Klavierbauer Urs Bachmann stimmte den Flügel für die Konzerte der hochkarätigen Musiker. Bild: PD
Klavierbauer Urs Bachmann stimmte den Flügel für die Konzerte der hochkarätigen Musiker. Bild: PD

Musik

Musikalischer Zauber mit hochkarätigen Pianisten Brunnen

In einem familiär anmutenden Saal im Grand Palais in Brunnen spielten am Wochenende während des Festivals «Grand Palais Classic» hoch angesehene, weltberühmte Pianisten und Musiker ganz nahe bei ihren Hörern.

Hoch angesehene Musiker entlockten am Wochenende im Saal des Grand Palais in Brunnen ihren Instrumenten, in diesem Fall vor allem den Klaviertasten, Erhabenes, Sanft-Schönes und Anmutiges. Genau darum passte der Ort. Raumhohe Fenster gaben den Blick frei Richtung Urnersee, zu einer wirklich anmutigen Gegend. Aber auch hinauf ging der Blick zu klaren Gebirgslinien ums Urner Tal, zu erhabenen Höhen und in fremde Welten. Freundlichkeit, Anmut, klare Konturen einerseits, Erhabenheit und Würde anderseits kennzeichneten auch das Spiel der virtuosen Musiker.


Preisgekrönter Pianist spielte Chopin-Nocturnes


Der Freitagabend diene als Beispiel: Peter Efler, der vielfach preisgekrönte Pianist und ehemalige Musikprofessor, spielte Chopin-Nocturnes. Er holte aus den Akkordwelten, was Chopin in ihnen angelegt hatte: eine innere Weite – und dann aber auch aus den einzelnen Tonlinien den melodisch-lyrischen Zauber oder das prickelnd Dahinlaufende. Das sind Gegensätze, sie sollten gewahrt und gleichzeitig in eine Einheit geführt werden. Kein leichtes Unterfangen! Peter Efler meisterte das famos. Er entfaltete ein Spiel, das diese Akkordwelt folgerichtig auseinander hervorgehen liess. Die Abwechslung von Forte- und Piano-Stellen, intensiv, aber nie hart, auch nie ausdruckslos, wirkten spannend. Die Wiederholungen in der linken Hand, genau durchgezählt wie alle jene Stellen, die genaue Masseinheit verlangen, gaben den Variationen Stabilität. Die Phrasierung hingegen verlieh den Varianten Eigengewicht. Das Haltepedal intensivierte mächtig und prächtig das Klangvolumen, war aber dezent genug eingesetzt, um Abstufungen in diesem Volumen, um Grenzen zu markieren.


Impressionistische Klangkunst


Wenn bei Chopin die kleinen Nuancen der Abweichung von der traditionellen Harmonik, das verzierende Abwandeln und Umspielen harmonischer Erwartungen einen exotischen Reiz entfalten, so gilt dies erst recht für die Musik, die im zweiten Teil des Abends geboten wurde. Ravels «Sonatine» sowie die «Valses nobles et sentimentales» und Debussys «Estampes» und «L’isle joyeuse » stammen ja bereits aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts, da war der Innovationsmut bereits ausgeprägter. Diesen zweiten Teil bewältigte am Flügel Gérard Wyss, ebenfalls ein sehr berühmter Piano-Künstler, regelmässiger Gast auf grossen Konzertbühnen und an prächtigen Festivals. Konzertdramaturgisch hatte dieser zweite Teil seine Richtigkeit, weil all die spannenden Abweichungen vom Traditionellen, die wir schon bei Chopin antreffen, hier intensiviert erscheinen. Sie stechen umso deutlicher hervor, weil die Sonatine Ravels sich rein formal durchaus an die traditionelle Sonatensatzform hält. Aber dieser überlieferten festen Form steht etwas farbenprächtig Expressives entgegen. Dazu kommen die relativ schnellen Tempiwechsel, abrupte Neuanfänge oder Stellen, die wie aus der Ferne erklingen sollen. Gérard Wyss ziselierte solche Stellen denn auch exotisch reizvoll und gab, die Sonatensatzform heraushebend, dem ganzen dennoch Einheit. Die «Valses nobles et sentimentales» weisen durch die wirklich Walzern entsprechenden ¾-Takte ebenfalls in die Tradition zurück, was Wyss auch an den hierfür passenden Stellen hörbar machte. Mit dem letzten Komponisten dieses Abends, mit Claude Debussy, war der Impressionismus definitiv da. Wie der Name sagt: Hier gibt die Musik Impressionen wieder. Dass dabei die Musik immer wieder von Anklängen an aussermusikalische Besonderheiten durchwirkt war, machte die Musik sprachähnlich. Empfinden wir das nicht immer als reizvoll? Dieses Empfinden wurde geweckt durch das virtuose Spiel des Pianisten, es versetzte mit famoser Tastenakrobatik in den Fernen Osten, nach Spanien und in nasse Gärten. Und dann am Schluss auf eine fröhliche Insel – und in eins damit in jubilierenden Rausch. Das war der krönende Abschluss dieses einen Abends.


Bote der Urschweiz / Daniel Annen

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

28.05.2019

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schwyzkultur.ch/rNP6bQ