Der Mythensaal des Seehotels Waldstätterhof in Brunnen wurde zu einem Filmset umfunktioniert. Der spanische Teil der Filmcrew darf diese Woche auch gleich im «Waldstätterhof» Quartier beziehen. Bilder: Christoph Clavadetscher
Der Mythensaal des Seehotels Waldstätterhof in Brunnen wurde zu einem Filmset umfunktioniert. Der spanische Teil der Filmcrew darf diese Woche auch gleich im «Waldstätterhof» Quartier beziehen. Bilder: Christoph Clavadetscher
Die spanische Crew drehte und fror gestern Morgen in Rothenthurm. Bild: Gina Bellandi
Die spanische Crew drehte und fror gestern Morgen in Rothenthurm. Bild: Gina Bellandi
Die Brunner Remo Lüönd (links, Art Director) und Ivan Geisser (rechts, Produzent) mit Joan-Marc Zapata.
Die Brunner Remo Lüönd (links, Art Director) und Ivan Geisser (rechts, Produzent) mit Joan-Marc Zapata.

Film

Eine verrückte Filmproduktion

Rund ein Dutzend junge Schwyzer um Neo-Filmproduzent Ivan Geisser bildet derzeit mit ebenso vielen Spaniern vom Fach eine aussergewöhnliche Filmcrew. In dieser Woche wird in der Region Schwyz gedreht – die Truppe hat Grosses vor.

«Es ist wirklich eine sehr verrückte Sache », beschreibt Ivan Geisser mit einem Schmunzeln sein aktuellstes Projekt. Der Versicherungsberater und Ingenbohler Gemeinderat ist seit Kurzem Filmproduzent, bereits in dieser Woche finden in der Region die Dreharbeiten für «Bright Side in D Minor» statt (siehe Box). Seit Anfang Jahr nimmt sich Geisser eine berufliche Auszeit, um sich ganz der Realisierung des Kurzfilms widmen zu können. Dabei handelt es sich um eine Episode aus der eigentlichen Hauptgeschichte, dem Psychodrama in Spielfilmlänge «Dark Silk», das dann im Herbst gedreht werden soll. «Wir wollen mit dem Kurzfilm Erfahrungen sammeln sowie zeigen, was wir können, und damit auf das eigentliche grosse Projekt, den Hauptfilm, aufmerksam machen», erklärt Geisser. Ziel sei es, mit dem Film bereits im Sommer an Festivals und Open-Air-Kinos präsent zu sein.


Im Ausgang zugesagt


Doch wie um alles in der Welt wird man so aus dem Nichts Filmproduzent? Geisser lacht und holt aus: «Alles hat vor drei Jahren in Kalifornien angefangen. Ich habe den Spanier Joan-Marc Zapata kennengelernt und bin mit ihm einige Woche herumgereist.» Es habe sich herausgestellt, dass er Regisseur mit Hochschulabschluss sei. Zapata hatte sich die Rechte an dem spanischen Bestseller «Cames de seda» gesichert und wollte ihn mit einer US-Produzentin realisieren. «Danach haben wir uns aus den Augen verloren, bis ich mich im letzten April wieder bei ihm gemeldet habe. Ich wollte ihn in Barcelona besuchen», erklärt Geisser. Dies hat er dann gemacht und erfahren, dass Zapatas Projekt mit der US-Produzentin nicht zustande kam. Im Ausgang haben die beiden dann über das Filmprojekt geredet. Geisser wollte wissen, was denn so ein Produzent alles machen müsse. «Zapata hat geantwortet: ‹Geld auftreiben und alles organisieren.› Zu vorgerückter Stunde habe ich dann eingeschlagen», lacht Geisser. Die Realität hat ihn dann aber schnell eingeholt. Zuerst musste sich Geisser das Produzenten-Handwerk autodidaktisch aneignen. Er hat in der Branche herumtelefoniert, wurde oft belächelt, hat dann aber da und dort Hilfe bekommen. «Die letzten Monate waren sehr intensiv: Ich musste mir nicht nur alles beibringen, sondern zeitgleich auch die Drehorte bestimmen und organisieren, Schauspieler casten und Low-Budget-Verträge abschliessen, Equipment auftreiben und die Crew zusammenstellen», so Geisser. Zudem wurde die «89Productions GmbH» gegründet. Die Crew der spanisch-schweizerischen Co-Produktion umfasst 35 Personen, darunter über zehn aus der Region, viele aus Geissers Umfeld. «Zum Glück kann ich auf so viele Helfer zählen, dafür bin ich enorm dankbar.» Die Kosten von 40 000 Franken für den Kurzfilm schiesst Geisser aus eigener Tasche vor. Der 28-Jährige hat keine Angst vor dem Risiko: «Ich bin jung, ungebunden und glaube an das Projekt. Im schlimmsten Fall setze ich Geld in den Sand und beginne wieder von vorne. So weit wird es aber nicht kommen.»


Region als Drehort


In diesen Tagen wird in Rothenthurm, in Muotathal bei der Suworowbrücke, im Spital Schwyz sowie in Brunnen im Seehotel Waldstätterhof und im Hallenbad der Kurzfilm «Bright Side in D Minor» gedreht. Das Drehbuch basiert auf dem spanischen Bestseller «Cames de seda» (deutscher Titel: «Die Spiegelfrau»). Regisseur ist das grosse und mehrfach prämierte spanische Talent Joan-Marc Zapata, Produzent ist Ivan Geisser und Art Director Remo Lüönd, beide aus Brunnen. Die Hauptrollen spielen die spanischen Stars Núria Prims und Francesc Garrido. Die Nebenrollen besetzen unter anderem der Schweizer Werner Biermeier sowie Personen aus der Region Schwyz.


Bote der Urschweiz / Christoph Clavadetscher

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Film

Publiziert am

01.03.2018

Webcode

schwyzkultur.ch/HiwkXY