Erinnerung an vergangene Tage: Die Heimweh-Brunnerin Anni von Wyl-Grab las aus ihrem Buch «Rosen für den Winter». Bild Christian Ballat
Erinnerung an vergangene Tage: Die Heimweh-Brunnerin Anni von Wyl-Grab las aus ihrem Buch «Rosen für den Winter». Bild Christian Ballat

Literatur

Slums, zutrauliche Katzen und das Wandern

Texterei heisst der Ort, wo heimlich und öffentlich Geschriebenes zu neuem Leben erweckt wird. Angela Zimmermann präsentierte eine packende Lesestunde in der Galerie am Leewasser.

Im Haus, in dem kulturelle Begegnungen aller Art stattfinden, trafen sich am Dienstagabend Schreibende, Lesende und Zuhörende. Wie die Texterei-Initiantin Angela Zimmermann aus Schwyz einleitend erklärte, gibt es viele Menschen, die ihre Gedanken, Erlebnisse und Fantasien zu Papier bringen. «Einige nehmen sich viel Zeit dafür und veröffentlichen ihre Texte, andere füllen unzählige Tagebuchseiten, und ein paar schreiben heimlich.» So habe ihr eine Frau erzählt, dass sie nachts, wenn der Mann schlafe, aufstehe und ihre Geschichten durch die Tinte fliessen lasse. DieTexterei wolle Raum bieten, die entstandenen Geschichten, Gedichte, Episoden und Buchseiten einem interessierten Publikum vorzulesen sowie etwas über sich und die Entstehung zu erzählen. Der Anfang ist gelungen, fünf Frauen gaben Einblick in ihre schriftlich festgehaltenen Gedanken. Ein weiterer solcher Abend ist im September vorgesehen.

Rosen für den Winter

Anni von Wyl-Grab ist im Husbüel am Gütsch, den «Slums von Brunnen», wie sie selbst sagt, aufgewachsen. 27-jährig zog es sie weiter, seit Langem lebt sie im Calancatal und kommt immer wieder in den Talkessel zurück. Während ihrer zehnjährigen Tätigkeit im Altersheim Brunnen, für die sie zwei Tage wöchentlich pendelte, hatte sie Geschichten für die Hauszeitung geschrieben. Daraus entstand das Büchlein «Rosen für den Winter». Eine Episode davon hat sie in der Texterei vorgelesen und damit die Gäste einige Jahrzehnte zurückgeführt, in eine Zeit, in der es als Dank fürs «Pöschtele» eine Einladung in die Stube gab, wo Papier und farbige Malstifte warteten. Margaritta Schiesser schreibt seit rund 30 Jahren, immer wieder spontan, nach Lust und Laune und «wenn ich gerade den Kopf voll habe». Sie hatte für den Abend Geschichten von anderen Autoren ausgewählt. Angela Zimmermann erklärte, dass die Texterei nicht nur für eigene Texte offen sei. Mit dem Zitat «Wir Frauen sind die Holzwolle in der Glaskiste des Lebens» leitete Schiesser über zu Sonja Steiner. Sie ist über Leipzig, Berlin und Brunnen nach Schwyz gekommen, wo sie sich zwischendurch Oasen schafft, um schreiben zu können. «Die Themen springen mich an, beschäftigen mich, und dann muss ich Zeit finden.» Sie schreibe, um zu vergessen, sie schreibe aber auch wider das Vergessen.

Katzen – Wandern

Die Schwyzerin Margrith Bürgler schreibt vor allem Tagebuch, Briefe und E-Mails. Im vorgelesenen Brief entschuldigt sie sich bei ihrer Tochter fürs Zuspätkommen. Schuld war ein junges Kätzchen, dass ihr bei einer Wanderung nachgelaufen ist. Vom Wandern erzählt auch Blanca Imboden neuestes Buch, aus dem sie in der Texterei ein Kapitel vorlas. «Wandern ist doof» erscheint nächste Woche. «Und für einmal geht es nicht um Kenia und nicht um Kalorien», versprach die Autorin.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

11.04.2013

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schwyzkultur.ch/Fj8pLa