Galizia: «Ich ha nie e Hund welle!» - 1

Bühne

Galizia: «Ich ha nie e Hund welle!»

Der begnadete Erzähler Philipp Galizia gastierte mit seinem Programm «Läufig – ein Hundejahr» in Brunnen und ist dabei ganz schön auf den Hund gekommen.

Auf dem Programm des Vereins Kultur Brunnen stand am vergangenen Samstagabend ein musikalisches Erzähltheater der besonderen Art. Die Enoteca Bacco wurde vom Weinkeller in eine stimmige Theaterbühne umfunktioniert.Lieblich, ironisch, tragisch und hoch amüsant, erzählte Philipp Galizia die Geschichte des Hundehalters Beni Halter. Mit dabei war auch sein Kontrabass.

«Unerzogener Schnügel»

Eigentlich wollte Beni Halter nie Hundehalter werden. Doch seine Frau Ines und seine Kollegen aus der Dixie- Band schenken ihm zum vierzigsten Geburtstag einen Hund. «Mit de Hünd isch es wie mit em Röike: Äntwäder bisch Hündeler oder bisch Nicht-Hündeler. Da isch irgendwie genetisch», hat er immer gemeint. Die Namensvorschläge für das neue Familienmitglied häufen sich, doch Beni will selbst bestimmen. «Dä schwarz Cheib heisst Satan. Vo säbem wott mer ä nüüd wüsse und glych isch er plötzli do.» Und so beginnt ein turbulentes Hundejahr, in welchem Beni Halter so einiges dazulernen muss. Als er in einem auswärtigen Kiosk ein Hundeheftli kaufen will, trifft er prompt auf den Kollegen Schwertfeger, welcher glaubt, dass es Beni auf Sexmagazine abgesehen hat. Aber auch die Futtervorlieben seines Vierbeiners sind sehr heimtückisch. Als «Satan» die Flocken nie essen möchte, mischt Beni ein Wurstringli darunter. Doch «Satan » frisst nur die Wurst. Und so kommt dem Beni die grandiose Idee, die Flocken und das Wurstringli zu mixen. «Muesch doch nid mixere», meint Ines. «Heds so lieber», erwidert Beni und meint: «Ihres Gmixte het er nie gässe.» Als Theodor von Rotz, welcher mit dem reinrassigen Deutschen Schäfer den «Porsche unter den Hunderassen» besitzt, Beni und seinen Vierbeiner vom Bauernhof kennenlernt, deklassiert er den multikulturellen «Satan» als «Rasenmäher unter den Hunderassen» und bestellt den frischgebackenen Hundehalter in die Hundeschule.

Missverständnis vorprogrammiert

In der Hundeschule lernt Beni die Physiotherapeutin Jaqueline kennen und verliebt sich auf Anhieb in sie. «Plötzlich hani z Gfühl gha, ich heg en Bandschiibevorfall.» Jaquelines Hündin «Yoyo» und «Satan » verstehen sich prächtig. Und Beni versucht mit allen Mitteln, seiner neuen Flamme zu imponieren. Eines Tages ruft Jaqueline bei ihm zu Hause an, um sich namenlos über eine Vaterschaft zu beklagen. Ines legt nach dieser Nachricht geschockt den Hörer auf und verlässt mit Hund und Koffer das Haus. Dabei handelt es sich um ein Missverständnis. Nicht Beni, sondern «Satan» wird Vater – Hundevater. Ines weg – und Jaqueline steht auf Frauen. Das Hundejahr neigt sich seinem Ende, und Beni Halter feiert seinen Geburtstag ganz alleine. Er spielt seinem treuen Hundefreund ein Lied und vermisst ihn: «Und eigentlich ha ich nie e Hund welle!»

Erleuchtung beim Joggen

Im wirklichen Leben besitzt Philipp Galizia keinen Hund. «Ich ha keine, wett keine und ha nie eine welle.» Für sein Stück hat er die nötigen Informationen auf Joggingwegen gesammelt. Im Gespräch mit Hundebesitzern kam ihm die Erleuchtung. Erst als der Affe gedacht habe, er sei ein Mensch, sagte er zum Wolf: «Komm mal her, du bist jetzt ein Hund.» Und dann sei die Leine gekommen. Und genau darum gehe es. Modemacher liessen sich von der Leine inspirieren, und seither gebe es Krawatten.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

21.09.2009

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schwyzkultur.ch/yvgYCJ