Kastenvögtin, Seelenmutter und Toggeli: Hans Steinegger (links) und die Capella Casimir unterhielten auf originelle Art. Bild Orlanda Senn
Kastenvögtin, Seelenmutter und Toggeli: Hans Steinegger (links) und die Capella Casimir unterhielten auf originelle Art. Bild Orlanda Senn

Musik

Das Publikum wurde verhext

Mit urchigen Tänzen und geheimnisvollen Sagen wurden gestern Abend zahlreiche Zuhörende in «verhexte Schwyzer Welten» entführt. Hans Steinegger erzählte aus seinem grossen Fundus und wurde musikalisch begleitet.

Vor über dreissig Jahren erschien Hans Steineggers erste Ausgabe der «Schwyzer Sagen». Inzwischen ist daraus eine vierbändige Sammlung mit über 1300 Überlieferungen entstanden. Im «Waldstätterhof » hat er gestern Abend ein gespanntes Publikum mit lebhaften, schaurigen Geschichten in seinen Bann gezogen. Zu den Sagen passende musikalische Intermezzi spielte die Capella Casimir. Fides Auf der Maur (Klarinette), Willi Valotti (Akkordeon) und Sepp Huber (Kontrabass) begleiteten die Hexengeschichten mit lüpfigen Tänzen regionaler Komponisten.

Was ist eine Sage?

Eine Sage ist ein kurzer, einfacher, sachlicher Bericht, der weitererzählt wurde, es kann auch ein Gerücht sein. Die Sage ist immer an einen Ort, eine Zeit und ein Motiv gebunden. Nicht so das Märchen, das nie an Ort und Zeit gebunden ist, sondern gerne mit «es war einmal» beginnt.

Geheimnisvolle Hexenwesen

Da war zum Beispiel der «Chriesibueb », der sein Unwesen trieb, indem er gerne auf fremde Kirschbäume kletterte und andere Sachen klaute, die er aber armen Leuten weiterschenkte. Nach seiner Festnahme und vor seiner Hinrichtung nannte er als letzten Wunsch «eine Fadenspule». Er hielt das Fadenende in der Hand, warf die Spule in Höhe, kletterte am Faden in den Himmel und verschwand auf immer. Eine ganz typische Sagengestalt aus dem Alpenraum ist das nachtaktive und bösartige Toggeli. Es sitzt den Leuten nachts auf die Brust, die Leute können nur noch schwer atmen. Mit gleichem Leiden holte sich einst eine hübsche Jungfrau Rat beim Pfarrer. Sie solle nachts ein Holzkreuz mit rausstehenden Nägeln auf ihre Brust legen.

Es war der Knecht

So tat sie es, das Toggeli kam um Mitternacht, stieg auf ihre Brust, ächzte und stöhnte und verliess die Jungfrau für immer. Andertags entdeckte man den toten Knecht. Niemand konnte sich seineWunden auf der Brust erklären, nur die Jungfrau wusste Bescheid.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

31.10.2011

Webcode

schwyzkultur.ch/NaQxjt