Das Konzert des Urschweizer Kammerensembles, unter der Leitung von Stefan Albrecht. Bild Christoph Jud
Das Konzert des Urschweizer Kammerensembles, unter der Leitung von Stefan Albrecht. Bild Christoph Jud

Musik

Abendländischer Musikgenuss

Das diesjährige Konzert des renommierten Urschweizer Kammerensembles war einem der grössten Namen der abendländischen Musik verpflichtet: Johann Sebastian Bach.

Wir sind uns gewohnt, ihm in einzelnen Werken zu begegnen. Stefan Albrecht, dem auch in seiner Programmgestaltung engagiert interessanten Leiter des Urschweizer Kammerensembles, ist es zu verdanken, dass er den grossen Bach ins Spannungsfeld einer Reihe von Komponisten stellte, die sich von seinen Kompositionen inspirieren liessen. Von einem rein musikhistorischen Verständnis her gesehen, würde die Zahl der Namen ins Uferlose wegdriften. Es galt also, eine Auswahl zu treffen, die zeigte, dass Bach nicht nur auf seine Zeitgenossen und die unmittelbar auf ihn folgende Generation Einfluss zu nehmen vermochte, sondern bis in die Moderne Ausgangspunkt und Inspirationsquelle verschiedenster Komponisten gewesen ist. Die Verlockung muss gross gewesen sein, mit einem Überangebot an Werken und Namen ein interessiertes Publikum zu überraschen. In weiser Beschränkung aufs Wesentliche begegnete man selbstverständlich Johann Sebastian Bach selber, dann den fast zwanzig Jahre älteren, wenig bekannten Philipp Heinrich Erlenbach, dem zu Lebzeiten enthusiastisch gefeierten Sohn Carl Philipp Emanuel Bach, dem Bach verpflichteten Max Reger und schliesslich dem die klassische Moderne vertretenden Paul Hindemith.

Kultur des Tanzes

Das Konzert wurde mit der Ouvertüre VI in g-Moll von Philipp Heinrich Erlenbach eröffnet. Nach einer verhältnismässig kleinen, aber geistreich spritzigen Eröffnung wurde man in die Zeit des höfischen Barocks und seine hochstilisierte Kultur des Tanzes versetzt. Es war hochinteressant, wie das Thema einer leicht eingängigen «Air» in verschiedene, für das Barockzeitalter typische Tanzarten transformiert wurde. Das präzis mitgehende Orchester zeigte bereits hier seine besonderen Qualitäten: Durchhörbarkeit der einzelnen Register, präzise und dennoch lebendige Entfaltung des Gesamtklangs und eine spürbare Freude, diese längst versunkene Welt neu zum Leben zu erwecken. Selbstverständlich setzte der Dirigent seine Kenntnisse der historischen Aufführungspraxis in Bezug auf Temponahme und Phrasierung ein, blieb anderseits beweglich genug, sein Orchester über die Zeit Bachs hinaus bis hin zur Moderne zu führen. Für diesen mutigen Schritt stand geradezu exemplarisch die Interpretation von Max Regers eigenständigen Bearbeitung von Bachs Choral «O Mensch, bewein’ dein’ Sünde gross». Das verhältnismässig kurzeWerk orientiert sich – weit über Bach hinaus – an einem expressiv romantischen Klangzauber, in dem sowohl Weite wie Verinnerlichung gleichwertig miteinander verwoben sind. Die feinfühlig interpretierende Cellistin MonikaHaselbach brachte dies in ihrem Solo besonders eindrücklich zu Gehör. Zu den technisch herausfordernden, mit Bravour gemeisterten Aufgaben gehörte ohne Zweifel die Interpretation der «Sinfonia in e» des Bach-Sohnes Carl Philipp Emanuel Bach. Auffallend dabei die kühnen Unisono-Passagen im bewusst musikantisch inszenierten Kontrast zur kühn ausgreifenden polyphonen Expressivität.

Hervorragende Flötistin

Der Bratschist Christian Zgraggen war Solist inHindemiths «Trauermusik» und überzeugte durch seine beseelt verinnerlichte Interpretation. Das Konzert fand schliesslich seinen bezaubernden Abschluss mit der Orchestersuite in h- Moll von Johann Sebastian Bach. Die Abfolge verschiedener Tänze verlangte vom Orchester wie von der technisch und interpretatorisch hervorragenden Flötistin Ursina Albrecht ein Höchstmass an Beweglichkeit und an inspirierender Spielfreude. Auch wenn das Orchester hin und wieder mit seinem etwas vollen Klang die Solistin übertönte: Der Gesamteindruck einer herausragenden Leistung wurde deswegen nicht infrage gestellt. Das Publikum dankte mit grossem Applaus dem Orchester, den verschiedenen Solisten und dem inspirierenden Dirigenten Stefan Albrecht.

Bote der Urschweiz (Joseph Bättig)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

16.09.2015

Webcode

schwyzkultur.ch/ntEAyX