Die grosse Ofenhalle: Hier wird im Sommer Theater gespielt. Bild Josias Clavadetscher
Die grosse Ofenhalle: Hier wird im Sommer Theater gespielt. Bild Josias Clavadetscher
Wie eine Kathedrale: die grosse Ofenhalle der ehemaligen Zementfabrik.
Wie eine Kathedrale: die grosse Ofenhalle der ehemaligen Zementfabrik.

Bühne

Urknall wird in Fabrik gespielt

Dort wo einst der Drehofen der Zementfabrik grollte, dort wird im nächsten Sommer das groteske Drama «Big Bang!» gespielt. Ein multimediales, grandioses Spektakel. Es sieht ganz nach dem ungewöhnlichsten Theaterereignis des Jahres aus.

Wo vor Jahren noch die Werkbahn fuhr, der heisse Drehofen ächzte, Zementstaub alles grau einhüllte, da liegt jetzt alles still. Die Industriebrache der ehemaligen Holcim-Zementfabrik wartet auf ihre künftige Nutzung als Wohn- und Arbeitsort «Nova Brunnen». Bis es so weit ist, sind Zwischennutzungen möglich. Das hat sich die Zentralschweizer Regisseurin Annette Windlin nicht zweimal sagen lassen und ein absolut aussergewöhnliches Projekt angerissen.

Eine «Kathedrale» fürs Theater

In der grossen Ofenhalle wird im nächsten Sommer Theater gespielt. Windlin spricht von einer «Kathedrale», einem monumentalen Raum, der rund 100 Meter lang, 15 Meter breit und 25 Meter hoch ist. Zudem lassen die verschiedenen Zwischenböden, Treppen, Durchgänge, Schächte, Ein- und Ausgänge ein Mass an Bewegung und Auftritten, an Spektakel und Überraschung zu, das es in dieser Form vermutlich noch nie gegeben hat. «Dass man einen solchen Raum bespielen darf, das ist absolut einmalig », strahlte Windlin, «es ist ein Glücksfall für eine Regisseurin.» Sie musste auch nicht lange nach einem Team suchen, denn alle liessen sich von dieser Einmaligkeit begeistern. Zugleich aber bedeute dies auch eine riesige Herausforderung. Sowohl was die Regie, das Schauspiel wie letztlich die Finanzen angeht. Regisseurin und Produzentin Annette Windlin ist sich bewusst, dass «hier nicht mehr normales Theater gespielt werden kann». Es werde eine Inszenierung für alle Sinne, mit fliegenden Menschen, mit Vertikaltanz, mit Effekten und Überraschung, mit Menschen-Kokons, die von der Decke baumeln, mit Gesang, Livemusik und mit monumentalen Videos.

Ein Pakt mit dem Teufel

Gezeigt wird das Theaterspektakel «Big Bang!». Die Grundidee lieferte das Theaterstück «Liebeskonzil» von Oskar Panizza (1853–1921). Es handelt davon, dass ein lebenssatter und verzweifelter Gottvater den Teufel zu Hilfe holt, um die Menschen für ihre Lasterhaftigkeit zu bestrafen. Der Teufel geht den Pakt noch so gerne ein, unter der Bedingung, dass er ein prächtiges Portal für seine heruntergekommene Hölle erhält und seine Ideen auf derWelt verbreiten darf. Panizzas Stück war jahrzehntelang verboten und wurde erst 1969 in Paris uraufgeführt. Das Erschreckende daran dürfte sein, dass der Bezug zur heutigen Realität so deutlich wie noch nie erkennbar geworden ist. Auch von Harry Mulisch und seinem Roman «Die Entdeckung des Himmels» hat sich das Produzentinnen-Duo inspirieren lassen. «Big Bang!» aber wird von Autorin Gisela Widmer völlig neu geschrieben, eine dramatische Fassung für grosse Bilder. Und wenn man Widmer kennt, steckt in diesem Augen-, Ohren- und Textschmaus zu gleichen Teilen auch Witz undTiefgang. Es zeichnet sich eine Tragikomödie von dürrenmattschem Ausmass ab, wenn da die Menschen im Spiel gleich selber versuchen, die Schöpfung in die Hand zu nehmen, und sogar den Urknall – Big Bang – simulieren wollen.

Proben haben bereits begonnen

Die rund 40 Amateur-Schauspieler aus der ganzen Zentralschweiz haben die ersten Proben und ein Intensiv-Weekend bereits hinter sich. Die Hauptrollen sind alle besetzt. Im März wird die Probenarbeit weitergeführt, bis Ende Mai werden die Halle und die Infrastruktur technisch vorbereitet. Gebaut werden auch ein Foyer mit Theaterbar und eine Tribüne, eine eigentliche Bühne wird nicht erstellt. Die ganze Halle soll bespielt werden. Ab Juni wird die Probenarbeit dann intensiviert. Premiere ist am 23. August, geplant sind bis Mitte Oktober insgesamt 22 Aufführungen. Wie es aussieht, wird «Big Bang!» zum aussergewöhnlichsten Theaterereignis dieses Sommers. Allein der Spielort und dessen Ambiance sind völlig ungewöhnlich, ebenso wie das Thema ein groteskes Drama zwischen Himmel, Hölle und Erde liefern wird.

PRODUKTIONSTEAM

Idee/Konzept
Annette Windlin
Gisela Widmer

Autorin
Gisela Widmer

Regie
Annette Windlin

Choreografie
Claudine Ulrich

Musik
Christian Wallner
Hansjörg Römer

Bühne/Kostüme
Ruth Mächler

Video
Valentina-M. Mächler

Lichtdesign
Beat Auer

Grafik
Ur

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

19.02.2013

Webcode

schwyzkultur.ch/VsrXb5