Spukt gerne viele Buchstaben aus: Gabriel Vetter (1983) wird daraus in Brunnen Worte und schliesslich Sätze formen.
Spukt gerne viele Buchstaben aus: Gabriel Vetter (1983) wird daraus in Brunnen Worte und schliesslich Sätze formen.

Bühne

«Wenn genügend Tee und Gebäck da ist, lasse ich die Worte herein»

Der junge Schriftsteller, Kabarettist und «Salzburger Stier»-Gewinner Gabriel Vetter tritt diesen Freitag im alten Kinosaal in Brunnen auf. Er kämpft mit seinen Worten gegen andere Poetry-Slammer an.

Mit Gabriel Vetter sprach Nicole Stössel

Was bedeuten dir Worte?

«Es sind meine besten Freunde und meine ärgsten Feinde. Wir sind eine dysfunktionale, ergo intakte Familie sozusagen.»

Wie kamst du zum Poetry-Slam?

«Mit dem Zug.»

Wie gehst du an deine Texte heran?

«Es ist eher umgekehrt: Sie treten an mich heran. Klopfen höflich an, und wenn ich Lust habe und gerade Gebäck und Tee da ist, lasse ich sie herein.»

Der Text lebt beim Vortragen an einem Poetry-Slam zu einem grossen Teil auch vom Vortragsstil ab (Mimik, Gestik, Theatralik, Wortlaut). Übst du das zu Hause? Wie?

«Ich übe eigentlich nicht. Lediglich beim Schreiben selber, da kann es passieren, dass ich mir dieTexte selber vortrage.»

Gibst du deine Texte vor dem ersten Vortrag jemandem zum Lesen? Hast Du einen bestimmten Kritiker?

«Ich lese sie mir selber vor oder auch nicht und lasse mich vomText überraschen, wenn ich ihn auf der Bühne zum ersten Mal höre.»

Welche Themen sind dir am liebsten?

«Mir ist kein Thema zu gross und kein Thema zu banal. Grosses mit Kleinem angehen, dies wäre der Idealfall.»

Was liebst du am Poetry-Slam?

«Den Applaus natürlich. Das Reisen. Und vor allem: Die Kolleginnen und Kollegen.»

Ich nehme an, dass man vom Siegerpreis eines Poetry-Slams, einer Flasche Whisky, nicht unbedingt (oder nur bedingt) leben kann. Wovon lebst du?

«Ich schreibe und lese vor. Davon – und vor allem damit – kann ich gut leben.»

Wie oft trägst du deine Texte an Poetry- Slams vor?

«Oft. Ich mag diese Abende gerne.»

Was war das schönste Erlebnis an einem Poetry-Slam?

«Eine Dame, also eine Zuschauerin in Leipzig, musste kürzlich so hysterisch lachen, dass ich ernsthaft dachte: Oje, jetzt habe ich dann gleich einen Menschen getötet. Sie lebt aber noch, soweit ich weiss.»

Hast du ein Lieblingswort?

«Nein.»

Welche Worte hast du bereits beim Texten erfunden?

«Keines. Es gibt bereits sehr viele sehr gute Worte. Das Geheimnis ist die Kombinatorik.»

Du bist diesen Freitag bereits zum dritten Mal an einem Poetry-Slam in Brunnen zu Gast. Wie ist es für dich, in Brunnen aufzutreten?

«Nun, ich stehe dann da auf der Bühne, und rundherum stehen Brunnerinnen und Brunner, und da denke ich bei mir: Aha, jetzt sind wir also mal wieder in Brunnen, und so ist es ja dann auch.»

Merkt man regionale oder kantonale Unterschiede beim Publikum? Anderer Humor?

«Ja. Ostschweizer haben einen sehr bayerischen Humor. Innerschweizer zum Teil auch. Etwas derber, weil wahrscheinlich halt katholischer.»

Bei Poetry-Slams in der Schweiz sind mehr oder weniger immer dieselben Slammer anzutreffen. In Brunnen können sich auch Aussenstehende zum Vortragen eines Textes melden. Was rätst du einem Neuling?

«Das stimmt so nicht. Bei einem Slam darf im Normalfall jeder und jede auftreten. Es gibt keine Aussenstehenden. Ich rate jedem, es auf der Bühne mal zu versuchen. Und wenn man ausgebuht und mit alkoholfreien Getränken beworfen wird, nun ja, umso besser! Das ist alles eine Erfahrung, die man mal machen sollte. Frei nach Wedekind: Wie, Sie waren in Ägypten und haben die Pyramiden nicht gesehen? Also: Sie waren an einem Slam und haben nicht mitgemacht? Schade!»

Was dürfen wir von dir in Brunnen erwarten?

«Das weiss ich selber noch nicht.»

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

19.05.2010

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www.schwyzkultur.ch/rvjT9q