Marco Schättin mit seinem Buch «Lockdown-Liebe», dessen Cover er auch selber gestaltet hat. Bild: Gabriele Spalluto
Marco Schättin mit seinem Buch «Lockdown-Liebe», dessen Cover er auch selber gestaltet hat. Bild: Gabriele Spalluto
Grosse Gefühle mitten in der Geisterstadt - 1

Literatur

Grosse Gefühle mitten in der Geisterstadt

Der in Brunnen aufgewachsene Marco Schättin hat einen autobiografischen Roman über seinen Aufenthalt in New York veröffentlicht.

Eine Einzimmerwohnung in Manhattan. Das ist alles, was Marco Schättin noch hat. Broadway-Besuche, Besuche in der Disco, in Museen. Die Stadtluft schnuppern. Das Leben der Menschen in New York mitleben. Das war der Plan. Doch Corona versetzt die Stadt in einen Schockzustand. Marco Schättin arbeitet jetzt schon Monate für ein Schweizer Tourismusunternehmen im Homeoffice, lebt in dem Apartment in Chelsea. Alleine. Ohne Freunde. Ohne Familie. Ohne Beziehung. Ein Besuch am Strand von Rockaway in Brooklyn verändert die Situation komplett. Marco lernt Scott kennen. Einen 40-jährigen Amerikaner, der ihn von Beginn an komplett in seinen Bann zieht. Die beiden verlieben sich Hals über Kopf. Magische Momente voller Gefühle und Sehnsüchte. «Wenn wir unseren Freunden von unseren Dates erzählten, waren alle verblüfft, wie viel Leichtigkeit wir im coronatraumatisierten New York erlebten. » Es folgen allerdings auch Momente voller Ängste und Tränen. Marco Schättin gibt ganz intime Einblicke in seine Gefühlswelt. Er schreibt mutig von Eifersucht, aufkommenden Ängsten und kleinen Dämonen, die immer wieder über seine Schulter blicken. Er schreibt darüber, wie er strauchelt. Und wieder aufsteht. Er lässt den Leser seine Wahrnehmung wahrnehmen, aber auch die Sichtweise von Scott vermuten. Oder hat Scott ihn doch betrogen? Sollte er diese Beziehung beenden?

Immer und überall dabei


Marco Schättin lässt den Leser mit sich mitfiebern. Man taucht in eine intensive Beziehung, in eine gefühlsstarke Zeit ein. Der Leser ist dabei, wenn sich Marco und Scott zum ersten Mal küssen, er ist dabei beim ersten Streit, er ist dabei bei der Versöhnung, er geht mit den beiden campen, und er hofft mit. Bis zum Ende. Das Buch liest sich enorm schnell und leicht. So leicht, wie Marco und Scott in «Lockdown-Liebe» auf Wolke 7 schweben. Marco Schättin erzählt aber nicht nur eine schwule Liebesgeschichte, sondern behandelt auch zeithistorische Momente. Er schreibt von der Geisterstadt New York während des Lockdowns, von Black-Lives-Matter-Protesten und den US-Wahlen. «New York City hatte 2020 gleich mit mehreren zeithistorischen Momenten zu kämpfen – und ich war mittendrin. Nebst meiner Liebesgeschichte verarbeite ich auch diese überwältigenden Erlebnisse im Buch. Selbsttherapie war definitiv ein Teil der Motivation, das Buch zu schreiben.»

Bote der Urschweiz / Nicole Auf der Maur

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

10.07.2021

Webcode

www.schwyzkultur.ch/m7VsP6