Marcel Koller zeigt mit Stolz seine Bässe, die er selber gebaut hat. Die 30-Inch-Gitarre ist seine neuste Kreation. Er hat sie auf Bassgrösse erbaut. «Sie klingt sehr tief. Es braucht noch etwas Zeit, bis ich sie beherrsche.»
Marcel Koller zeigt mit Stolz seine Bässe, die er selber gebaut hat. Die 30-Inch-Gitarre ist seine neuste Kreation. Er hat sie auf Bassgrösse erbaut. «Sie klingt sehr tief. Es braucht noch etwas Zeit, bis ich sie beherrsche.»
Marcel Koller verbringt 40 bis 50 Stunden mit dem Bau eines eigenen Basses. In seiner Freizeit tüftelt er abendelang an neuen Klängen. Bilder pd
Marcel Koller verbringt 40 bis 50 Stunden mit dem Bau eines eigenen Basses. In seiner Freizeit tüftelt er abendelang an neuen Klängen. Bilder pd

Musik

Der Daniel Düsentrieb der Bässe

Über 15 eigene Bässe hat Marcel Koller schon gebaut. Einen aus Eschenholz vom Schwiegervater, einen anderen mit einem integrierten Lautstärkersystem.

Im Haus von Marcel Koller schlägt jedes Musikerherz automatisch höher: Wenn man das Zimmer im obersten Stock betritt, findet man sich in einem aussergewöhnlichen Instrumentenlager wieder. Zehn Bässe stehen hier in Reih und Glied. Stunden verbringt hier Marcel Koller, tüftelt an neuen Bässen, an neuen oder etwas anderen Klängen. «Eine grosse Leidenschaft», sagt seine Frau Helen. Früh hat der ehemalige Bassist von Snowchain und heutige Bandleader von Charburn mit dem Instrumentenbau begonnen. «Mit 14 Jahren habe ich meinen ersten Bass gebaut», sagt er. Und schon als Kleinkind hat ihn der Aufbau von Spielsachen interessiert. Dies hat der zweifache Vater bemerkt, als er seinen Kindern die Spielsachen aus seiner Kindheit übergeben wollte. «Viele Spielsachen waren nicht mehr vorhanden. Ich habe sie als Kind so sehr auseinandergenommen, um ihr Innenleben zu erforschen, dass sie heute nicht mehr funktionstüchtig sind.»

Schreinerlehre half

Heute besitzt Marcel Koller zehn Bässe, die allesamt etwas anders klingen. Sei es aufgrund des Holzes, ihrer Beschaffenheit oder eines speziell eingebauten Etwas. Einer ist gar aus einer Esche des Schwiegervaters gebaut, der andere hat einen integrierten Lautsprecher. «Ich habe fast doppelt so viele Bässe gebaut, doch im Sinne des Lernens und Entdeckens und der damals noch fehlenden Fachliteratur war das Resultat nicht immer zufriedenstellend», sagt Marcel Koller. Deswegen hat er sich von Anfängermodellen getrennt, der eine oder andere Brocki-Kunde konnte sich an diesen freuen. «Da ich mich im Bassbau ständig verbessern möchte, muss man auch die Gnade besitzen, sich von Anfängermodellen zu trennen», sagt Koller, «die Schreinerlehre, die ich nach der Schule absolvierte, eröffnete mir in dem Bereich noch mehr Möglichkeiten.» Die Instrumente, die Koller heute baut, seien aus zähem, sehr langfasrigem Holz. «Es hat sehr harte Winterjahrringe, die sich mit weicheren vom Sommer abwechseln», sagt er. Dies reduziere das Gewicht bei gleicher Stabilität.

Brillanter Klang

Die massiv gebauten Hälse laufen durch das ganze Instrument hindurch. «Das ergibt einen äusserst brillanten Klang, und die Saite ist nicht in der Lage, über einen gewissen Punkt hinauszuschwingen, weil es die Statik der Konstruktion nicht zulässt. So spiele ich oft akkordische Figuren, die eigentlich für Gitarre oder Keyboard gedacht wären.» Marcel Koller zeigt seinen Proberaum im Kellergeschoss – auch hier alles selber ausgebaut. Er steckt seinen Bass ein und beginnt zu spielen. Bass- und Gitarrenklänge ertönen gleichzeitig. «Parallel», wie er erklärt. Marcel Koller hat seinen Bass so gebaut, dass das Signal des Basses über eine Schaltung in zwei Verstärker läuft. So tönt es zum einen nach Basssound, zum anderen nach Gitarre. «Ein ganzer Bandsound kann so vermittelt werden», erklärt Koller. In seiner Rockband Charburn wendet er diese Technik oft an. Die Band ist nämlich heute als Duo unterwegs. «Mein Kollege Dionys Jäger begleitet mich am Schlagzeug. Das Musizieren in dieser einfachen Bandbesetzung mach irrsinnig Spass.»

Hobby zum Beruf gemacht

Heute darf Marcel Koller auch als Instrumentenbauer arbeiten. Beim bekannten Kontrabass-Shop von Mark Schuler in Rothenthurm baut er Kontrabasse. Der leidenschaftliche Musiker sagt: «Der Kreis schliesst sich.»

Bote der Urschweiz (Nicole Auf der Maur)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

18.05.2016

Webcode

schwyzkultur.ch/QgrxgB