Nach 80 Jahren wieder in Betrieb: Alvaro Schoeck vor dem instand gestellten Brunnen hoch über Brunnen. Bild pd
Nach 80 Jahren wieder in Betrieb: Alvaro Schoeck vor dem instand gestellten Brunnen hoch über Brunnen. Bild pd

Dies & Das

«Das Projekt ist ein grosser Versuch»

Das Schoeck-Festival sei nicht nur eine Hommage an seine Vorfahren, sagt Alvaro Schoeck. Im Mittelpunkt stehe auch die Villa und was aus ihr werden könnte.

Mit Alvaro Schoeck sprach Jürg Auf der Maur

Ein grosses Festival in Brunnen für einen Vorfahren von Ihnen. Wie kommt es dazu?

Ausgangspunkt ist das Haus hoch über Brunnen, das meine Geschwister und ich 2007 erbten. Es hat vor allem dank der Bekanntheit von Grossonkel Othmar Schoeck überregionale Bedeutung. Mit dem Festival wollen wir abchecken, was mit dem Haus in Zukunft alles entstehen könnte. Dazu kommt, dass gleichzeitig sein 130. Geburtstag gefeiert werden soll.

Das heisst?

Die Villa ist ganz speziell gebaut und würde nach heutigen Kriterien nie und nimmer so entstehen. Mein Urgrossvater, Alfred Schoeck, der dieses Jahr 175 würde, baute das Haus. Er wollte als Landschaftsmaler eigentlich ein Atelier bauen. In der Schule lernte er, dass das Fenster eines Ateliers nach Norden gerichtet sein muss. Der See aber liegt im Südwesten. Am Schluss entstand die leicht groteske Variante, dass ein Haus mit der Fassade nach Südwesten gebaut und dazu in einem 45-Grad-Winkel ein riesiger Saal mit Glasfront errichtet wurde.

Beim Festival wird dann aber vor allem die Musik von Othmar Schoeck im Zentrum stehen.

Genau.Othmar war oft hier und hat grössere Teile seiner Opern komponiert. Er ging in der Region auch viel wandern, und Brunnen als Ort bedeutete ihm sehr viel.

Hatte das auch einen Einfluss auf sein Werk?

Ja, das denke ich. Brunnen und die Region schlagen sich in seiner Musik nieder. Wer die Musik hört und sich Brunnen vorstellt, spürt die Parallelen. Das erzeugt ganz interessante Spannungen.

Und für Sie als Nachkomme. Sind die berühmten Vorfahren mehr Belastung oder mehr Ansporn und Freude? Sie sind selber Opern-Regisseur.

Wie alles hat auch das zwei Seiten. Es sind ja keine superbekannte Prominente, auch wenn der Name Othmar Schoeck in der Musikszene etwas gilt. Es ist eher eine verdeckte Prominenz. Persönlich habe ich mich selbstverständlich stark damit auseinandergesetzt.

Und wie lautet das Ergebnis?

Es ist ähnlich wie mit dem Haus. Es gibt so etwas wie eine positive Selbstverständlichkeit. Meine Geschwister und ich lebten damit, dass es so war. Ich musste 40 werden, um diese Auseinandersetzung zu führen, behaupte aber, dass ich jetzt an dem Punkt bin, mich dem allem zu stellen.

Widerspiegelt sich das musikalische Erbe in der Familie in Ihrer Tätigkeit als Opern-Regisseur?Oder anders gefragt: Weshalb wurden Sie nicht auch Komponist? War das ein bewusster Entscheid?

Es war umgekehrt. Als ich mit fünf zusammen mit meiner Grossmutter zum ersten Mal ins Theater ging, war mir klar: Ich will Schauspieler werden. Ich habe aber schon früh mit meinen Geschwistern Theater aufgeführt und dabei Regie geführt. Ich denke, ich habe mich genau wegen der Verwandtschaft lange schwer getan mit dem Opernfach. Ich sagte mir wohl, das ist in meiner Familie besetzt. Ich persönlich werde aber wenig auf die Verwandtschaft angesprochen, was auch mit der Vergangenheit von Othmar Schoeck zu tun haben könnte.

Seiner oft zitierten Nähe zum nationalsozialistischen Reich? Es gibt da ja auch dunkle Seiten?

Ja,die gibt es, und ich finde, dass diese Flecken dringend aufgearbeitet werden müssten, gerade wegen seines guten musikalischen Werks. Für mich als Familienmitglied ist es schwierig, mich dazu zu äussern. Egal was ich sage, man wird es als Perspektive eines Familienangehörigen betrachten.

Es gibt aber klare Fakten.

Es wird ihm angekreidet, dass seine letzte Oper, «Das Schloss Dürande», 1943 in Berlin uraufgeführt wurde. Das war schon spät im Krieg. Das Libretto, das nicht Othmar Schoeck geschrieben hat, ist klar nationalsozialistisch geprägt.

Also?

Das Festival bietet die einmalige Möglichkeit, an einem dreitägigen Symposium mit herausragenden Historikern, Musikwissenschaftlern und Komponisten solche Fragen offen zu diskutieren. Es wurde im Rahmen einer Nationalfondsstudie angeregt, ein neues Libretto für diese Oper zu schreiben. Ich bin stolz und glücklich, dass wir dieses Symposium in Brunnen haben. Es wird auch über andere Komponisten

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

06.08.2016

Webcode

schwyzkultur.ch/3J5iga