Das Haus zur Treib im Stereobild: Mit der Stereo-Brille betrachtet, wird diese Aufnahme dreidimensional. (Repro Gamma-Druck Altdorf)
Das Haus zur Treib im Stereobild: Mit der Stereo-Brille betrachtet, wird diese Aufnahme dreidimensional. (Repro Gamma-Druck Altdorf)

Kunst & Design

Das Haus zur Treib in Stereo

Im digitalen Zeitalter mag man über die Foto-Pioniere zwar schmunzeln, ihre Aufnahmen aber faszinieren noch heute. Darunter gibt es absolute Raritäten, zum Beispiel Stereofotografien. Neu sind rund 40 Bilder rund um den Urnersee publiziert worden.

In der Welt der Musikwiedergabe ist Stereo längst Minimal-Standard. Wer aber von Stereo-Fotografie spricht, der erntet mit Garantie zuerst ungläubiges Staunen. Gibt es das wirklich?

Zwei Fotos für ein Bild
Den Beweis tritt ein Bildband an, der soeben «alte Raumbilder» zeigt, Stereofotografien mit Sujets aus dem Kanton Uri, die alle zwischen 1860 und 1925 gemacht worden sind. Die Stereofotografie ist nur wenige Jahre nach den ersten fotogafischen Aufnahmen im Jahre 1837 von Louis Daguerre entwickelt worden. Erste Stereo-Bilder aus der Urschweiz stammen aus den Jahren um 1850. Der dreidimensionale, raumwirksame Effekt dieser Bilder wird dadurch erzielt, dass zwei Aufnahmen mit einem gewissen Abstand gemacht werden. Meist wurde dazu eine spezielle Doppellinsenkamera eingesetzt. Die Bilder konnten dann mit Hilfe einer Stereobrille oder einem Betrachtergerät angeschaut werden. Dabei verschmelzen die beiden Bilder zu einem einzigen und geben eine räumliche Sicht wieder.Auch für Zeitgenossen absolut verblüffend.

Über 600 Stereobilder gesammelt
Auf die Fährte dieser vergessen gegangenen Fotografier-Technik hat sich schon vor Jahrzehnten Ruedi Gisler gemacht. In Uri aufgewachsen, heute Laborleiter in Basel, trug er über die Zeit rund 600 Stereoaufnahmen zusammen. Eine herrliche Auswahl davon, 140 teils spektakuläre Aufnahmen, hat er nun in einem Bildband über Uri publiziert. Und weil gerade die touristischen Motive in der damals aufkommenden Blütezeit des Fremdenverkehrs äusserst beliebt waren, sind in diesem Bildband rund 40 Motive vom Urnersee zu sehen. So all die historischen Stätten und Denkmäler: das Rütli, das Haus zur Treib, der Schillerstein und die Tellskapelle. Dann Ortsansichten und Bauern-Szenen von Seelisberg und Sisikon, natürlich die Gäste-Destination Flüelen, das alte Hotel Tellsplatte mit dem «Hotel Garden», die Schiffstationen und vor allem interessante Ufer-Szenen aus Flüelen. Eine absolute Rarität sind zudem Aufnahmen von derAxenstrasse, die 1863 während der Bauzeit entstanden sind und die heikle Arbeit im Fels dokumentieren.

Alle Bilder sind historisch einwandfrei dokumentiert und beschrieben. Auch sind begleitende Texte von Karl Franz Lusser aus dem Jahre 1834 eingefügt, wie er die Dörfer und das Land Uri gesehen hat. Zitate aus alten Reiseführern, Angaben aus den Urner Kunstdenkmälerbänden oder lokalhistorischen Publikationen machen den Bildband lebendig. Sogar einzelne Sagen aus der Sammlung von Josef Müller sind eingebaut, wenn sie zum jeweiligen Bild einen Bezug haben. Auch werden die Technologie und die Geschichte der Stereofotografie und die Biografien der Fotografen einleuchtend und faszinierend geschildert.

Ein Buch mit Brille
Die absolute Attraktion steckt aber im hintern Deckel des Einbands: Eine Stereobrille. Mit dieser «Stereo-Lorgnette» lassen sich all die Fotografien tatsächlich dreidimensional betrachten. Ein absolut verblüffender Effekt, den hier eine rund 160 Jahre alte optische Technik dem Betrachter von heute beschert.
Raumbilder von anno dazumal. Uri auf Stereofotografien.
von Ruedi Gisler-Pfrunder, Gamma Druck + Verlag AG, Altdorf. 216 Seiten, Format 24 x 22 cm, Fadenheftung.Erhältlich beim Verlag oder im Buchhandel.

Weiter Infos …
Bote der Urschweiz (Josias Clavadetscher)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

30.07.2009

Webcode

schwyzkultur.ch/ZqasY3