Der Brunner Meinrad Betschart ist nach Brunnen und Frankreich nun in Deutschland zuhause.
Der Brunner Meinrad Betschart ist nach Brunnen und Frankreich nun in Deutschland zuhause.
Im Schloss Wallhausen ist Meinrad Betschrt zuständig für die Sanierung und die künstlerische Leitung. Bilder: PD
Im Schloss Wallhausen ist Meinrad Betschrt zuständig für die Sanierung und die künstlerische Leitung. Bilder: PD

Kunst & Design

«Es tut gut, ein bisschen was von der Welt zu sehen»

Die Neugierde auf andere Länder, andere Sprachen, andere Kulturen und sein Studium haben Meinrad Betschart vor 28 Jahren dazu bewogen, Brunnen zu verlassen.

Damals, 1989, ist er nach Nürnberg ausgewandert. 1995 haben ihn Sprache und Kultur von Frankreich derart fasziniert, dass er für weitere zehn Jahre nach Frankreich gezogen ist. «Der Auslöser, nach Wallhausen zu ziehen, war der Kauf des Schlosses durch Helmut Meier-Föllmi», berichtet er. Der urspünglich aus Arth kommende Galerist und Meinrad Betschart haben das damals leer stehende Schloss ersteigert und zu einem Ort für moderne Kunst und zu einem Hotel umgebaut.

Seit 2005 in Deutschland

In Wallhausen ist Meinrad Betschart nun seit 2005 geblieben. Er ist von Beruf Bildhauer und liebt die Kunst. Diese sei in letzter Zeit allerdings etwas zu kurz gekommen. «Durch die grosse Bandbreite des Schlosses Wallhausen – Schloss, Ausstellung, Kunst, Geschichte, Hotel und Gastronomie – sind enorm viele Aufgaben zusammengekommen», erklärt er. Auch die 16 Angestellten müssten angewiesen werden. Im letzten Jahr hat Meinrad Betschart an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein unterrichtet. Er pflegt nach wie vor gute Kontakte zu ihr, und ein Professor und dessen Studenten stellen aktuell im Schloss Wallhausen ihre Werke aus.

Immer wieder zu Besuch

Meinrad Betschart kommt noch immer drei- bis viermal pro Jahr zurück in die Schweiz, um Familie und Freunde zu besuchen. Was ihn denn an der Fremde fasziniert? «Die Grösse und die Weite haben etwas Befreiendes an sich.» Mit einem Blick auf die Schweiz muss er aber sagen: «Die Berge sind intensiver und beeindruckender, wenn man sie nicht so oft sieht.» Und er fügt hinzu: «Wenn man länger weg ist, neigt man aber dazu, die Heimat zu idealisieren – und man hat nicht mehr einen so grossen Bezug zu den aktuellen Problemen.» Er findet auch: «Es tut gut, ein bisschen was von der Welt zu sehen.»

Was macht die Faszination aus?

Doch was fasziniert an einem Schloss in Wallhausen – einem 2500-Seelen-Dorf in Sachsen-Anhalt? Wallhausen gilt als Geburtsort von Otto dem Grossen. Otto der Grosse war Herzog von Sachsen, König des Ostfrankenreiches, König von Italien und ab 962 römisch-deutscher Kaiser. «Otto der Grosse ist ja auch fast ein bisschen ein Schwyzer», schmunzelt Meinrad Betschart. Eine Statue von ihm steht nämlich auf dem Klosterplatz in Einsiedeln und beobachtet das Geschehen. Mit Einsiedeln fühlt sich Meinrad Betschart durch seinen Namenspatron ohnehin verbunden: Meinrad war ein Eremit, auf den die Gründung des Klosters Einsiedeln zurückgeht. «Ich erinnere mich noch heute an die Klassenfahrt im zweiten Schuljahr dorthin und an die Geschichte über Otto den Grossen und Heinrich den Zweiten.»

Angekommen

Der Bildhauer scheint angekommen zu sein. Und doch fragt man sich, ob er denn rückblickend alles noch einmal genau gleich machen würde: Würde er noch einmal auswandern? «Ich habe das eher als Umzug empfunden. Alles konnte mit dem Auto erledigt werden. Auf der ganzen Welt gibt es Freund und Feind. Es stellt sich lediglich die Frage, wie man mit ihnen umgeht.»

Zur Person

Name: Meinrad Betschart

Beruf: Bildhauer

Zivilstand: verheiratet, drei Kinder

Wohnhaft in:
Wallhausen (D) seit 2005

Früher wohnhaft in:
Brunnen bis 1989,
Nürnberg bis 1995,
Frankreich bis 2005.

Wieso ausgewandert:
Neugierde aufandere Länder, andere Sprachen und
Kulturen, Studium

Was in der Schweiz besser ist:
Sagenzu dürfen, was man denkt; diskutieren
und über sich frei entscheiden zu können;wählen zu dürfen.

Was in Wallhausen besser ist:
Wallhausenliegt im ehemaligen Osten, also in
Sachsen-Anhalt. Da ist und war viel Veränderungmöglich in den letzten 10 Jahren.Vor 10 Jahren gab es hier eine sehr hoheArbeitslosigkeit, heute ist es sehr schwer,hier gute Arbeitskräfte zu finden. Es ist eineblühende Landschaft geworden.

Bote der Urschweiz (Sandrine Hedinger)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

05.08.2017

Webcode

schwyzkultur.ch/MV92KM