Haben die Neubearbeitung der Oper ermöglicht: die Musikwissenschaftler Chris Walton (rechts) und Thomas Gartmann. Bild: Josias Clavadetscher
Haben die Neubearbeitung der Oper ermöglicht: die Musikwissenschaftler Chris Walton (rechts) und Thomas Gartmann. Bild: Josias Clavadetscher

Musik

Schoeck-Oper wurde «entgiftet»

Das Othmar-Schoeck-Festival von 2016 hat eine bedeutende Nachwirkung. Die damals an einem Symposium behandelte Oper «Das Schloss Dürande» ist überarbeitet worden und wird nun aufgeführt.

Im grossen Werk des Brunner Komponisten Othmar Schoeck (1886–1957) ist die Oper «Das Schloss Dürande» bis heute so etwas wie das verleugnete Kind geblieben. Schoeck träumte Zeit seines Lebens von einem durchschlagenden Opernerfolg in Deutschland. Von der damaligen Nazi-Elite umworben, arbeitete er dazu an der Oper «Das Schloss Dürande » nach einer Novelle von Joseph von Eichendorff. Librettist war jedoch Hermann Burte, ein glühender Vertreter der völkischen Ideologie. Die Oper wurde 1943 (!) an der Staatsoper im bombardierten Berlin uraufgeführt. Nach dem Krieg und bis heute war das Bühnenwerk aufgrund der belasteten Entstehungsgeschichte und vor allem wegen dem Text schlicht nicht mehr aufführbar.


Ziel erreicht


Ein Ziel des Othmar-Schoeck-Festivals Herbst 2016 war es, zu klären, wie diese Oper «dekontanimiert» und wieder aufführungsreif gemacht werden könnte. Unterstützt durch ein Forschungsprojekt des Schweizerischen Nationalfonds (SNF), hat ein wissenschaftliches Symposium erörtert, wie diese Oper aus dem nationalsozialistisch mitgeprägten Umfeld heraus- und wieder dem modernen Opernrepertoire zugeführt werden könnte. An diesem Symposium haben Musikwissenschaftler aus Salzburg, London, Cleveland, Strassburg, Berlin, Oxford und der Schweiz teilgenommen. Geleitet wurde es von Schoeck-Biograf und Musikhistoriker Chris Walton, Solothurn, und von Thomas Gartmann, Leiter der Abteilung Forschung an der Hochschule der Künste in Bern. Inzwischen liegt das Ergebnis vor. Die Schoeck-Oper ist durch Chefdirigent Mario Venzago vom Berner Symphonieorchester von ihrem völkisch-propagandistischen Charakter befreit worden. Venzago hat die Gesangsstimmen restauriert. Weiter hat der Berner Dichter Francesco Micieli das bisherige Libretto gezielt durch Gedichte und Prosa von Eichendorff ersetzt. Damit sei es gelungen, so Gartmann, die Atmosphäre der Novelle einzufangen und poetischer und stringenter zu erzählen. «Nun hat Schoeck seine Eichendorff-Oper», betonte Gartman, «die eigentlich sein geheimes Hauptwerk ist.» Die Musik gehöre zum Wunderbarsten, was Schoeck geschrieben habe, ist man sich einig.


Zweite Uraufführung Ende Mai in Bern


Diese Oper in vier Akten wird nun am Donnerstag, 31. Mai (Fronleicham), im Stadttheater Bern konzertant aufgeführt. Aufgrund der Überarbeitung handelt es sich um eine Uraufführung.

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

26.04.2018

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schwyzkultur.ch/g3aw3U