Die «Theaterlüt vo Bennau» durften eine erfolgreiche Premiere mit viel Gelächter und Szenenapplaus des Publikums vorführen. Foto: Franz Kälin o
Die «Theaterlüt vo Bennau» durften eine erfolgreiche Premiere mit viel Gelächter und Szenenapplaus des Publikums vorführen. Foto: Franz Kälin o

Bühne

Statt Schäferstündchen wartet viel Ärger

«D’Theaterlüt vo Bennau» fesseln die Zuschauer mit einer Lügengeschichte Beim Bennauer Theater «Ausser Kontrolle» wird auf Biegen und Brechen geschwindelt. Es entsteht ein rasanter Spiessrutenlauf, bei dem immer abstrusere Lügengeschichten entstehen, in die sich alle Betroffenen verstricken.

Beim Schwank «Ausser Kontrolle! » der «Theaterlüt vo Bennau» braucht das Publikum, wie bei der Premiere am Stefanstag, garantiert Nerven und Lachmuskeln. Dabei ist die Ausgangslage schon höchst pikant: SVP-Nationalrat Johannes Nauer (Toni Fässler), der mit seiner Partei eigentlich an einer Fraktionssitzung sein müsste, trifft sich im gediegenen Luxushotel Bernerhof in der Nähe des Bundeshauses mit seiner Geliebten Janine Ryf (Monika Gisler), die als Sekretärin für die SP arbeitet. Das lässt sich anfangs ganz locker an, Janine Ryf legt freudig ihre Kleidchen ab, um sich im Shorty einzustimmen. Doch aus dem geplanten romantischen Liebesabend wird nichts: Neugierige Ehefrauen, jähzornige Ehemänner und ein lebloser Körper (Reto Maurer) auf dem Fensterbrett stören die Atmosphäre. Diesen Störenfried zu entsorgen, erweist sich als tollwitziges abendfüllendes Unternehmen, platzen doch immer wieder Hotelpersonal und Ehepartner in das Zimmer hinein. Ein Schiebefenster spielt dabei eine wichtige Rolle. Unzählige Male knallt es nicht ganz nach unten. Es bleibt noch ein grösserer Spalt, zwischen den ein Kopf oder auch ein Körper passt. Bei der schwarzen Komödie dreht sich vieles um diese Figur des Körpers. Mal wird er im Schrank versteckt, mal in einem Rollstuhl aus dem Hotelzimmer geschoben. Er steht jedenfalls im Wege. Ja lebt er überhaupt noch? Eine Leiche im Zimmer wäre für Nationalrat Nauer wohl das Ende seiner politischen Laufbahn. Das Tür-auf-Tür-zu-Karussell, das bei einer Komödie nicht fehlen darf, beginnt sich immer schneller zu drehen. In der Folge kommt es zu vielen Turbulenzen.

Assistent wider Willen


Zum Glück aber hat Johannes Nauer einen Assistenten: Conrad Hobby (Pirmin Kälin) darf überall dort den Kopf hinhalten, wo er einen Sündenbock braucht. Dieses Gespann steht denn auch im Zentrum des Geschehens auf der Bühne. Nauer, der Machtmensch, der nicht gerade viel von der Wahrheit hält, und Hobby, sein Assistent wider Willen. Er ist denn auch nur begrenzt eine Hilfe. Aber als der Kellner (Max Zwingli) auftaucht, gelingt es den beiden Männern, mit der Leiche einen Dreimännermambo vorzutanzen und die flexible Marionette in der Mitte als Conrads kleinen Bruder vorzustellen. Max Zwingli gibt den trinkgeldgeilen Hotelangestellten mit unterwürfiger Unverschämtheit und erfüllt grinsend jeden Wunsch. Wo aber Seriosität vonnöten ist, tritt Andrea Kauflin in Aktion und beweist, dass letztlich auch Hoteldirektorinnen vorzüglich schauspielern können. Doris Nauer (Nicole Reichmuth) reist ihrem Mann im roten Kostüm hinterher und illustriert in Sachen ehelicher Treue die Emanzipation der Politikergattin, im Gegensatz zum karitativen Anlauf der Schwester Kresenzia (Andrea Ochsner) ins Eheglück, bei der Conrad letztlich happy endet, während die Verbindung des SVP-Nationalrates mit der Sekretärin der SP nicht zuletzt wegen ihres zornigen Ehemannes Dieter Ryf (Patrik Herger) völlig schiefgeht. Wie sich die weiteren Verwicklungen auflösen, sei hier nicht verraten.

Viel Komik


Regisseur Roland Ochsner bewies bei der Besetzung insgesamt ein gutes Händchen. Vor allem Pirmin Kälin als Conrad Hobby und Toni Fässler als Johannes Nauer entfachen in beinahe jeder Szene ein Feuerwerk an Komik. Johannes Nauer tobt mit wilder Leidenschaft und vollem Körpereinsatz über die Bühne und Conrad Hobby entpuppt sich als Polit-Assistent Szene um Szene von der unscheinbar-steifen Raupe zum bunten Schmetterling. Doch auch die anderen Spieler haben ihre Figur ausgezeichnet gespielt. Mehrere Wochen hat die neunköpfige Truppe geprobt. Das Spielerensemble schafft es, das Stück von Ray Cooney temporeich, authentisch und äusserst witzig zu inszenieren. Das Ergebnis dieser Arbeit ist ein Schwank, in dem das Timing ziemlich perfekt stimmt. Die Einsätze sitzen, die Dialoge kommen fehlerfrei, die Spieler fühlen sich ganz offensichtlich wohl in ihren Rollen. Das Ensemble überzeugt durch ein harmonisches Spiel, bei dem viel komödiantisches Talent ausgelebt wird. Bei den vielen Irrungen und Wirrungen den Überblick nicht zu verlieren und immer ernsthaft zu bleiben, ist nicht ganz einfach. Das beinahe ununterbrochene Gelächter der Zuschauer liefert den Beweis dafür. Wer genau hinhört, bemerkt immer wieder eine gewisse Portion Ironie. So wird mehrmals SVP-Präsident Albert Rösti auf die Schippe genommen, und Fraktionssitzungen werden als Sitzungen bezeichnet, «wo man beschliesst, dass man dafür ist, dass man dagegen ist». Solche Kommentare, gepaart mit einer irrwitzigen Geschichte, sind das Erfolgsrezept dieses Theaters. Mehr als einmal gibt es dafür Szenenapplaus. «D’Theaterlüt vo Bennau» können sich also rühmen, den mitreissendsten politischen Schwank zu spielen. Für das homogene Gesamtbild haben ebenfalls die prächtige Kulisse und die durchdachten Kostüme gesorgt. Als der Vorhang fällt, verdankt das Premierenpublikum die Leistung mit einem lang anhaltenden Schlussapplaus.

Einsiedler Anzeiger / Werner Schönbächler

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

31.12.2019

Webcode

schwyzkultur.ch/wy9ceb