Stefan Albrecht steht in der Familientradition: Er ist seit 20 Jahren in der Region tätig, Vater Roman Albrecht war es mehr als 40 Jahre lang. Bild Josias Clavadetscher
Stefan Albrecht steht in der Familientradition: Er ist seit 20 Jahren in der Region tätig, Vater Roman Albrecht war es mehr als 40 Jahre lang. Bild Josias Clavadetscher

Musik

«Proben und Auftritte sind das Dessert»

Der Musiker und Dirigent Stefan Albrecht ist seit 20 Jahren in Innerschwyz tätig. Er führt erfolgreich den hohen Standard im Chor- und Orchesterwesen weiter, den sein Vater Roman Albrecht aufgebaut hat.

Mit Stefan Albrecht sprach Josias Clavadetscher

Josias Clavadetscher:Sie sind in einem Elternhaus mit viel klassischer Musik aufgewachsen. War das prägend?

Stefan Albrecht:Das kann man sicher so sagen.

Gab es auch Druck, sich mit klassischer Musik zu befassen und ein Instrument zu erlernen?

Es gab vielleicht eine Art sanften Zwang. So wie wir jetzt bei unseren Kindern auch darauf schauen, dass sie üben. Aber ich habe von meinem Vater nie gehört, dass ich Musiker werden soll oder dass er erwarte, dass ich seine Arbeit fortsetze.

Wann haben Sie denn selber den Weg in Richtung Musik eingeschlagen?

Am Gymnasium habe ich gespürt, dass das eine Möglichkeit wäre. Ich habe natürlich schon als Fünfjähriger mit der Geige angefangen und dann immer in den Orchestern mitgespielt. Ich bin regelrecht in alles hineingewachsen.

Ihr Vater, Roman Albrecht, hat die Musikszene in Innerschwyz über mehr als 40 Jahre geprägt. Wäre er enttäuscht gewesen, wenn bei Ihnen kein musikalisches Talent vorhanden gewesen wäre?

Nein, ich glaube nicht. Aber umgekehrt war er natürlich stolz, dass vier von seinen fünf Kindern Berufsmusiker geworden sind. Er hat aber überhaupt nie irgendwelche Erwartungen ausgedrückt. Vielleicht hätte er damit sogar das Gegenteil bewirkt, wenn wir Kinder dann in Opposition getreten wären. Er hat uns die Musik vorgelebt. Es war einfach selbstverständlich für uns, aber nicht in dem Sinne, dass wir einen anderen Weg nicht hätten gehen können oder dürfen.

Alle Kinder sind Streicher?

Ja. Ich habe auch zuerst Violine und Viola gespielt. Dann wurde bei mir aber die Orgel das Hauptinstrument.

Kam ein Blasinstrument nie infrage?

Das wäre sicher kein Problem gewesen. Mein Vater hat sich aber einmal geäussert, dass ich schon als Kind immer so rein gesungen habe, dass eigentlich die Geige das richtige Instrument gewesen sei. Ein Streichinstrument setzt ein noch besseres Gehör voraus als ein Blasinstrument oder ein Klavier. Wenn man im Geigenspiel mit dem Griff nur leicht verrutscht und es nicht hört, dann ist es sofort nicht gut.

Sie haben ein Studium in Kirchenmusik absolviert. Warum nicht symphonische Musik oder Solist?

Das Spiel im Orchester, im Ensemble, hat mir zwar immer sehr gefallen. Ich habe dort aber bald von Geige auf Bratsche gewechselt, weil es nicht mein Ding war, pro Tag fünf bis sechs Stunden zu üben. Darumhabe ich begonnen, selber Klavier zu lernen. Übrigens autodidaktisch, ich habe in meinem Leben keine einzige Klavierstunde gehabt. Dann habe ich auf Orgel gewechselt und Stunden genommen. Der Grund war eigentlich, dass das Ganze mich mehr interessiert hat als eine Einzelstimme im Orchester.

Warum Kirchenmusik?

Wegen der Orgel, sie ist derart eng mit der Kirche verbunden. Mit Ausnahme vielleicht von einem Konzertsaal stehen alle Orgeln in Kirchen.

Ist die Orgel wirklich die Königin der Instrumente?

Das hat damit zu tun, dass die Orgel von der Wucht und der Grösse her enormen Eindruck macht. Oder weil die Orgel mit ihren Registern es zulässt, dass man klanglich andere Instrumente imitieren kann. Heute müsste man vielleicht – wenn man ganz bös sein möchte – sagen, dass der Synthesizer der König der Instrumente ist.

Sie sind jetzt seit 20 Jahren in Brunnen als Chor- und Orchesterleiter tätig. War das Karriereplanung?Haben Sie je gedacht, in die Fussstapfen Ihres Vaters zu treten?

Nein, überhaupt nicht. Ich bin nach dem fünfjährigen Studium in Luzern für ein Jahr nach Wien gezogen, um Kapellmeister, also Orchesterdirigent, zu studieren.

Und wieder zurückgekommen?

In Rapperswil war eine fantastische Stelle ausgeschrieben für Orgel, Chor und Laienorchester. Ich habe mich von Wien aus beworben, konnte vordirigieren und habe als junger «Schnuufer» diese Stelle gegen namhafte Mitbewerber erhalten. Dann war ich acht Jahre in Rapperswil.

Und zurück in Innerschwyz?

Auch das war nie geplant. Als mein Vater in Brunnen zurücktreten wollte, sind die Vereine aktiv geworden. Sie haben sich offenbar gesagt, ob man nicht

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

02.04.2016

Webcode

schwyzkultur.ch/5i3f8i