Gardi Hutter: Im Theater würde ich verkümmern.
Gardi Hutter: Im Theater würde ich verkümmern.

Bühne

Gardi Hutter: «Auf der ganzen Welt reagieren die Menschen gleich»

Sie reist um den ganzen Globus, und überall lacht das Publikum Tränen, vorgestern auch in Brunnen. Gardi Hutter hat als weiblicher Clown Weltkarriere gemacht.

Mit Gardi Hutter sprach Josias Clavadetscher

Sie kommen soeben von Köln, fahren dann nach Basel und nächste Woche nach Brasilien. Sind Sie das ganze Jahr auf der ganzen Welt unterwegs?

Ja, ich habe eigentlich zwölf Monate Saison. Zudem sind seit einem Jahr meine Kinder ausgeflogen, und da ist wie etwas aufgebrochen: Ich kann länger weg, kann weiter reisen und mehr Auftritte annehmen. Vielleicht muss ich aber wieder etwas mehr dosieren.

Sind Sie da alleine unterwegs oder mit einem ganzen Tross?

Mit einem Trössli. Es sind immer zwei Personen dabei, welche die ganze Organisation erledigen und den Bühnenaufbau machen, sodass ich mich ganz aufs Spielen konzentrieren kann.

Sie haben bereits in 22 Ländern gespielt, auf drei Kontinenten. Welche Kontinente fehlen?

Afrika und Australien fehlen. Zudem sind es unterdessen schon 24 Länder, zwei sind neu dazugekommen.

Sind die Leute in Sachen Humor auf der ganzen Welt gleich?

In Sachen clownesker Humor ist es überall erstaunlich gleich. Der Clown ist im Gegensatz zum Kabarettisten, der sehr national und sprachlich gebunden ist, eine eher archaische Figur, eine Schicht weiter unten. Wenn ich denke, dass uns Menschen nur 1,2 Prozent vom Schimpansen unterscheiden, dann ist der Unterschied, auf dieser Ebene, zwischen den verschiedenen Menschenrassen eben 0,0.

Gibt es nicht doch Verschiedenheiten, etwa zum britischen Humor?

Die Briten haben einfach etwas mehr Freude am schwarzen Humor oder am Understatement. Aber ich staune immer wieder, ob ich nun in Moskau bin oder in Buenos Aires, in Brunnen oder in Schwyz, dass es so ähnlich ist. Ich würde sehr gerne einmal Vorstellungen auf Ton aufnehmen und dann beim Abspielen raten lassen, wo ich bin. Eigentlich freut es mich, dass meine Stücke scheinbar so klar und einfach sind, dass sie überall funktionieren, egal ob in China oder in der Schweiz.

Gibt es vom Alter her Unterschiede?

In Brasilien sind es im Schnitt alles 20-Jährige, jeweils etwa 7000 Leute. Wenn ich dann zurückkomme, ist es für mich wie ein kleiner Schock, dann habe ich im Schnitt 40- oder 50-Jährige im Publikum. Aber es kommt auch sehr auf den Ort an. In der Schweiz ist es so, dass 20-Jährige nicht ins Theater gehen; die gehen zur Musik.

Gab es in Ihrer Familie eine komische Begabung?

Nein, ich stamme aus einer einfachen Bauernfamilie.Aber von einem Onkel erzählt man sich, dass der den ganzen «Sonnen»-Saal unterhalten konnte.

Sie haben eine klassische Theaterausbildung hinter sich und sogar Aristophanes gespielt. Wie wird man da plötzlich Clownerin?

Ich habe die Schauspielakademie in Zürich absolviert, im Fach Schauspiel und Theaderpädagogik. Dann habe ich ein Jahr lang auf diesem Beruf gearbeitet und dabei festgestellt, dass es das, was ich spielen möchte, gar nicht gibt. Für junge Frauen gibt es gar keine komischen Rollen, weder im klassischen noch im modernen Theater. Auch die «Tölpelin» gibt es so nicht. Um eine gute Komikerin zu werden, musste ich aber wachsen und mich aufbauen können. Dazu wiederum musste ich arbeiten und spielen können. Was wiederum nicht theoretisch geht, sondern praktisch gezeigt werden muss. Also blieb nur der Alleingang. Alle grossen Komiker, die es gibt, sind langsam gewachsen.

Das war der Abschied von der klassischen Bühne?

Wenn ich zum Theater gehen würde, dann würde ich verkümmern. Ich habe schon während der Schauspielschule festgestellt, dass ich ein komisches Talent habe. Daraus habe ich den Schluss gezogen, dass ich das, was ich spielen will, selber schreiben muss, weil es das bis dahin nicht gab.

Sie haben eigentlich eine Marktlücke entdeckt: die einzige Clownin der Welt?

Ja, eigentlich schon.Wobei die Zeit gesellschaftlich, nach der dritten Welle der Emanzipation, dazu reif gewesen ist. In jenem Moment hat es offensichtlich gutgetan, wenn nicht mehr alles so ernst genommen wurde und auch die Frauen sich über sich selber lustig machen konnten. Das wirkte befreiend.

Sie haben immer eine in gewissem Sinne entstellte Frau gespielt?

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

07.11.2009

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schwyzkultur.ch/4eXe43