Hatte gute Nachrichten für die Schwyzer Filmschaffenden: der Schwyzer Kulturförderer Franz Xaver Risi. Bild Nadja Tratschin
Hatte gute Nachrichten für die Schwyzer Filmschaffenden: der Schwyzer Kulturförderer Franz Xaver Risi. Bild Nadja Tratschin

Film

Dokumentarfilme fordern viel Zeit

Die Schwyzer Filmemacher beschäftigen nebst der Finanzierung auch der Faktor Zeit, das nationale Image des Schwyzer Films und das Verhalten des Publikums.

Zweimal pro Jahr organisiert die Galerie am Leewasser in Brunnen zusammen mit der kantonalen Kulturkommission ein Kulturgespräch. Die vergangenen zwei Kulturgespräche trugen die Titel «Wer liest denn heut noch Bücher?» und «Bildende Kunst». Josias Clavadetscher moderierte das dritte Kulturgespräch zum Thema «Filmemachen im Kanton Schwyz». Rund 20 Gäste verfolgten die spannende Podiumsdiskussion mit den vier Filmemachern Claudia Steiner, Roger Bürgler, Thomas Horat und Edwin Beeler.

Finanzen, Zeit und Arbeit

Claudia Steiner hat als Neueinsteigerin in die Dokumentarfilmbranche mit ihrem Erstling «Tönis Brautfahrt» ein erfolgreiches Zeitdokument geschaffen. Ganz bewusst hat sie den Film im Dreierteam zusammen mit Initiant Roger Schönbächler und Produzent Roger Bürgler entstehen lassen,da das Filmemachen mit viel administrativem und finanziellem Aufwand verbunden ist. «Ich will mich auf die kreative Arbeit fokussieren und mich mit viel Herzblut engagieren und auf den Entstehungsprozess in Ruhe einlassen können », betonte Steiner. Roger Bürgler konnte bei der Produktion von seinen Erfahrungen profitieren, die er bei seinem Filmprojekt «Syra Marty – Dächli Leni Goes to Hollywood» gemacht hatte. Zum Thema Finanzierung meinte er: «Oft beschäftigt einen die Frage, wo gespart werden kann, wenn man das Gefühl hat, man bekommt das Geld für die Kosten nicht herein. Schlimmstenfalls kürzt man seine eigenen Einnahmen. Der Druck ist aber immer da, weil die Restfinanzierung vom Erfolg des Filmes abhängig gemacht werden muss.» Edwin Beeler bestätigte, dass die kreative Ader eines der Hauptthemen eines jeden Dokumentarfilmers ist. «Als ich 1984 ins Filmbusiness eingestiegen bin, war mir nicht bewusst, dass mich meine Arbeit existentiell bis in Richtung meines AHV-Alters beschäftigen wird.» Für den Erfolg eines Filmes mitverantwortlich ist jedoch für Edwin Beeler auch ganz klar der Faktor Zeit und dass man sich als Filmemacher gründlich mit einem Thema auseinandergesetzt hat, das einen beschäftigt. Die Entstehung eines guten Dokumentarfilmes kann für ihn deshalb bis zu fünf Jahre in Anspruch nehmen. «Gerade diese längeren Zeitspannen und die geforderte Kontinuität fordern einen Filmemacher immer wieder aufs Neue heraus », ergänzte Thomas Horat. Eine beim letzten Film gesicherte Finanzierungsquelle durch eine Stiftung, einen Mäzen oder einen Förderungsbeitrag sei plötzlich nicht mehr sicher, weil man mit anderen Ansprechpersonen zu tun habe oder sich das Gesetz zwischenzeitlich geändert hat.

Das Publikum und die Kinos

Ein weiterer Aspekt ist das veränderte Verhalten des Publikums und der Kinos. Horat wies in der Diskussion darauf hin, dass viele nicht wüssten, dass jedes Kino für das Ausstrahlen eines Schweizer Filmes pro Eintritt vom Bund automatisch mit einem Förderungsbeitrag unterstützt wird. Als Filmemacher muss man für jedes Projekt ein Gesuch für einen Förderungsbeitrag einreichen. Edwin Beeler befürchtete, dass das Publikum des Dokumentarfilmes durchschnittlich immer älter werde und gestand ein, dass er nicht wüsste, wie man die jüngere Generation dazu bringen könnte, vermehrt wieder ins Kino zu gehen, anstatt alle Filme gratis herunterzuladen oder auf dem Youtube-Kanal zu konsumieren. Claudia Steiner sagte abschliessend: «Damit wir das Image gegenüber dem Schwyzer Film stärken können, brauchen wir noch viel mehr nationale und internationale Ausstrahlung. Uns muss es gelingen, unser Produkt, unsere Filme nach aussen zu tragen.»

Mehr Geld für Schwyzer Film

«Wir sind uns des Problems bewusst», erklärte der Schwyzer Kulturförderer Franz Xaver Risi. Die Schwyzer Filmemacher haben zwar mit ihren Dokumentarfilmen einen guten Ruf und immer wieder auch grössere Kinoerfolge. Doch viel Zeit geht statt in die kreative Arbeit für die Geldsuche drauf. Was in der gesamten Zentralschweiz nämlich in Sachen Filmförderung von der öffentlichen Hand läuft, ist vergleichsweise sehr bescheiden, hiess es am Podiumsgespräch mit Schwyzer Filmschaffenden in

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Film

Publiziert am

19.05.2015

Webcode

schwyzkultur.ch/6qA1P9