Die Wahlsolothurnerin Ruth Lerch-Annen vor ihren «Menschen». Bilder Josef Grüter
Die Wahlsolothurnerin Ruth Lerch-Annen vor ihren «Menschen». Bilder Josef Grüter
Hier liegt Dolores Linggi im Bett.
Hier liegt Dolores Linggi im Bett.
Überall Kunst – viele Besucher in der Zemenfabrik.
Überall Kunst – viele Besucher in der Zemenfabrik.

Kunst & Design

Kunst in der Zementfabrik

Buntes und Schwarzweisses, Tiefsinniges und Humorvolles. Man trifft auf eine unglaubliche Vielfältigkeit an der diesjährigen Ausstellung des Vereins Kunst Schwyz.

Insgesamt 58 Künstler, so viele wie noch nie, bringen an der zehnten Ausstellung bunte Farben und vielseitige Formen in die alte Zementfabrik in Brunnen. Räumlich bedingt werden die Werke auf verschiedenen Etagen präsentiert. Manche Kunst kann dadurch aus interessanten Perspektiven betrachtet werden. Für die obersten Etagen jedoch muss man schon beinahe schwindelfrei sein. Vor über 300 Besuchern hinterfragte Vereinspräsidentin Detta Kälin in ihrer Eröffnungsansprache tiefgründig, ob wir uns trotz Kriegswirren und Flüchtlingsströmen der Kunst widmen und uns an ihr erfreuen sollen. Sie verwies dabei auf die Beständigkeit der Kunst seit der frühesten Menschheitsgeschichte und deren Wichtigkeit in guten wie in schlechten Zeiten. Eine faszinierende Pantomime, inszeniert durch Anita Chiani, rundete die Eröffnung ab.

Fabrikraum und Kunst

Der Verein Kunst Schwyz besteht seit 1992 und vereinigt rund 160 Künstlerinnen und Künstler, welche im Kanton Schwyz wohnen oder einen Bezug dazu haben. Die erste Ausstellung, welche der Verein organisierte, fand 2004 in Rothenthurm statt. Es gelang den Organisatoren immer wieder, alte Fabrikräume oder Industriebrachen zu finden, welche diesen Ausstellungen ein spezielles Ambiente verleihen. Zum Anlass der zehnten Ausstellung wurde ein Buch über die aktiven Kunstschaffenden des Vereins gestaltet.

Zurück in der Heimat

Neben den vielen Schwyzer Ausstellern nehmen auch einige Heimwehschwyzer die Gelegenheit wahr, ihre Werke in der alten Heimat zu präsentieren. Unter ihnen ist auch Ruth Lerch-Annen. Sie lebt seit vielen Jahren im Kanton Solothurn. Landschaft und Menschen sind der Mittelpunkt ihres Schaffens. Wie sie anlässlich der Ausstellung erklärt, freut sie sich immer wieder, ihre Werke in unserer Region zu zeigen: «Ich male vor allem Menschen, aber auch Landschaften. Bei den Menschenbildern arbeite ich regelmässig mit Modellen.» Die Gersauerin Alessandra Beeler lebt seit über zehn Jahren im Baselbiet. Ihr 32-teiliges Werk lädt mit dem nicht einfachen Titel: «schwyzer-talchessel – die leute sind der ort ist die leute» wahrhaftig zum Überlegen ein.

Schlaf, Chindli, schlaf …

Zweimal die Augen reibt man sich bei einer äusserst interessanten Bettinstallation mit lebendigem Inhalt. Dolores Linggi liegt in einem Bett. Rundherum verstreut Medikamentenschachteln und Flaschenscherben. Ambivalenz nennt sie ihr Werk, und der Text eines bekannten Schlafliedes wird ernsthaft umgedichtet. Ob das Bett während der ganzen Ausstellungsdauer gehütet wird? Lassen Sie sich überraschen.

Bote der Urschweiz (Josef Grüter)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

14.09.2015

Webcode

schwyzkultur.ch/TPLVE9