Das «Gnadenreiche Christuskind» von Brunnen: Spätes 18. Jahrhundert. Die Bittbriefe im Glaskasten stammen aus der Zeit um 1920. Ettiswil, Schenkung Zihlmann.
Das «Gnadenreiche Christuskind» von Brunnen: Spätes 18. Jahrhundert. Die Bittbriefe im Glaskasten stammen aus der Zeit um 1920. Ettiswil, Schenkung Zihlmann.

Dies & Das

Gnadenreiches Brunner Christuskind

Noch bis um 1950 soll in Brunnen ein Christuskind nach dem römischen Vorbild des «Santo Bambino» verehrt worden sein. Bittbriefe aus der Zeit um 1920 belegen die Existenz des Gnadenbildes, das heute im Museum des Schlosses Wyher in Ettiswil Teil der «Schenkung Josef Zihlmann» ist.

Das «Gnadenreiche Christuskind von Brunnen» muss zwischen Ende des 19. Jahrhunderts bis etwa um 1950 vor Ort verehrt und um Hilfe angerufen worden sein. In der Erinnerung der älteren Generation und vor allem in der breiten Öffentlichkeit ist das Gnadenbild jedoch heute kaum mehr bekannt. Zudem fehlen die historischen Fakten, wie und wo die Figur aufgestellt war, später veräussert wurde und schliesslich im Luzerner Hinterland in Privatbesitz kam. Dies ist an sich nichts Aussergewöhnliches, fanden doch schon vor über hundert Jahren auch andere kleinere und grössere Schwyzer Kulturgüter den Weg in ausserkantonale Museen, so etwa die Orgel der Familie Ab Yberg, der Palmesel und das Hungertuch aus Steinen oder die Täferstube aus dem Acherhof Schwyz. Auch das Christuskind von Brunnen kam schliesslich als Teil der «Schenkung Dr. Josef Zihlmann» in den Besitz des Historischen Museums Luzern.

Christkind im Glaskasten

Zur Figur des Brunner Christuskindes einige Details: Es liegt auf zwei violetten Stoffkissen in einem Glaskasten mit schwarzem Rahmen, ist aus Wachs gefertigt und in ein weisses, mit Spitzen besetztes Hemd gekleidet. Aus den blonden, lockigen Haaren ragen drei Strahlenbündel mit sogenanntem Strassbesatz (Edelsteinminiaturen aus Glas) heraus. Während die linke Hand auf der Brust liegt, hält es die rechte mit drei ausgestreckten (Schwur-)Fingern in die Höhe. Der Schwyzer Denkmalpfleger Markus Bamert ortet die Herkunft des blonden Christuskindes im süddeutschen Raum, da in der Regel schwarze Haare auf italienischen oder spanischen Ursprung hindeuten.

Ersatz für das «Santo Bambino»

Der Volkskundler Kurt Lussi, der das «Gnadenreiche Christuskind» aus Brunnen im Rahmen der erwähnten Zihlmann-Schenkung betreut und darüber auch publiziert hat, datiert die Figur ins späte 18. Jahrhundert. Er vermutet, dass das Jesuskind für die Italiener in der Zentralschweiz ein Ersatz für das berühmte wundertätige «Santo Bambino» in der Franziskanerkirche «S. Maria di Aracoeli» von Rom gewesen sein könnte. So ist immerhin anzunehmen, dass beim Bau des Gotthardtunnels (1872–1882) und gleichzeitig im Zusammenhang mit dem Geleisebau für die künftige Gotthardbahn in der Region Schwyz viele Italiener arbeiteten und wohnten. Denn 1897 wurden die Zufahrten Zug–Goldau und Luzern–Immensee eröffnet.

Bittbriefe nach Brunnen

Dass das Brunner Christuskind jedoch nur Ersatz des «Santo Bambino» sein konnte, zeigt sich vor allem darin, dass die Figur nach dem Vorbild von Rom nicht liegen, sondern stehen müsste. Unterschiede sind aber auch in der Erscheinung des Gandenbildes auszumachen: «Santo Bambino» trägt im Vergleich zum Brunner Jesuskind eine grosse Krone, die Arme sind eng umwickelt, die rechte Hand liegt sichtbar auf der Brust, und die linke Hand trägt ein Sonnensymbol. Nur etwas stimmt überein: Wie dem wundertätigen «Santo Bambino» wurden auch dem Brunner Christuskind zahlreiche Bittbriefe geschrieben. Einige aus der Zeit um 1920 sind noch vorhanden. Da bittet beispielsweise eine Italienerin das «Caro Gesù Bambino» in einem handgeschriebenen Briefchen, es möge ihr doch gütigst helfen: Sie habe Schmerzen in den Händen, könne nicht mehr arbeiten und nur mit Mühe gehen.

Schwierige Spurensuche …

Wie das kleine Christuskind nach Brunnen und von dort über Privatbesitz ins Museum kam, ist nicht bekannt. Nur einige Bittbriefe, die im Glaskasten gefunden wurden, lassen den Schluss zu, dass es um 1920 noch in Brunnen war. Dagegen wird es 1923 in einem «Inventar der Kapelle in Brunnen» nicht aufgeführt, sondern es ist nur eine «historische Krippendarstellung» mit 35 Figuren erwähnt. Denkmalpfleger Markus Bamert vermutet jedoch, dass die Figur als Gnadenbild mitten in Brunnen in der Dorfkapelle zur Verehrung aufgestellt und möglicherweise um 1950 im Zuge der Renovation der Kapelle veräussert wurde. Gewiss ist für Kurt Lussi nur, dass es Brunnen dereinst verlassen hat und über eine Auktion in die Sammlung von Josef Zihlmann (Seppi a de Wiggere) kam, jedoch l

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

24.12.2009

Webcode

schwyzkultur.ch/yE9QKD