Wie ein Mythos entsteht. Eindrückliche Videoinstallation in der Ausstellung «Meta Schwyz – Mythenbrüche» in der Galerie am Leewasser. Bilder Roger Bürgler
Wie ein Mythos entsteht. Eindrückliche Videoinstallation in der Ausstellung «Meta Schwyz – Mythenbrüche» in der Galerie am Leewasser. Bilder Roger Bürgler
Die überraschende Auseinandersetzung mit Schwyz und Mythen unterschiedlicher Art fasziniert die Ausstellungsbesucher.
Die überraschende Auseinandersetzung mit Schwyz und Mythen unterschiedlicher Art fasziniert die Ausstellungsbesucher.

Kunst & Design

Künstlerkollektiv bricht mit Mythen

Mythen oder Mythos? Das Künstlerkollektiv Eliane Zgraggen, Matthias Gubler und Mischa Camenzind befasst sich damit in der Galerie am Leewasser.

Natürlich kennt man sich, hat verschiedentlich zusammengearbeitet und schätzt sich als Künstler wie auch als Privatpersonen. Mischa Camenzind (Gersau/Zürich), Matthias Gubler (Schwyz/Zürich) und Eliane Zgraggen (Uri/Aargau). Nun haben sich die drei zu einem Künstlerkollektiv zusammengetan und präsentieren auf Einladung von Catherine und Franziska Amstad mit «Meta Schwyz – Mythenbrüche» in der Brunner Galerie am Leewasser eine erste Ausstellung.

Die Schaffung eines Mythos

Mythen stehen im Kanton Schwyz in erster Linie für das Wahrzeichen des Talkessels. Mythen ist aber auch die Mehrzahl von Mythos, und sowohl damit wie auch mit dem Bergmassiv wollten die drei Künstler in unterschiedlicher Art brechen. Da drängten sich gleich die diesjährigen, historischen Jubiläen «700 Jahre Morgarten», «500 Jahre Marignano» oder «200 Jahre Wiener Kongress» auf. Und die entsprechende Auseinandersetzung gerade mit der Überlieferung von historischen Ereignissen ist in «Meta Schwyz–Mythenbrüche » mit einer Video-Rauminstallation grossartig dargestellt. Eine Kamera filmt ein Morgarten-Schlachtbild ab und projiziert dieses auf einen Bildschirm. Dort wird dieses erneut abgefilmt und auf einem anderen Bildschirm gezeigt. Mit jeder weiteren Projektion wird das Bild verzerrter und undeutlicher. Am Schluss bleibt eine verpixelte Darstellung der Schlacht übrig. Was ist davon also wahr, was ist wirklich passiert und inwiefern festigt sich heute ein 700 Jahre zurückliegendes Ereignis fernab der jüngsten historischen Erkenntnissen derart in unserer kollektiv-patriotischen Wahrnehmung? Darüber kann man sich in der Installation «Nabelschnüre» Gedanken machen.

Wer ist Schwyzer?

Die drei Künstler ordnen sich ihre Arbeiten nicht explizit zu, sondern sagten an der Vernissage, dass alle bei allen Arbeiten mitgewirkt haben. Ein Kollektiv eben, auch wenn Handschriften natürlich erkennbar sein dürfen, wie Mischa Camenzind erklärte. Im mittleren Stock der Galerie am Leewasser setzen sich die drei Künstler mit dem handwerklichen und kulturellen Erbe des Kantons Schwyz – teils sehr reell und teils auch metaphorisch – auseinander. Alte Helden, die exorbitanten Privatvermögen oder auch die Sagen des Kantons Schwyz sind dabeiThemen. In der Porträtserie «ja, nein, vielleicht» geht es um die Definitionsfrage, wer ist hier Schwyzer oder nicht. Die dargestellten Personen sind Schweizer, Eingebürgerte und auch solche, welche die Staatsbürgerschaft nicht erhielten. Sehr aktuell dabei ist auch der emeritierte ETH-Professor Irving J. Dunn unter den Porträtierten. Die künstlerische Auseinandersetzung mit den Mythen des Kantons Schwyz ist eine überraschende, teils (bewusst) irritierende und vor allem auch nachdenklich stimmende Gemeinschaftsarbeit dreier engagierter Künstler mit direktem oder indirektem Bezug zum Kanton Schwyz, dessen Kulturkommission das künstlerische Experiment zusammen mit der gastgebenden Galerie wohlweislich mitförderte. Die Ausstellung dauert bis am 4. April.

Bote der Urschweiz (Roger Bürgler)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

02.03.2015

Webcode

schwyzkultur.ch/cbD1jD