Dies & Das

Knie gastiert seit 1922 in Brunnen

Seit gestern weht wieder Zirkusluft durch Brunnen, es herrscht «Knie»-Atmosphäre. Erstmals traten die Knies 1922 in Brunnen auf. Seither gehört dieses Gastspiel fest zum Jahresprogramm.

Wenn Nebelschwaden am Urmiberg hängen und am See nur noch wenige Touristen zu sehen sind, dann sorgt der Schweizer National-Zirkus Knie jedes Jahr wieder für Betriebsamkeit und Attraktion. Mitten im Dorf Brunnen wird der grosse Viermaster errichtet, rundum die Zeltstadt, die Gehege, Lichter blinken und der Geruch von Tieren und ein Hauch Exotik zieht um die Häuser. Heute und morgen ist der «Circus Knie» wieder in Brunnen zu Gast, neben Luzern und Zug der einzige Spielort in der Zentralschweiz.

Schon damals 3000er-Zelt

Seit wann aber besteht diese Liaison Brunnen und Knie? 1919 mit dem Zusammengehen der vier Gebrüder Friedrich, Karl, Rudolf und Eugen gegründet – bereits die vierte Generation in der Knie-Tradition –, machte dieses Zirkus-Unternehmen dann 1922 erstmals in Brunnen Halt. Zum Schluss der Tournee aus dem Tessin kommend, traf der Zirkus-Extrazug am Dienstagabend, 25. April, mit 40 Artisten «aller Länder», ihren Wohnwagen und rund 50 Tieren in Brunnen ein. Brunnen wurde offensichtlich auch gewählt, weil die Tournee logistisch auf einen guten Bahnanschluss und Spielplätze in der Nähe von Ver- und Entladerampen angewiesen war. Das Zelt wies bereits die erstaunliche Zahl von fast 3000 Sitzplätzen auf, sogar mit Logen, Sperrsitzen und einer Galerie. Im «Boten der Urschweiz» von Ende April war ein Korrespondent des Lobes voll über dieses Gastspiel und betonte, dass es sich «wohlverstanden nicht um einen Zirkus im landläufigen Sinne mit nur Pferdedressuren und Augusten» handle, sondern um eine Variete-Bühne im ersten Programmteil und um eine Zirkus-Manege im zweiten Teil. Knie wird bereits als «National-Zirkus» gefeiert.

Vorstellung auf dem Schulhausplatz

Dieses erste Gastspiel in Brunnen fand auf dem Schulhausplatz statt, dem damals einzigen einigermassen befestigten Platz dieser Grösse in Ingenbohl- Brunnen. Der Zelt-Aufbau dauerte eineinhalb Tage. Angekündigt wurden acht Vorstellungen, dabei sogar mit wechselndem Programm. Und besonders vermerkt worden ist, dass nach der Abendvorstellung «Extra- Tramverbindungen» nach Schwyz sichergestellt seien. Der Erfolg war gegeben, der Zirkus Knie hat schliesslich «auf vielseitigen Wunsch der Zirkusbesucher» sogar eine Zusatzvorstellung angesetzt. Die Gebrüder Knie haben darauf über den «Boten» den «tit. Behörden des Kantons Schwyz und der Gemeinde Ingenbohl» für die erteilten Bewilligungen «den verbindlichsten Dank» ausgesprochen. Das Gastspiel wurde generell gelobt, das Gebotene habe die Erwartungen weit übertroffen. Das Programm von damals – das TV-Zeitalter war noch weit entfernt – ist freilich nicht mit dem heutigen Zirkus-Verständnis zu vergleichen. Gezeigt wurden Kunstradfahrer, dressierte Hunde oder das «Fräulein Schartner & Partner in einem Fantasie-Walzer aus den Rheinsagen», was immer das heissen mochte. Im zweitenTeil waren zwei englische Vollblut-Pferde zu sehen, sechs preisgekrönte Poney-Hengste, die drei Cavallinis als Spassmacher und vermutlich als Höhepunkt an Exotik «Herr Franz Radotzky mit seinem fünf Wunder-Bären». Auch der als exotisch angekündigte Tierpark «hinter dem Zirkus» verstand darunter etwas anderes als heute: Zu sehen waren afrikanische Zwergesel, Meerkatzen, ein Elefant, ein Kamel und ein Lama.

Fussballfeld umgeackert

Neben dem Schulhausplatz in Ingenbohl und dem Areal des heutigen Gemeindeparkplatzes spielte der Zirkus Knie vereinzelt auch an anderen Standorten. So wurde das Chapiteau in den 60er-Jahren für das Gastspiel auf der Brunner Allmeind, auf dem damaligen Fussballplatz (heute Alterswohnheim Brunnen), errichtet. Wie sich Zirkus-Kenner und Ex-Fussballer Res Kyd erinnert, war das Gastspiel aber von derart heftigem Regen begleitet, dass das Fussballfeld wegen den Zirkus-Spuren ein halbes Jahr lang nicht mehr bespielbar gewesen ist. Ein weiteres Gastspiel fand im Föhneneich statt, auf der grossen Wiese der Genossame Ingenbohl. Sonst aber war immer der Standort an der Bahnhofstrasse gegeben. Zuerst das Wiesland von Nauers Gaden, später der a

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

12.11.2009

Webcode

schwyzkultur.ch/PikcjE