Zeuge einer ganzen Epoche: Die alte Sust soll restauriert werden.
Zeuge einer ganzen Epoche: Die alte Sust soll restauriert werden.

Dies & Das

Neues Leben für die alte Sust

Die Gemeinde Ingenbohl legt den Teilzonenplan «alte Sust» auf und zeichnet damit den Weg vor, wie das um 1470 erstellte markante Steinhaus restauriert werden kann. Möglicherweise kommt es dazu schon im Februar zu einer Urnenabstimmung.

Der uralte Steinbau mit den markanten Fensternischen am Fusse des Urmibergs wird seit 1960 nicht mehr als Wohnhaus genutzt. Seither ist das unter Denkmalschutz stehende Gebäude verlottert, die Böden und das Dach sind eingestürzt, die Pflanzen eroberten sich das Gelände zurück. Letztes Jahr kam Bewegung in die Angelegenheit. Ein Initiativkomitee unter der Führung des Luzerner Anwalts Jost Schumacher nahm Gespräche mit der Gemeinde, der kantonalen Denkmalpflege und der Regierung auf. Im Dezember 2008 wurde das eingebrochene Dach entfernt, anschliessend wurden die Gemäuer gesichert, damit die vorhandene Bausubstanz konserviert werden kann.

Öffentlich zugänglicher Saal

In der Zwischenzeit sind weitere Verhandlungen und Eingaben zum Erhalt dieses historischen Zeugen erfolgt. Das Resultat liegt ab heute zur Einsicht auf der Gemeindekanzlei in Brunnen öffentlich auf, wie dem neuesten Amtsblatt entnommen werden kann. Der Teilzonenplan «alte Sust» sieht vor, dass die 786 m2, welche zur Sust gehören, mit einer Sonderschutzzone belegt werden. Damit will man sicherstellen, dass das historische Gebäude und die Gartenanlage entsprechend den denkmalpflegerischen Vorgaben restauriert und in ein würdiges Umgelände eingebettet werden. Zudem wird sich die Gemeinde mit 50 000 Franken an der Sanierung der Sust beteiligen. Sie erhält im Gegenzug das Recht, jährlich maximal 20 Anlässe in einem speziell einzurichtenden und öffentlich zugänglichen «Gartensaal» durchzuführen. Dazu wird ein Dienstbarkeitsvertrag abgeschlossen.

Besitzer kann arrondieren

Gleichzeitig werden 1206 m2 Land in der Halten (in unmittelbarer Umgebung der Sust) von der Landwirtschaftszone in eine W2-Zone umgewandelt. Dies ermöglicht es dem Eigentümer, seine bereits vorhandene Bauzonenfläche zu arrondieren. Er will darauf zwei Mehrfamilienhäuser – insgesamt zehn Wohnungen – erstellen. Die bestehenden Bauten werden abgerissen (die Sust natürlich nicht). Maurus Betschart, Noch-Besitzer der alten Sust, wollte ursprünglich die gesamte Liegenschaft Halten einzonen (rund 30 000 m2). Diesem Antrag konnte der Gemeinderat nicht zustimmen, weil man nun prioritär die Industriezone Brunnen-Nord entwickeln wolle. «Durch die Stilllegung der Lagerhäuser der SBB und des Zementwerkes der Holcim wird ein grosses Areal für eine Wohnnutzung frei», heisst es in der Begründung.

Gemeinderat stellt Bedingungen

Der Ball für die Sanierung der alten Sust ist nun einen Steilpass weiter. Allerdings stellt der Gemeinderat Bedingungen, bevor er den Teilzonenplan zur Urnenabstimmung bringen wird. Die vorgesehene «Stiftung alte Sust» muss gegründet sein, die Stiftung muss die Liegenschaft mit Umgelände erworben haben oder ein Baurecht begründen, und schliesslich muss ein Sanierungsbeschluss des Stiftungsrates mit Finanzierungsnachweis vorliegen (siehe Kasten).

Gebäude aus dem Jahr 1470

1995 durchgeführte archäologische und dendrochonologische Untersuchungen weisen auf 1470 als Baujahr der alten Sust hin. Die Aussenmauern des ursprünglichen Gebäudes haben sich erhalten. Die Sust in Brunnen ist ein Baudenkmal von hoher baukünstlerischer und wirtschaftsgeschichtlicher wie auch verkehrstopografischer Bedeutung. Sie ist ein wichtiger Zeuge eines Wirtschaftszweiges – der Schiffer, Säumer, Fuhrleute, Gastwirte und Handelsherren. Sie spielte in der Zentralschweiz und entlang der Gotthardroute seit dem Spätmittelalter eine bedeutende Rolle. Die Brunner Sust ist einer der letzten Zeitzeugen dieser Epoche.

Die Initianten sind bereit

«Wir haben nur auf das Signal aus dem Gemeinderat gewartet», sagt Regierungsrat Peter Reuteler, der dem Initiativkomitee zur Rettung der Brunner Sust angehört. «Wir können die Bedingungen des Gemeinderates nun zügig erfüllen.» Demnächst solle die Stiftung gegründet werden. Die Besitzerfamilie Betschart hat gegenüber der Gemeinde eine Vereinbarung unterzeichnet, in welcher sie das Gelände der Sust im Baurecht abtritt. Sie wird im Stiftungsrat Einsitz nehmen. Das eigentliche Bauprojekt

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

16.10.2009

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www.schwyzkultur.ch/nVWJ4P