Josef Stump (rechts auf dem Bild links) um 1920 zusammen mit seinem kongenialen Partner Balz Schmidig aus Oberschönenbuch.
Josef Stump (rechts auf dem Bild links) um 1920 zusammen mit seinem kongenialen Partner Balz Schmidig aus Oberschönenbuch.
Alois «Mosi-Wisel» Lüönd lernte die Josef-Stump-Tänze von seinem Vorbild Martin Nauer, der massgeblich dafür verantwortlich ist, dass die Musik von «Stumpä Sebäli» überlebt hat. Bilder: Archiv Alois Lüönd
Alois «Mosi-Wisel» Lüönd lernte die Josef-Stump-Tänze von seinem Vorbild Martin Nauer, der massgeblich dafür verantwortlich ist, dass die Musik von «Stumpä Sebäli» überlebt hat. Bilder: Archiv Alois Lüönd

Musik

«Stumpä Sebäli» – ein Jahrhundert-Örgeler

Beinahe wäre sein Schaffen in Vergessenheit geraten. Josef Stump (1883–1929), Unterschönenbuch, war ein bahnbrechender Schwyzerörgeler.

Grundsätzlich ist es unerklärlich, wie ein ungebildeter Stegreifmusiker auf einem Schwyzerörgeli, das damals mit dem heute noch gängigen System kaum fünf Jahre alt war, hochkomplexe und spieltechnisch anspruchsvollste Kompositionen erschaffen konnte. Die Rede ist von Josef Stump aus Unterschönenbuch, der vor 90 Jahren mit gerade 46 Jahren verstarb. Prägend bis heute Über den Sommer ging der kinderlose Josef Stump auf den Stoos z Alp, unds päter soll er mit Lebensmitteln und Melkgeschirr gehandelt haben. Seine Leidenschaft galt aber dem Schwyzerörgelispiel, mit welchem er sich etwas Geld, vor allem aber Verpflegung und Unterkunft verdiente. Josef Stump war nirgends lange sesshaft. So soll er auch kurze Zeit in Frankreich als Knecht gearbeitet haben und wohnte mal in Steinen, mal in Ibach, Oberschönenbuch, Niederrohrdorf und im Sommer immer wieder auf dem Stoos. In der Endphase der Belle Epoque war die Region Innerschwyz touristisch belebt, und es wurde viel Salon- und Tanzmusik gespielt. Es wird angenommen, dass Josef Stump – offensichtlich mit einem ausserordentlichen, musikalischen Gedächtnis gesegnet – «fremde» Melodien und Harmonien aufschnappte und diese in seine eigenen Kompositionen einfliessen liess. Eines seiner Markenzeichen sind die melancholischen Moll-Harmonien, die bassseitig auf dem Schwyzerörgeli als reines Dur-Instrument gar nicht vorhanden sind. Erst etwas später benützte Josef Stumps kongenialer Partner Balz Schmidig (1894–1947)ein extra gefertigtes 36-bassiges Nussbaumer-Schwyzerörgeli, das über den gesamten Quintenzirkel auch über Moll-Begleitakkorde verfügte. Stump selber umging dies geschickt und benützte stets sein von einem Geigenspieler finanziertesStandart-«Nussbaumerli».


Unglaubliches Werk hinterlassen


«Wir können Stumps Einfluss auf die Entwicklung der Ländlermusik nicht hoch genug einschätzen», schrieb der Musiker und Musikethnologe Dieter Ringli im Noten- und Geschichtsbuch «Josef Stump & Balz Schmidig – zwei Schwyzerörgeli-Pioniere am Anfang des 20. Jahrhunderts», das 2009 unter der Leitung von Markus Flückiger vom Haus der Volksmusik veröffentlicht wurde. Und wenn man sieht, welche Musiker heute Josef Stump als eines oder gar das Vorbild bezeichnen, dann ist dies selbsterklärend. Vor exakt 100 Jahren erschien eine Schellackplatte der Berglerkapelle Balz Schmidig, auf welcher die beiden Örgeler gemeinsam zu hören sind. Die Aufnahmen gelten heute als Meilenstein der heimischen Volksmusik. Viele weitere Kompositionen von Josef Stump wären jedoch nach dessen frühen Tod verloren gegangen, wenn nicht Balz Schmidig diese ab den 40er-Jahren mit dem Schwyzer Örgelidoktor und grandiosen Musikanten Martin Nauer weitergespielt hätte. Letzter übergab die meist hoch anspruchsvollen Tänze den damals jungen Musikanten Seebi Schmidig aus Arth und Alois «Mosi-Wisel» Lüönd aus Ingenbohl. Später nahmen sich weitere gute Schwyzerörgeler der Musik von Josef Stump an, und der bekannte Schwyzerörgeler Reto Grab hat zu vielen Tänzen in aufwendiger Arbeit die Noten geschrieben. Das Werk des Jahrhundert-Örgelers konnte mehrheitlich in die Neuzeit gerettet werden, was aus volkskundlicher, aber vor allem aus musikalischer Sicht von unschätzbarem Wert ist.


Bote der Urschweiz / Roger Bürgler

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

27.09.2019

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schwyzkultur.ch/6VweqH