Liebesschmerz: Die Affäre zwischen den Figuren Maria und Pete nimmt wie in der mittelalterlichen Mär ein tödliches Ende. (Bild: Patrick Kenel)
Liebesschmerz: Die Affäre zwischen den Figuren Maria und Pete nimmt wie in der mittelalterlichen Mär ein tödliches Ende. (Bild: Patrick Kenel)

Bühne

Minnesang trifft auf Reality-TV

Zwei Männer und zwei Frauen füllen im Theater «Deliver My Heart!» einen Kubus mit Leben. Das Stück handelt vom Finden und Verlieren einer wahren Liebe in einem künstlichen Alltag.

Nach vier Aufführungen im Luzerner Lokal «Südpol» wurde das Stück am Freitagabend erstmals in der Halle 37 der ehemaligen Zementfabrik gespielt und fand auch hier ein interessiertes Publikum, welches in die Inszenierung in seiner Mitte einbezogen wurde. So störte es die Zuschauer weniger, dass der unheizbare Raum abends recht kalt ist und zudem auch unmittelbar an der Bahnlinie liegt.

Kälter als im «Südpol»

Die Schauspieler bekamen die tiefe Raumtemperatur noch stärker zu spüren. Die barfuss und ärmellos spielende Ariane Pochon (in der Rolle der Maria) sowie ihre Kollegen gingen im Kubus und in den umgebenden Kulissen, wo Live-Videosequenzen entstanden, trotz der erschwerten Bedingungen ganz in ihren Rollen auf. «Hier ist es kalt, im ‹Südpol› war es dagegen fast zu heiss», erklärte die Brunner Autorin Martina Clavadetscher.

Kein klassisches Bühnenspiel

In ihrem Stück schwankt die Gefühlslage ebenfalls zwischen heisser Romanze und kühler Lieblosigkeit. Für das gegenwärtige Innerschweizer Kulturprojekt «sagenhaft» liess sich Martina Clavadetscher von Konrad von Würzburgs mittelalterlicher Erzählung «Herzmäre» aus der Zeit des Minnesangs zu einer postmodernen Handlung inspirieren. Sie beschreibt das Stück «Deliver My Heart!» als archaischen und aktuellen Beziehungsthriller, der verschiedene Themen anspricht und visualisiert. Als Regisseurin stand ihr wie in drei früheren Produktionen Sophie Stierle zur Seite. Zusammen haben sie ein Konzept umgesetzt, welches das klassische Bühnenschauspiel verändert, indem live gedrehte Videos ständig präsent sind.

Liebe, Eifersucht und Rache

«Das ist echt», so beginnt der in eine Kamera sprechende Techniker Pete (Florian Steiner) einen verliebten Monolog und wendet sich live an das im Kubus versammelte Publikum. In der folgenden linearen Handlung begegnet er der Schauspielerin Maria, die von ihrem Ehemann Leonard (Patric Gehrig) ständig mit einem Videosystem, wie aus «Big Brother» bekannt, überwacht wird. Kamerafrau Milena (Anna-Katharina Müller) weicht kaum von ihrer Seite. Auch die Begegnung mit dem leidenschaftlich in Maria verliebten Pete wird mit der Kamera festgehalten. Die beiden sind unordentlich und etwas verrückt, während sich die Schauspielerin ihrem Mann, dem Kontrollfreak, nur widerwillig beugt.

Gibt es ein Happy End?

Aus einem zuvor aufgezeichneten Video wird Leonard auf die Romanze seiner Frau aufmerksam. Er versucht, Maria auf andere Gedanken zu bringen und will mit ihr das Filmset verlassen. Pete erfährt, dass er für immer verlassen wird. Gibt es dennoch ein Happy End für diese unverfälschte Liebe? Wie in der mittelalterlichen Vorlage spitzt sich die Lage gegen Ende zu: Der leidende Pete bringt sich um. Milena übergibt Leonard Petes Herz: «Es liegt tot vor mir, doch sein Gefühl geht nicht weg», spürt er in diesem Moment. Rachedurstig bereitet er dem Spiel nach 90 pausenlosen Minuten ein grausames Ende.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

06.05.2013

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