Das Orchester Schwyz-Brunnen konzertierte mit dem Perkussionisten Ramon Kündig und unter der Leitung von Stefan Albrecht in den Pfarrkirchen von Ingenbohl und Seewen (Bild). Bild Christian Ballat
Das Orchester Schwyz-Brunnen konzertierte mit dem Perkussionisten Ramon Kündig und unter der Leitung von Stefan Albrecht in den Pfarrkirchen von Ingenbohl und Seewen (Bild). Bild Christian Ballat

Musik

Orchesterkonzert mit französischem Charme und Esprit

Ausgezeichnete Jubiläumskonzerte des Orchesters Schwyz-Brunnen: Unter Dirigent Stefan Albrecht zeigte der Schwyzer Perkussionist Ramon Kündig sein Können.

Dass das Orchester Schwyz-Brunnen aus dem kulturellen Leben der Innerschweiz nicht wegzudenken ist, ist für viele treue Konzertbesucherinnen und Konzertbesucher schon längst eine Selbstverständlichkeit. Dass es aber mit dem Dirigenten Stefan Albrecht während 20 Jahren unter einer ebenso inspirierenden wie didaktisch hervorragenden Leitung nicht nur spielt, sondern auch echt herausgefordert wird, darf als besonderer Glücksfall gewürdigt werden. Das diesjährige Frühjahrskonzert bezeugte diese bewundernswerte Tatsache wieder einmal mehr, ja überbot sie sogar. Eine überaus zahlreich erschienene Zuhörerschaft – eigentlich müsste man von einer Fangemeinde sprechen – erlebte ein Programm, das ausschliesslich französische Komponisten berücksichtigte. Drei von ihnen – Darius Milhaud, Gabriel Fauré und Camille Saint-Saëns – sind im 19. Jahrhundert geboren und dürfen als Wegbereiter des spätromantischen Erbes zum hochdifferenzierten Orchesterklang des Impressionismus bezeichnet werden.

Ein phänomenaler Perkussionist

Mit dem 1961 geborenen Emmanuel Séjourné betrat man eigentliches musikalisches Neuland. Sein «Concerto für Marimba und Streichorchester» aus dem Jahr 2005 brachte eine Überraschung, die bereits mit Milhauds «Konzert für Schlagzeug und kleines Orchester» (1929–1930) stilvoll eigeleitet wurde. Damit kommen wir auf einen Höhepunkt des Konzertes zu sprechen: Wir denken an die in jeder Beziehung phänomenalen zwei Auftritte des hochbegabten Schlagzeugers Ramon Kündig. Eigentlich wäre es für ihn ein Leichtes gewesen, sich als ein durchaus berechtigter Star in den Mittelpunkt der unwahrscheinlich beherrschten Einsätze verschiedenster Perkussionsinstrumente zu stellen. Aber das stilsicher und einfühlend reagierende Orchester auf die reiche Palette der Klangkaskaden von Pauken, Cinelli, Trommeln, Gong, Tamburin usw. ermöglichte es, dass sowohl bei den Kompositionen von Milhaud wie von Séjourné das Werk im Zentrum stand. Auch die unübersehbar optische Präsenz der Marimba, die einem überdimensioniert grossen Xylofon gleicht, ermöglichte es, sich auf das in jeder Beziehung hinreissende Spiel des Interpreten Ramon Kündig zu konzentrieren, sei es die melodiöse Zwiesprache mit dem Orchester oder die sich an romantischen Klangbildern orientierende melancholische Stimmung, oder seien es die sich an Jazz und Rock inspirierenden Ausbrüche, die präzise, sich bis in tänzerische Ekstase steigernde Rhythmik oder der hochdifferenzierte, meist mehrstimmige Anschlag, der alle Nuancen dem herrlich klingenden Instrument entlockte.

Glänzend disponiertes Orchester

Bei den Kompositionen von Gabriel Fauré und Camille Saint-Saëns konnte man sich an den Interpretationskünsten des hochmotivierten Orchesters erfreuen. Doch nicht nur das: Mit der Sinfonie Nr. 2 von Camille Saint-Saëns bewies auch Stefan Albrecht einmal mehr den Mut, nicht nur seinem Orchester, sondern auch dem interessiert mitgehenden Publikum ein wenig – oder wie hier im Fall von Saint-Saëns – ein gänzlich unbekanntes Werk zuzutrauen. Dieses Werk ist ein eigentlicher Geniestreich des 24-jährigen Komponisten und in seiner herrlichen Interpretation auch ein eigentlicher Geniestreich des Orchesters. Dabei konnte es sich auf die präzise Deutung und überzeugende, nachschöpferische Gestaltung seines Dirigenten verlassen. Auch beim vollen Einsatz in den Tutti- und Fortissimopassagen blieben der differenzierte Gesamtklang in allen Registern und das oft traumhaft sichere Zusammenspiel der Bläser mit den Streichern bewahrt. Die nicht wenigen Soloeinsätze bei den Bläsern wie bei den Streichern fügten sich nahtlos in den Gesamtklang, die Klangstärken reichten vom hingetupften Pizzicato bis zum entfesselten Klangrausch, vom meditierenden Adagio bis zum dahinfegenden Prestissimo des Schlusssatzes. Nach dem begeisterten Schlussapplaus verdanke Vital Zehnder als Präsident des Orchesters mit sympathischen Worten die grossen Verdienste des Dirigenten Stefan Albrecht und sein 20-jähriges Führen als Dirigent.

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

27.04.2016

Webcode

schwyzkultur.ch/hQPxqW