Der Münchner Alex Burkhardt gewann die neunte Ausgabe des «Poetry Slams» in Brunnen. Bild Nadia von Euw
Der Münchner Alex Burkhardt gewann die neunte Ausgabe des «Poetry Slams» in Brunnen. Bild Nadia von Euw

Bühne

Deutscher besiegt Schweizer Slammer

Am «Poetry Slam» trat wiederum die Crème de la Crème der Szene auf. Der spontane, lokale Poet war chancenlos.

Bereits zum neunten Mal veranstaltete Kultur Brunnen am Freitagabend einen «Poetry-Slam»-Wettbewerb. Die Kunst, das Publikum mit eigenen Texten zu überzeugen, scheint zu begeistern. Mit 130 Besuchern war der Anlass wie bereits in den vergangenen Jahren sehr gut besucht. Die ersten Ausgaben des «Slams» fanden im «El Diabolo» statt, dann musste das interessierte Publikum ins «Espas» und nun schliesslich ins Schützenhaus wechseln. «Es ist anders, aber auch schön hier», meinte Moderator Kilian Ziegler. Wie in den Jahren zuvor führte dieser mit viel Wortwitz und Schlagfertigkeit durch den Abend, obwohl er zu Beginn gestehen musste, «ich bin etwas nervös».

Jury benotete knallhart

Sichtlich nervös war auch der lokale Herausforderer: Martin Detterbeck meldete sich fünf Minuten vor Beginn an und kämpfte um die Siegestrophäe in Form eines edlen Whiskeys. Sein Mut ist zu bewundern, denn mit Renato Kaiser (2012), Hazel Brugger (2013) und Christoph Simon (2014, 2015) standen die Schweizer Meister der letzen vier Jahre auf der Startliste. Die Jury aus dem Publikum blieb knallhart und gewährte keinen Heimbonus. Auch Ivo Engelers banale Texte brachten das Publikum zwar ausreichend zum Lachen, doch den Juroren hatten die Aussagen wohl doch etwas zu wenig Fleisch am Knochen. Alex Burkhardt aus Deutschland befürchtete in der ersten Runde noch, dass er als Münchner in der Schweiz genau so unbeliebt sei wie im eigenen Land. «Aber ihr habt doch mehr Geld als wir», witzelte er. Mit den Worten über seine wenigen übrig gebliebenen Haare auf dem Kopf überzeugte er schliesslich das gesamte Publikum, welches in der Finalrunde den Sieger mittels Applauslautstärke bestimmte.

Burkhardt hat sich durchgesetzt

Der Deutsche setzte sich gegen den amtierenden Schweizer Meister Christoph Simon und Michael Frei ausThun durch. Letzterer brachte es im ersten Durchgang noch zu Bestpunkten mit Wortspielen zu Ortschaften. So zum Beispiel mit: «Wie nennt man einen Güggel, der letzte Nacht starb? – Hannover.»

Landschaft begeistert Poeten

Beim Finalisten Christoph Simon fragte sich, ob er es sich mit den Zuschauern verspielte, als er gestand, dass er die Innerschweizer eigentlich gar nicht möge und er sich auch die Anreise auf dem Vierwaldstättersee spektakulärer vorgestellt hätte. Statt den unzivilisierten Voralpen hätte er Action mit Haifischen erwartet, witzelte er im zynischen Text über seine Erlebnisse in der Zentralschweiz. Die Worte waren allerdings alles andere als ernst gemeint. Nach dem Anlass verriet Simon dem «Boten», dass ihm der verwinkelte Vierwaldstättersee sehr gut gefalle – sogar besser als der Brienzer- und Thunersee in seiner Heimat.

Bote der Urschweiz (Nadia von Euw)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

22.06.2015

Webcode

schwyzkultur.ch/RcaFjQ