlegen.

Zum Abschluss gestand ich der Band, dass mir ihr Lied «Better Days», bessere Tage, ab und an durch den Kopf geht. Eine eingängige Melodie und ein aussagekräftiger Text. Kurz übersetzt heisst es im Lied: «Es gibt so vie-les zu verändern – für eine bessere Welt, für einen besseren Ort zum Leben. Sei selbst die Veränderung für bessere Tage, bevor uns die Zeit davonläuft.» Und so nimmt man die Jungs auch wahr. Mit gutem Beispiel gehen sie voran. Sympathisch und offen zeigten sie mir, wie schnell man sich an einem Ort wohlfühlen kann, auch wenn man sich gar nicht so gut kennt. Wenn man Menschen so begegnet, ist es für alle ein «besserer Tag». Umso wichtiger war es ihnen dann auch, für mich noch ein paar Lieder zum Besten zu geben – darunter «Better Days» und weitere Ohrwürmer.

 

Einsiedler Anzeiger / Stefan Bisig

Autor

Einsiedler Anzeiger

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Kategorie

  • Musik

Publiziert am

10.07.2026

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